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Gummibärchen sollen die Welt erobern Die Pläne der neuen Haribo-Herrscher

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Haribo nicht im Fokus

Auch die Russen mögen Ihre Goldbären und Lakritzschnecken. Spüren Sie die Auswirkungen der Ukraine-Krise?

Phiesel: Wir sind seit mehr als einem Jahrzehnt in Russland aktiv und dort Marktführer. Das Wachstum wird auch in diesem Jahr hoch zweistellig sein. Was uns belastet, ist die Abwertung des Rubel. Aber wir investieren weiter in Russland.

Sie spüren die Sanktionen also nicht?

Phiesel: Es ist nicht einfach. Es gibt in Moskau Beamte, die durch die Supermärkte gehen und in den Regalen westliche Produkte aussortieren. Die Händler müssen dann hohe Strafen zahlen. Unsere Produkte stehen nicht auf diesen Listen, weil sie offenbar nicht so im Fokus stehen.

Riegel: Aber sie könnten morgen draufstehen, wer weiß das schon.

Wie wichtig ist denn Ihr Heimatmarkt Deutschland für Haribo?

Phiesel: Noch ist Deutschland der wichtigste Markt für uns mit einem Umsatzanteil von fast 50 Prozent. Wir wachsen einstellig.

Haribo steht für Hans Riegel Bonn, trotzdem bauen Sie eine neue Zentrale im 30 Kilometer entfernten Grafschaft. Warum?

Riegel: Wir benennen uns jedenfalls nicht in Harigra um, falls der Witz gleich kommt.

Diese Frage verkneifen wir uns. Aber wie nimmt die Belegschaft den Umzug auf?

Riegel: Die Reaktionen waren positiv, vor allem in der Produktion. Viele haben sich gefragt, was aus dem Werk in Bonn wird. Das bleibt, die Arbeitsplätze sind sicher.

Mit dem Wechsel nach Rheinland-Pfalz ziehen Sie in eine steuergünstigere Region. Das ist doch kein Zufall, oder?

Riegel: Die Entscheidung für Grafschaft ist eine für weit mehr als die kommenden 50 Jahre. Glauben Sie, die hätten wir aufgrund einer Vergünstigung bei der Gewerbesteuer getroffen? Gibt es die in 30 Jahren überhaupt noch? Wenn ja, wie hoch ist sie dann? Ich treffe meine Entscheidungen nicht auf diesem Niveau.

Was spricht dann für Grafschaft?

Riegel: Wir haben mit externen Fachleuten mehr als 100 Standorte im Umkreis von maximal 40 Kilometern geprüft. Am Schluss dieses Auswahlverfahrens waren Grafschaft und Euskirchen übrig. Und Grafschaft ist für unsere Mitarbeiter besser zu erreichen. Die Wahl haben Aufsichtsrat und Geschäftsführung schon 2012 einhellig getroffen, als mein Onkel noch lebte.

Luxemburgs Premierminister sagte im Rahmen der Diskussion um umstrittene Steuersparmodelle, dass nicht nur Konzerne wie Amazon oder E.On von Vergünstigungen in Luxemburg profitieren, sondern auch Familienunternehmen wie Haribo.

Phiesel: Unsere Marke wurde nur genannt, weil sie bekannt ist. Luxemburg will von Haribos gutem Ruf profitieren. Das ist unverschämt.

Riegel: Wir wollen von Luxemburg aus künftig unser internationales Duty-free-Geschäft steuern. Das ist ein ganz normales Geschäft und hat nichts mit den erwähnten Steuerspartricks zu tun. Wir haben dort keine Briefkastenfirma und planen auch keine Verlagerung von Umsätzen oder Gewinnen. Die Markenrechte von Haribo liegen bei den deutschen Gesellschaften, die produzierenden Gesellschaften führen Lizenzgebühren nach Deutschland ab, und dort werden sie auch versteuert.

Haribo hat also von seinem Engagement dort keine steuerlichen Vergünstigungen?

Riegel: Sollten sich welche ergeben, nutzen wir diese selbstverständlich. Aber wir tricksen nicht. Und wir würden doch nie die neue Zentrale 17 Kilometer entfernt von Bonn in Rheinland-Pfalz bauen, wenn wir nicht in Deutschland bleiben wollten.

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