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Haselseiner geht, Birtel kommt Strabag-Chefs halten Boni für Bestechung

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"Keine Abweichung von Compliance-Richtlinien"

Die erfolgreichsten Konzerne Europas
Die Top-Unternehmen in Europa erzielten nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young im vergangenen Jahr insgesamt zwar ein Umsatzplus von sechs Prozent (auf 7,5 Billionen Euro), das kumulierte operative Ergebnis (Ebit) allerdings sank deutlich um acht Prozent. Im Durchschnitt sank die Gewinnmarge der 300 umsatzstärksten Unternehmen Europas von 11,4 auf 9,9 Prozent. Quelle: rtr
Rang 10: LukoilDer größte russische Mineralölkonzern belegt in der Statistik von Ernst & Young den zehnten Platz. Lukoil, der sechstgrößte börsennotierte Ölkonzern der Welt, verdiente im Jahr 2012 stolze 10,65 Milliarden Euro (Ebit) und lag damit dennoch acht Prozent unter dem Vorjahreswert. Das Unternehmen machte 105,56 Milliarden Euro Umsatz. Quelle: rtr
Rang 9: VolkswagenAuch wenn das VW-Werk in Wolfsburg seinen 75-jährigen Geburtstag aufgrund der Grundsteinlegung durch Adolf Hitler nicht begeht, gibt es für den Autobauer auch andere Gründe zum Feiern: Der Konzern konnte sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 11,93 Milliarden Euro steigern. Auch beim Umsatz legt Volkswagen kräftig zu. Er stieg von 159,34 auf 192,68 Milliarden Euro. Damit holt sich der größte Autohersteller Europas zumindest beim Umsatz die Bronze-Medaille ab. Quelle: rtr
Rang 8: NestléDer weltgrößte Lebensmittel-Konzern hat Ende Mai Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Grundsteinlegung für das Kaffeekapsel-Werk in Schwerin begrüßen dürfen. Das Kaffeekapsel-Geschäft boomt: Insgesamt zwei Milliarden Kapseln sollen dort pro Jahr produziert werden. Doch auch andere Geschäftsfelder wie Tiefkühlpizzen, Tiernahrung oder Süßigkeiten sorgten dafür, dass der operative Gewinn um zwölf Prozent auf 11,93 Milliarden Euro zulegte. Quelle: dpa
Rang 7: RocheUnd wieder die Schweizer. Das weltweit tätige Pharmaunternehmen F. Hoffmann-La Roche behauptet sich mit einem Gewinn von 14,13 Milliarden Euro im Jahr 2012 noch vor Nestlé auf dem siebten Platz. Die Schweizer stehen wegen ihrer hohen Kosten für neue Krebsmedikamente in der Kritik. Die Onkologie gehört aktuell neben Virologie und der Transplantationsmedizin zu den größten Forschungsfeldern des Unternehmens. Quelle: rtr
Rang 6: BHP BillitonEinen deutlichen Gewinnrückgang musste der australisch-britische Rohstoffkonzern im vergangenen Jahr hinnehmen. Das Unternehmen nahm aufgrund fallender Rohstoffpreise und einem schwächeren US-Dollar knapp 40 Prozent weniger ein als im Vorjahr. BHP Billiton musste sich daher mit einem Gewinn von 15,62 Milliarden Euro zufriedengeben. Die enttäuschenden Zahlen blieben nicht ohne personelle Folgen: Der bisherige Vorstandschef Marius Kloppers machte Platz für Andrew Mackenzie. Quelle: Presse
Rang 5: EniIm Mittelfeld findet sich der italienische Erdöl- und Energiekonzern Eni mit einem Gewinn von 20,05 Milliarden Euro wieder. Trotz Finanzkrise steigerte das Unternehmen sein Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent. Dabei profitierten die Italiener vor allem von der starken Entwicklung im Geschäftsbereich Exploration & Production, was unter anderem mit der Erholung der Fördermengen aus Libyen zusammenhing. Der Umsatz lag bei 128,82 Milliarden Euro. Quelle: rtr

Der Russland-Anteil am Strabag-Umsatz liegt inklusive der angrenzenden Länder bei vier Prozent. Was ist schiefgelaufen?

Haselsteiner: Die Krise 2009 hat Russland sowie die mittel- und osteuropäischen Länder deutlich stärker getroffen, als wir das zur Kenntnis nehmen wollten. Wir sind zu lange davon ausgegangen, dass der Bedarf an Baumaßnahmen etwa im Wohnungsbau und der Infrastruktur uns einen riesigen Markt bescheren würde. Hinzu kommt eine Renationalisierung in Russland in den Köpfen von Managern, Beamten und Politikern, die Investitionsentscheidungen treffen. Deren Haltung ist: Westliches Know-how brauchen wir nicht. Das Enttäuschendste in dieser Hinsicht sind die Olympischen Spiele: Von insgesamt 30 Milliarden Dollar Auftragsvolumen wurde nicht einmal eine Milliarde an nicht russische Unternehmen vergeben.

Und davon an Strabag?

Birtel: Rund 600 Millionen Dollar - beim Flughafen und beim Olympischen Dorf.

Schwerpunkt Deutschland, Schwachpunkt Russland - Kennzahlen und Konzernstruktur von Strabag 2012 (zum Vergrößern bitte anklicken)

Ihr russischer Co-Aktionär Oleg Deripaska hat Ihnen nicht die Türen geöffnet?

Haselsteiner: Ohne ihn hätten wir nicht einmal diese Aufträge bekommen. Aber Ziel war nie, dass Deripaska uns in großem Umfang Aufträge ins Haus schiebt. Wir hatten uns mit ihm darauf geeinigt, eine Russian Construction Holding zu grün-den, in der Strabag Russland und zwei Bauunternehmen Deripaskas gebündelt werden sollten. Bei einer seiner Firmen - Transstroy - haben wir bereits mit der Prüfung begonnen. Die Russen haben aber selbst nicht genau gewusst, was sie da alles besitzen und wie es organisiert ist. Das Rechnungs- und Berichtswesen entsprach bisher nicht den Anforderungen eines börsennotierten, nach IFRS-Standard berichtenden Konzerns. Wir haben deshalb die Transstroy-Prüfung unterbrochen. Das war eine weitere Enttäuschung in Russland.

Wie geht es weiter?

Haselsteiner: In zwei Monaten legt Transstroy ihre neuen Bilanzen vor. Wir hoffen, dass wir dann eine für uns nachvollziehbare Struktur vorfinden. Verläuft die Prüfung erfolgreich, könnten wir das Joint Venture 2014 gründen. Noch haben wir aber von den Zahlen und der Lage der beiden Unternehmen keine Vorstellung.

Sie, Herr Birtel, haben die Verantwortung für das Russland-Geschäft. Wie können Sie die Probleme dort lösen?

Birtel: Die Möglichkeiten sind beschränkt. Wir hoffen auf Infrastrukturprojekte im Rahmen von PPP-Modellen. Eines über zwei Milliarden Euro Auftragsvolumen hatten wir 2008 zwar gewonnen, aber das fiel der Wirtschaftskrise zum Opfer.

Diese Firmen halten Deutschland zusammen
huGO-BildID: 17296386 ARCHIV - Zementsaecke der Firma HeidelbergCement liegen am 7. August 2007 im Werk in Leimen bei Heidelberg. Die Baustoffhersteller Heidelberg Cement hat im Rezessionsjahr 2009 einen massiven Gewinn- und Umsatzrueckgang verzeichnet. Wie das Unternehmen am Donnerstag, 18. Maerz 2010, mitteilte, brach der Jahresueberschuss um 91,3 Prozent auf 168 Millionen Euro ein. (AP Photo/Daniel Roland) --- FILE - Cement bags of HeidelbergCement are seen at the company's factory in Leimen near Heidelberg, southwestern Germany, on Tuesday, Aug. 7, 2007. (AP Photo/Daniel Roland) Quelle: AP
huGO-BildID: 23964073 Baden-Wuerttemberg/ ARCHIV: Cement bags of HeidelbergCement are seen at the company's factory in Leimen near Heidelberg, southwestern Germany (Foto vom 07.08.07). Der Baustoffhersteller HeidelbergCement hat im dritten Quartal trotz steigender Energiekosten sein Ergebnis stabil gehalten. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,6 Prozent auf 3,62 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag (03.11.11) mitteilte. (zu dapd-Text) Foto: Daniel Roland/AP/dapd Quelle: dapd
huGO-BildID: 5193818 Ein Lkw des Zementherstellers Dyckerhoff auf dem Werksgelände in Wiesbaden-Biebrich (Archivfoto vom 13.04.2005). Der Wiesbadener Baustoffkonzern Dyckerhoff hat im ersten Halbjahr Umsatz und Gewinn gesteigert, der Absatz in Deutschland bleibt aber schwach. Vor allem dank der Zuwächse in den USA und Osteuropa wuchs der Umsatz um 7 Prozent auf 588 Millionen Euro, wie der Konzern am Montag (08.08.2005) mitteilte. Der Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 18 auf 119 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen weiterhin mit einem Umsatzanstieg um 5 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro. Foto: Frank May dpa/lhe +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa/dpaweb
huGO-BildID: 5033562 Im Bad Freienwalder Werk der Wienerberger Ziegelindustrie überprüft der Mitarbeiter Jürgen Presser einen gerade gepressten so genanten Hintermauerziegel (Foto vom 28.06.2005). Das Ostbrandenburger Tochterunternehmen gehört zur weltweit agierenden Wienerberger AG mit Sitz in Wien (Österreich). In Bad Freienwalde sind 31 Mitarbeiter angestellt. Hier werden in etwa 50 verschiedenen Größen und Formen Hintermauerziegel hergestellt. Die Ziegel kommen vorwiegend beim Haus-Rohbau zum Einsatz. Im Vergleich zu herkömmlichen Blockziegeln erfordern die Planziegel einen geringeren Aufwand beim Mauern. Der Grundstoff für die Ziegelherstellung Ton, wird in einer Grube direkt hinter dem Werk gefördert. Foto: Patrick Pleul dpa/lbn +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa/dpaweb
huGO-BildID: 26119340 Das Firmenlogo leuchtet vor der Hauptverwaltung des Baustoffherstellers Xella in Duisburg (Foto vom 22.04.2012). Am Freitag (27.04.2012) legt die Xella-Gruppe in Duisburg ihre Bilanzzahlen vor. Foto: Martin Gerten dpa/lnw +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Wie korruptionsanfällig sind Geschäfte in Russland? Sie, Herr Haselsteiner, haben gesagt, um dort an Aufträge zu kommen, müssten Sie Vermittler und "eine gewisse Subunternehmerstruktur" akzeptieren, sonst könnten Sie den Markt "vergessen".

Haselsteiner: Das ist eines unserer großen Themen in Russland. Die Frage ist, ob die Bearbeitung des Marktes öffentlicher Aufträge Compliance-kompatibel ist. Wenn wir Platzhirsch im russischen Baumarkt werden wollen, müssen wir in den öffentlichen Bereich, etwa mit privat finanzierten Infrastrukturprojekten. Was wir da umsetzen können unter Einhaltung unserer Compliance-Richtlinien, ist eine offene Frage. Wir sind nicht bereit, von diesen Richtlinien abzuweichen, nur weil es Russland ist. Derzeit haben wir keinen einzigen Auftrag der öffentlichen Hand.

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