Halbjahreszahlen BASF – der Boom vor dem Sturm

BASF legt Halbjahreszahlen vor. Quelle: imago images

Inmitten von Lieferkettenchaos, Lockdowns und Gaskrise steigert die BASF den Gewinn. Doch das wird nicht ewig so weitergehen. Immerhin ist der Konzern optimistisch, den Standort Ludwigshafen nicht abschalten zu müssen.

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Zuletzt fiel BASF-Chef Martin Brudermüller, eigentlich ein optimistischer Mensch, durch eher finstere Aussagen auf. „Wollen wir unsere gesamte Volkswirtschaft zerstören?“, fragte er im Frühjahr rhetorisch – angesichts von Forderungen nach einem Boykott russischen Gases. Der BASF-Boss ist in großer Sorge, sein Unternehmen ist der größte Gasverbraucher des Landes und entsprechend abhängig von den Lieferungen. Notfalls müssten die Anlagen abgeschaltet werden, erklärte Brudermüller – mit gravierenden Folgen für die deutsche Wirtschaft, die auch auf Vorprodukte aus Ludwigshafen angewiesen ist.        

Nun jedoch hatte der BASF-Chef dann wieder Positives zu verkünden: Trotz Gaskrise, Inflation, Lieferengpässen und Corona-Lockdowns in China macht die BASF gute Geschäfte. Im ersten Halbjahr stiegen Umsatz (plus 17 Prozent) und Gewinn (plus elf Prozent) zweistellig. Angesichts der unerwartet guten Zahlen erhöht der Ludwigshafener Konzern sogar seine Jahresziele: Statt 74 bis 77 Milliarden Euro Umsatz sollen nun im Gesamtjahr 2022 zwischen 86 und 89 Milliarden Euro erreicht werden. Auch die Gewinnprognose (Ebit) hob die BASF leicht an – auf 6,8 bis 7,2 Milliarden Euro.

Systemrelevante Chemiebranche

Brudermüller ahnt wohl: Das ist der Boom vor dem Sturm. Für das zweite Halbjahr geht der Konzern von einer „allmählichen Abkühlung der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung“ aus, die besonders in Europa, dem wichtigsten BASF-Markt,  deutlich stärker ausgeprägt sein wird. Hinzu kommen noch Unsicherheiten über mögliche weitere Lockdowns in China und die Folgen einer „Gasmangellage“ in Deutschland.

Der BASF stehen noch schwere Wochen und Monate bevor, solange nicht klar ist, wie viel russisches Gas noch in Deutschland ankommt. Brudermüller scheint jedoch inzwischen optimistisch zu sein, dass es nicht zum Äußersten – der Abschaltung der BASF-Anlagen in Ludwigshafen – kommt. Selbst wenn die dritte Stufe des Gas-Notfallplans ausgerufen wird und die Bundesnetzagentur die Gasverteilung übernimmt, geht die BASF davon aus, noch genügend Gas abzubekommen, um den Standort Ludwigshafen aufrechterhalten zu können, wenn auch mit reduzierter Last. Bei der Verteilung werde auch die „gesellschaftliche Bedeutung“ der Unternehmen berücksichtigt: „Große Teile der Chemieindustrie sind systemrelevant.“

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Wenn es hart auf hart kommt, würde die BASF auch auf die Vorteile der Internationalisierung setzen: Der Ausfall europäischer Kapazitäten könne teilweise durch höhere Anlagenauslastung an außereuropäischen Standorten ausgeglichen werden, so das Unternehmen.

Lesen Sie auch: Was passiert, wenn die BASF ihre Anlagen abschalten muss?

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