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Hannover Messe Industrie 4.0 - Chance oder Hype?

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Industrie beginnt erst jetzt richtig mit Big Data


Die Highlights der Hannover Messe 2013
Beim Eröffnungsrundgang stürmten mehreren barbusigen Frauen, die „fuck dictator“ auf ihre Brüste geschrieben hatten, schreiend auf Russlands Staatspräsident Wladimir Putin zu. Dem hat die Aktion gefallen, sagte er bei der anschließenden Eröffnungspressekonferenz. „Ohne eine solche Aktion würde man weniger über eine solche Messe sprechen als mit einer solchen Aktion“, erklärte er. „Ich sehe darin nichts Schreckliches.“ Die Frauen waren von Leibwächtern gestoppt worden, bevor sie Putin erreichten. Bundeskanzlerin Angela Merkel verwies zwar auf die Demonstrationsfreiheit, kritisierte aber die Protestform. „Ob man in Deutschland zu einer solchen Notmaßnahme greifen muss und nicht anderweitig auch seine Meinung sagen kann, da habe ich meine Zweifel“, sagte sie. „Es gibt auch hier rechtliche Bestimmungen. Das wird jetzt überprüft werden.“ Quelle: dpa
Nach den barbusigen Demonstrantinnen war der nächste Zwischenfall vergleichsweise harmlos, wenn auch ärgerlich. Diese von einem Smartphone ferngesteuerte Libelle stürzte ab. Die anwesende Physikerin und Kanzlerin Angela Merkel erkannte als eine der ersten, was das Problem war. Die Störsender des russischen Sicherheitsdienstes von Staatspräsident Putin hatte den ultraleichten Flugkörper aus der Bahn geworfen. Das Familienunternehmen Festo aus Esslingen betreibt Bionic Learning Network, will also die Antriebstechnik von Fischen oder Vögeln verstehen und nachbauen, um neue Antriebsmodelle zu entwickeln. Quelle: AP
Russland ist in diesem Jahr Partnerland der Hannover Messe und ist mit 160 Ausstellern präsent. Nie zuvor habe die russische Industrie bei einer Auslandsmesse einen so starken Auftritt gehabt, sagt Messevorstand Jochen Köckler. Quelle: dpa
Industrial AutomationSie ist die Leitmesse rund um Prozessautomation, Fertigungsautomation und Systemlösungen für Produktion und Gebäude. Hier stehen die drahtlose Gerätekommunikation über Mobilfunknetze oder die Smart Factory im Fokus, denn in der Fabrik 4.0 sprechen keine Menschen, hier funken intelligente Maschinen. Wie das gehen soll, zeigt das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, das mit seiner SmartFactoryKL eine komplette Produktionslinie inmitten des Forums betreiben wird. „Integrated Industry“ lautet das diesjährige Leitthema der Hannover Messe, das sich quer durch alle Hallen zieht. Hallen: 8-9, 11, 14-17 Quelle: Presse
WindErneuerbare Energie sind wieder eines der absoluten Kernthemen der Messe. Es geht um Getriebetechnik, Rotorblätter und intelligente Energieintegration. Der Fachverband VDMA Power Systems befasst sich mit der aktuellen energiepolitische Entwicklung. Anlagen, Komponente und Services für die industrielle Anwendung von Windenergie werden vorgestellt. Halle: 27 Quelle: dpa
MobilTecFür die Autonation Deutschland ist die MobilTec eine der spannendsten Treffpunkte des Jahres. Hier dreht sich alles um die Zukunft der alternativen Antriebe. Die Hersteller zeigen neue vielversprechende Lösungen für Speichertechnologien und die Strominfrastruktur. Hallen: 25 + Freigelände Quelle: REUTERS
IndustrialGreenTec2012 war Prämiere für die Internationale Leitmesse für Umwelttechnologien. Nun kommen zum zweiten Mal die Themen Nachhaltigkeit in Produktion und Industrie auf die Tagesordnung. Die Schwerpunkte: umweltschonende Produktion und Produktionstechnologie; Kreislaufwirtschaft, Recycling und Abfallentsorgung; Anlagen und Einrichtungen zur Wasser- und Luftreinhaltung; usw. Halle: 6 Quelle: Presse

Der grundlegende Unterschied zu dem, was vor vierzig oder fünfzig Jahren unter dem Stichwort EDV oder elektronische Maschinensteuerung begann, sind die Dezentralität und die Datenmengen, die verarbeitet werden. Integrated Industrie bedeutet, dass sich das Werkstück oder das einzubauende Teil selbst seinen Weg durch die Produktion sucht.

"Wir können heute 1 Milliarde  Datenmengen in 9 Sekunden auswerten. Das ist bei der Fehleranalyse wichtig, also bei der Frage, wann ein Teil zu brechen droht. Oder bei komplexen Großprojekten, wo jedes Teil verortet werden muss." Bei der Meyer-Werft aus Papenburg etwa gehe es darum, dass die Zulieferung der einzelnen Schiffsteile über mehrere Produktions- und Zulieferstufen in engen Zeitfenstern optimiert und garantiert werden.

Forsa-Umfrage Industrie 4.0

Bislang nutzten fast ausschließlich Banken und Versicherungen die Analyse von Big Data unter anderem für die Risiko-Analyse großer Datenmengen. Jetzt entdeckt die Industrie die Möglichkeiten. "Wir sind dank der Datenauswertung in der Lage, mögliche Ausfälle von Maschinenteilen viel präziser vorherzubestimmen als früher", sagt Altmann. Beispiel Aufzugbauer und -dienstleister: Die neuen Techniken verkürzen die Ausfallzeiten von Aufzügen erheblich und vermindern damit Strafgelder.

Industrie 4.0 werde den Trend zur Verlagerung in Niedriglohnländer verlangsamen, vielleicht gar umkehren, meint Altmann. Denn Integrated Industrie macht es möglich die Variantenzahl zu steigern. "Diese Produktion vor Ort wird deutlich flexibler sein und kann sich den Marktgegebenheiten schneller anpassen." Damit verbunden sind aber auch größere Datenaufkommen, die darüber hinaus sehr unterschiedlich strukturiert sind und aus heterogenen  Quellen kommen. Die neue Datentechnologien können diese Daten in Echtzeit und sehr präzise aufschlüsseln und damit Zusammenhänge aufdecken, die bisher nicht sichtbar waren.

Als Hersteller von Business Analytics Software sieht Altmann die die geschäftlichen Chancen von SAS darin, den Kunden eine vorausschauende Analyse von Maschinendaten zu liefern. "Sie garantiert beispielsweise, dass Geräte nicht ausfallen und wenn doch, wissen die Kunden genau, wann das passieren wird."

Die Aufbruchstimmung ist aller Orten zu spüren. Der Technologiekonzern Bosch glaubt an strategische Vorteile auf dem weiten Feld der Fabrik 4.0. Bosch-Geschäftsführer Werner Struth erklärt, warum: "Zum einen sind wir bereits Anbieter von Soft- und Hardware-Lösungen für die Fabrik 4.0. Zum anderen sind und werden wir als produzierendes Unternehmen selbst auch Anwender und Umsetzer dieser Lösungen."

Industrie



Struth ist unter anderem zuständig für Fertigungskoordination und Entwicklung von Produktionssystemen, und trägt die Verantwortung für die Geschäftsbereiche Packaging Technology und Drive and Control Technology. Bosch erwartete sich durch die cyberphysikalischen Systeme, wie sie im Fachjargon heißen, weitere Potenziale in der gesamten Wertschöpfungskette. "Maschinen werden noch mehr Detailinformationen über ihren Zustand mitteilen. Mit diesen Informationen können wir dann ihre Verfügbarkeit erhöhen", erläutert Struth. Zudem soll intelligente Produktionsplanung die Auslastung von Fertigungsanlagen weiter optimieren.

Bereits heute vernetzt Bosch seine Produktion sowohl innerhalb der eigenen Fertigungsanlagen als auch darüber hinaus mit denen der Kunden. Für Struth ist klar: "Das Gedankengut, die Ideen und die Möglichkeiten von Industrie 4.0 müssen konkret entwickelt und nutzbringend eingesetzt werden. Die konkreten Lösungen werden dann nach und nach Einzug in unsere Fertigung finden."

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