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Hanf-Drinks Coca-Colas Lust auf Cannabis

Als Bestandteil von Energy Drinks ist Cannabis heute schon erhältlich - allerdings ohne das berauschende THC. Getränkekonzerne sehen in Cannabis-Drinks einen Zukunftsmarkt. Quelle: imago images

Die Geschäfte mit ihren klassischen Getränken laufen nicht mehr so gut. Brauereien und Getränkekonzerne suchen nun ihr Glück in Drinks mit Cannabis. Die Aktionäre sind berauscht.

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Der größte Getränkehersteller der Welt könnte der nächste Branchenriese sein, der in das Geschäft mit Cannabisgetränken einsteigt. Coca-Cola beobachtet nach eigenen Angaben die entstehende Industrie und ist an Getränken mit CBD interessiert – dem nicht-psychoaktiven Inhaltsstoff in Marihuana, der gegen Schmerzen eingesetzt wird, aber keine Rauschwirkung entfaltet.

Der in Atlanta ansässige Softdrink-Hersteller führt laut einem Bericht von BNN Bloomberg Television für die Entwicklung der Getränke Gespräche mit dem kanadischem Marihuana-Produzenten Aurora Cannabis. „Wir beobachten intensiv das Wachstum von nicht-psychoaktivem CBD als Bestandteil von funktionellen Wellnessgetränken auf der ganzen Welt“, sagte Coca-Cola-Sprecher Kent Landers in einer E-Mail-Mitteilung an Bloomberg News. „Der Bereich entwickelt sich schnell. Derzeit sind noch keine Entscheidungen getroffen worden.“ Landers wollte zu Aurora keinen Kommentar abgeben.

Anleger von Aurora versetzte die Nachricht in einen Kaufrausch. Die Aktien stiegen am Montag an der Börse in Toronto um bis zu 22 Prozent auf 10,42 Dollar.

Die Getränkeindustrie ist in einem kleinen Rausch – sie sieht Pozential, darunter Getränkekonzerne und Brauereien. Denn Coca-Colas möglicher Vorstoß in den Marihuana-Sektor erfolgt, nachdem bereits andere Getränkehersteller versuchen, Cannabis als trendigen Inhaltsstoff hinzuzufügen. Grund für den Vorstoß ist das schwächer werdende traditionelle Geschäft. Im August gab der Corona-Bierbrauer Constellation Brands bekannt, dass er 3,8 Milliarden Dollar für eine Erhöhung seines Anteils an Canopy Growth ausgeben würde. Der kanadische Marihuana-Produzent kommt auf einen Marktwert von mehr als 13 Milliarden kanadischen Dollar (8,56 Milliarden Euro).

„Im Laufe des vergangenen Jahres sind wir dazu gekommen, den Cannabis-Markt und sein gewaltiges Potenzial besser zu verstehen“, sagt Vorstandschef Rob Sands vom Spiritousen-Riesen Constellation Brands. Der US-Konzern, der Biermarken wie Corona und Modelo verkauft, stieg bereits im Oktober 2017 beim kanadischen Marihuana-Produzenten Canopy Growth ein. Constellation war damit der Vorreiter der Branche – und hat einen guten Riecher bewiesen.

Viele bekannte Getränkemarken setzten auf den Cannabis-Trend. Kurz vor Constellations Mega-Investment bei Canopy hatte bereits der weltweit fünftgrößte Brauereikonzern Molson Coors angekündigt, groß im Cannabis-Geschäft mitmischen zu wollen. Molson Coors startet ein Joint Venture mit Quebecs Hydropothecary zur Entwicklung von Cannabisgetränken in Kanada. „Wir bleiben im Kern ein Bier-Unternehmen, freuen uns aber, ein separates neues Projekt mit einem zuverlässigen Partner zu gründen“, erklärte Frederic Landtmeters, der Chef von Molson Coors Canada. Auch Diageo, der Hersteller von Guinness-Bier, Johnnie Walker und Smirnoff, führt Gespräche mit mindestens drei kanadischen Cannabisproduzenten über einen möglichen Deal, berichtete BNN Bloomberg im August. Die Craft-Bier-Marke Lagunitas von Heineken hat eine Marke auf den Markt gebracht, die sich auf alkoholfreie Getränke spezialisiert hat, die mit THC – dem aktiven Wirkstoff von Marihuana – versetzt werden.

Dass sich die Industrie nach Alternativen umschaut, hat gute Gründe. Denn der Bierkonsum in Nordamerika lässt aus Sicht der Hersteller zu wünschen übrig. Insbesondere die jüngere Kundschaft ist von Bud, Miller, Coors und Co. nicht mehr so angetan – wenn schon Alkohol, dann sind hier eher Wein oder Spirituosen gefragt. Die einzige Nische im US-Biermarkt, die in den vergangenen Jahren ordentlich wuchs, umfasst die „Craft Beers“ kleinerer Mikrobrauereien, die dadurch auch schon zu begehrten Übernahmezielen der Industrieriesen geworden sind.

Experten sehen das boomende Cannabis-Geschäft als große Chance für Bier- und Spirituosenhersteller. „Die Cannabis-Revolution ist in vollem Gange, während die Alkohol-Industrie bislang weitgehend abseits steht“, meint Spiros Malandrakis vom Marktforscher Euromonitor.

Euromonitor schätzt das jährliche Volumen legaler Marihuana-Verkäufe in Kanada auf 7,5 Milliarden Dollar. „Die Aufwärmphase ist zu Ende – jetzt geht es richtig los“, freut sich Canopy-Chef Bruce Linton. In den USA, wo Cannabis inzwischen in 30 Bundesstaaten als Genussmittel oder als Medikament erlaubt ist, dürfte das Marktvolumen in diesem Jahr zehn bis elf Milliarden Dollar erreichen.

Das Analysehaus Arcview geht davon aus, dass der Markt bis 2021 auf ein Volumen von 24 Milliarden Dollar steigt und die Marihuana-Industrie den USA 400.000 Jobs und vier Milliarden Dollar an Steuereinnahmen bescheren wird. Und einige davon, so scheint es, könnten bei Coca Cola entstehen.

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