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Hauptversammlung Die Eroberer bei Hochtief

Der einstige deutsche Bauprimus überrascht mit der Berufung von José Ignacio Legorburo und Nikolaus Graf von Matuschka ins oberste Hochtief-Gremium. Damit wird nicht die Eigenständigkeit des Essener Konzerns gestärkt, sondern seine Abhängigkeit von der spanischen ACS-Gruppe.

Die größten Baukonzerne Europas
Bauarbeiter arbeiten auf einem Gerüst Quelle: AP
Bauarbeiter arbeiten auf einer Baustelle des Konzerns Strabag Quelle: dpa
Platz 8: COLAS SADer französische Konzern hat sich auf Straßen- und Schienenbau spezialisiert. Der Name des Konzerns, für den 73.600 Menschen arbeiten, setzt sich aus den englischen Wörtern "cold" und "asphalt" zusammen. Umsatz 2012: 13 Milliarden Euro Quelle: dpa
Baukräne unter grauem Himmel Quelle: AP
Ein Bauarbeiter erhitzt auf einer Baustelle Rohre Quelle: APN
Bauarbeiter in einem neu gebauten U-Bahn-Schacht Quelle: dpa/dpaweb
Ein Arbeiter des Bauunternehmens Hochtief weist einen Container ein Quelle: dpa

Hochtief überrascht mal wieder. Zum einen mit guten Zahlen. Die beruhen aber allein auf den Geschäften der australischen und amerikanischen Auslandstöchter – die operativen Verluste im Europageschäft werden nur von einmaligen Verkaufserlösen überdeckt. Zum anderen mit neuen Namen für den Hochtief-Vorstand. Die aber passen allzu gut ins Bild der vergangenen Jahre seit der feindlichen Übernahme von Hochtief durch die spanische ACS-Gruppe 2011. Mit der Berufung von José Ignacio Legorburo und Nikolaus Graf von Matuschka ins oberste Hochtief-Gremium wird nicht die Eigenständigkeit des Essener Konzerns gestärkt, sondern seine Abhängigkeit.

Bei Legorburo, 48, ist das offensichtlich. Der Spanier kommt von ACS und leitete die ACS-Bautochter Dragados –also das Unternehmen, das auch Hochtief-Vorstandschef Marcelino Fernandez schon führte. Alle Schachzüge von ACS und dessen Chef Florentino Perez laufen darauf hinaus, Hochtief und Dragados zusammenzuführen – zu einem großen europäischen Baukonzern mit womöglich deutschem Etikett, aber spanischem Inhalt.

Fernandez' Geheimnis

Die Berufung von Legorburos ist ein weiterer Zug in diesem Plan. Er ermöglicht es Fernandez, bald nach Spanien zurückzukehren und den von Perez bereits angekündigten Wechsel an der ACS-Spitze umzusetzen. Perez gibt dabei die operative Führung ab und Fernandez übernimmt sie. Legorburo würde dann als Nachfolger von Fernandez Chef in Essen und führt Hochtief einstweilen weiter als Kolonie von ACS.

Wer Hochtief bereits verlassen hat

Die Berufung von Matuschka widerspricht dem Szenario nur scheinbar. Tatsächlich passt sie bestens dazu. Als Vertreter der Leitenden Angestellten im Aufsichtsrat der Hochtief AG hat Matuschka seit 2011 „immer geschmeidig die Position von ACS vertreten“, erinnert sich einer der vielen von Fernandez geschassten Hochtief-Manager. Dafür sei er belohnt worden – erst mit der Führung von Hochtief Solutions, nun mit dem Vorstandssitz im obersten Gremium. Zuständig soll der 50-Jährige dort für das europäische Baugeschäft sein, dessen Mannschaft Fernandez durch Verkäufe und Personalabbau gerade von rund 10.000 auf 3000 Beschäftigte marginalisiert.

Warum Matuschka der richtige Mann für eine bessere Zukunft der Europa-Bausparte sein soll, bleibt Fernandez´ Geheimnis. Denn Matuschka kommt nicht aus der Baubranche, sondern aus dem Bereich Facility Management, den Fernandez gerade verkauft hat. Die meisten der hervorragenden Bau-Manager hingegen, die Hochtief mal hatte, hat Fernandez vor die Tür gesetzt, oder sie wandern halb freiwillig, halb unfreiwillig zur Konkurrenz ab.

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Der Brain-drain und die Demontage von Hochtief im Europa-Geschäft sind offensichtlich. Das frühere Flaggschiff der deutschen Bauwirtschaft segelt ja seit nun schon drei Jahren unter spanischer Flagge und macht keinen guten Eindruck mehr.

Seine Führungsmannschaft meint es mit dem einstigen deutschen Vorzeigeunternehmen so gut wie einst die Conquistadores mit den Indianern. Sie verfolgen auch denselben Zweck: alle auffindbaren Werte – damals Gold, heute Euro und Aktien – transportabel zu machen und nach Spanien zu bringen. Zerstört wurde bei Hochtief wie vor Jahrhunderten in Südamerika: eine stolze Kultur.

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