Hannover Messe Industrie 4.0 soll 10.000 neue Jobs bringen

Die Fabrik der Zukunft nimmt Gestalt an - und die Industrie zeigt sich auf der Hannover Messe optimistisch: Die Industrie 4.0 werde der neue Jobmotor, verkündete VDMA-Präsident Reinhold Festge.

Kollege Roboter lässt grüßen
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schäkert bei der Eröffnung der Hannover Messe in Hannover mit indischen Maskottchen. Schon vor der Eröffnung hat sich Merkel für intensivere Handelsbeziehungen zum diesjährigen Messepartnerland Indien ausgesprochen. „Der Handel zwischen Deutschland und Indien kann noch verbessert werden, obwohl Deutschland schon der größte europäische Handelspartner Indiens ist“, sagte Merkel am Sonntagabend. Quelle: dpa
Merkel eröffnete die Messe am Abend gemeinsam mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi. Dabei mahnte sie zur Wachsamkeit: „Wir müssen in Europa einfach einen Zahn zulegen, genauso wie wir auch in Deutschland einen Zahn zulegen müssen“, sagte sie am Sonntag zur Eröffnung der weltgrößten Industrieschau . „Wir müssen uns jeden Tag ändern“, forderte Merkel mit Blick auf das Zukunftsthema vernetzte Produktion. Auch Modis Land will sich in Hannover als fortschrittliches Technologieland präsentieren. Modi versprach Reformen in seinem Land, um Handel zu erleichtern. „Für uns hat es außerdem höchste Priorität, eine Weltklasse-Infrastruktur zu schaffen“, sagte er. Quelle: dpa
Obwohl beide Länder ihre Beziehungen seit der Öffnung Indiens für Europa durch diverse Reformen ab 1991 intensivieren wollen, hat der bilaterale Handel wegen der Wachstumsschwäche der indischen Wirtschaft zuletzt abgenommen. So schrumpfte das Handelsvolumen in der Saison 2013 -2014 im Vergleich zur Vorperiode um 7,4 Prozent auf 16,1 Milliarden Euro. In der Rangfolge der deutschen Handelspartner steht Indien auf Platz 24, bei Ein- und Ausfuhren auf Platz 25. Umgekehrt steht Deutschland in Indien als Lieferant an 9. Stelle und als Abnehmer indischer Waren an 8. Stelle. In Indien werden vor allem Investitionsgüter nachgefragt, also Maschinen, die etwa ein Drittel am Gesamtexport nach Indien ausmachen, sowie Elektrotechnologie, Metallwaren, Chemie, Automobile. Nun will Indien wieder in di Offensive gehen und selbst als Handelspartner attraktiver werden. Mit seiner Milliardenbevölkerung will in diesem Jahr China als wachstumstärkstes Schwellenland überholen. Quelle: dpa
Nach Dampfmaschine, Fließband und Elektronik soll der Wirtschaft nun die vierte Revolution bevorstehen: die Vernetzung von Produkt, Maschine und Werkzeug in der Industrie 4.0. Quelle: dpa
Doch nur schleppend nimmt die nächste Entwicklungsstufe der Produktion in Deutschland Fahrt auf: Nur etwa die Hälfte der großen Unternehmen und 43 Prozent der Mittelständler messen der Industrie 4.0 eine hohe Bedeutung bei, ergab eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Quelle: dpa
Ein Grund ist laut Bitkom, dass viele Unternehmen die Chancen der Industrie 4.0 unterschätzen. Bei der Hannover Messe sollen ihre Möglichkeiten Gestalt annehmen. Schon zum dritten mal verschreibt sich die Hannover Messe damit demselben Thema, dieses Mal unter dem Titel „Integrated Industries – Join the Network“. Quelle: dpa
Mensch-Maschine-Kooperation ist ein zentrales Thema bei der diesjährigen Ausgabe der Messe. Die nächste Generation Roboter soll nicht mehr hinter Gittern, sondern Seite an Seite mit dem Facharbeiter werken. Ein Beispiel ist das Greifsystem des Herstellers Schunk. Quelle: dpa

Beflügelt durch optimistischere Wachstumsprognosen der Industrie hat am Montag die Hannover Messe ihre Tore geöffnet. Zum Auftakt der weltgrößten Industrieschau verkündeten die größten Branchenverbände für das laufende Jahr Wachstumsziele von rund zwei Prozent.

Das Vorantreiben der vernetzten Produktion - der sogenannten Industrie 4.0 - werde bis 2018 in Deutschland zu 10.000 zusätzlichen hochqualifizierten Arbeitsplätzen führen, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Reinhold Festge. Gesucht würden Informatik-Ingenieure, Software-Designer sowie Automatisierungstechniker. Aktuell gebe es etwa 2000 freie Stellen.

Auch die Elektroindustrie ist sich sicher: Die zunehmende Digitalisierung sei unumkehrbar, so Michael Ziesemer, Chef des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI). Dass dies auch Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation habe, sei klar: „Die Anforderungsprofile werden sich ändern.“ Künftig werde es weniger einfache Tätigkeiten geben, Mitarbeiter müssten zusätzliche Qualifikationen erlangen. „Neue Berufe brauchen wir aber nicht.“

Die Industrie 4.0 dürfte bis 2025 umgesetzt sein und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft stärken. Der Standort Deutschland drohe aber im Kopf-an-Kopf-Rennen mit den USA und Japan zurückzubleiben. Am meisten dürften die Bereiche Automobil- und Maschinenbau, Elektrotechnik und Logistik profitieren, ergab eine Branchenumfrage unter 1300 Mitgliedsunternehmen. Als Risiken werden neben der IT-Sicherheit fehlende Normen und Standards gesehen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hob seine Konjunkturprognose deutlich an. Er rechnet im laufenden Jahr nun mit einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent. „Der niedrige Ölpreis, der günstige Wechselkurs und der starke private Konsum treiben die Konjunktur an“, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo.

BDI fordert mehr Investitionen

Die guten Lohnabschlüsse sorgten für eine ordentliche Kaufkraft, und es gebe einen stabilen Zuwachs beim Auftragseingang. Auch innerhalb Europas festige sich die Erholung dank niedriger Zinsen, so Grillo.

Zuletzt hatte der BDI ein Wachstum von rund 1,5 Prozent erwartet. Ende März hatten auch die fünf „Wirtschaftsweisen“ ihre Prognose für 2015 auf 1,8 Prozent angehoben. Der BDI rief die Bundesregierung auf, den konjunkturellen Rückenwind für Strukturreformen zu nutzen. Nötig seien Ent- statt Belastungen der Industrie und mehr Investitionen, unter anderem in die digitale Infrastruktur. Statt nur auf Schuldenabbau zu schielen, müsse die öffentliche Hand Überschüsse im Haushalt für Investitionen nutzen, die die Wirtschaft ankurbelten.

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Laut einer Umfrage des IT-Verbands Bitkom sieht die deutsche Wirtschaft ein großes Potenzial in vernetzten und intelligenten Produktionsabläufen. Drei Viertel aller befragten Unternehmen erwarteten von „smarten“ Produktionsanlagen einen wesentlichen Beitrag zum künftigen Florieren der deutschen Wirtschaft, sagte Bitkom-Präsidiumsmitglied Winfried Holz auf der Messe.

Gleichzeitig hielten 80 Prozent der Befragten die eigene Branche aber noch für zu zögerlich bei Industrie 4.0. Für jedes siebte Unternehmen ist die intelligente Produktion kein Thema. Haupthemmnisse seien hohe Investitionskosten, der Fachkräftemangel und die Datensicherheit.

Am schnellsten Einzug in die Produktionshallen finden wird die Industrie 4.0 laut der Bitkom-Umfrage über „soziale Maschinen“. Diese informieren etwa, wenn sie eine Wartung benötigen - und wissen auch, wer im Dienst ist oder Urlaub hat. 28 Prozent der Firmen haben schon solche Maschinen.

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