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Hauptversammlung Siemens büßt Gewinn ein, Löscher kündigt schwieriges Jahr an

Unmittelbar vor Beginn der Siemens-Hauptversammlung in München legte Vorstandschef Peter Löscher die Zahlen vor: Europas größter Elektrokonzern ist mit einem sehr durchwachsenen Ergebnis in sein neues Geschäftsjahr gestartet.

Die Baustellen im Siemens-Konzern
Seit 1. August 2013 steht der ehemalige Finanzvorstand an der Siemens-Spitze. Sein Vorgänger Peter Löscher hinterließ ihm einen Berg von Problemen. Der Konzern hat sich zu weit von seinen Kunden entfernt, ist unübersichtlich und bürokratisch geworden. Siemens blockiert sich selbst. Kaeser will Siemens wieder schlanker und schlagkräftiger machen. Der Umbau soll Einsparungen in Höhe von einer Milliarde Euro bringen. Quelle: dpa
Helme mit der Aufschrift "Siemens" Quelle: dapd
Kaeser will sich von der Einteilung des Geschäfts in vier Sektoren mit insgesamt 16 Divisionen verabschieden und stattdessen die Aktivitäten des Konzerns in acht oder neun Divisionen bündeln. Bisher gab es vier Vorstände für vier Sektoren: Siegfried Russwurm (Industrie), Hermann Requardt (Medizintechnik), Roland Busch (Infrastruktur) und Michael Süß (Energie). Energievorstand Michael Süß verlässt das Unternehmen. Auf ihn folgt Shell-Managerin Lisa Davis. Quelle: dpa
Süß wird vor allem vorgeworfen, dass er zu lange nur auf große Gaskraftwerke setzte. Siemens muss nun teuer zukaufen, um die Lücken im Produktportfolio zum Beispiel bei kleineren Gasturbinen zu füllen. Doch das ist nicht das einzige Problem. Quelle: dpa
Im Geschäft mit großen Windkraftanlagen für die Offshore-Parks auf See ist Siemens zwar Weltmarktführer, doch die Anbindung der Parks ans Stromnetz auf dem Land hat in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen geführt. Für schlechte Presse beim Thema Windkraft sorgte zudem im Sommer 2013 ein Unfall in den USA. Im Siemens-Windpark Ocotillo in Kalifornien löste sich ein mehr als 50 Meter langes und elf Tonnen schweres Rotorblatt und fiel auf die Straße. Im April ereignete sich ein ähnlicher Unfall an einem Windrad im US-Staat Iowa. Siemens musste deshalb eine ganze Modell-Charge nacharbeiten, was den Konzern laut Insidern etwa 100 Millionen Euro gekostet haben soll. Der Imageschäden dürfte ungleich größer sein. Doch es zeigt bereits der berühmte Silberstreif am Horizont: Siemens wird 101 Turbinen für einen Meereswindpark in den Staaten liefern sowie deren Wartung übernehmen. Hinzu kommen 448 Anlagen an Land. Auftragsvolumen: rund 2,5 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Wenn Siemens-Chef Joe Kaeser gen Osten blickt, sieht er vor allem eins: großen Nachholbedarf. Von den Boomstaaten in Asien profitiert Siemens bisher nicht so stark wie andere Technologiekonzerne. Den Großteil seines Umsatzes erwirtschaftet Siemens in Europa, Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten. Diese Regionen stehen für 54 Prozent des Konzernumsatzes - allein acht Prozentpunkte davon erwirtschaften die Münchener in Deutschland. Auf dem amerikanischen Kontinent entstehen 27 Prozent des Umsatzes, davon 14 Prozentpunkte in den USA. Nur 19 Prozent des Umsatzes macht Kaeser in Asien und Australien. Quelle: REUTERS
Im Zuggeschäft reiht sich eine Panne an die nächste. Die Auslieferung der von Siemens produzierten ICEs verzögert sich nun schon über zwei Jahre. Die ersten von 16 ICE sind mittlerweile zugelassen, aber bisher nur für Fahrten auf dem deutschen Schienennetz freigegeben. Eigentlich sollten sie schon 2011 einsatzbereit sein. Dann tauchten Probleme mit dem Steuerungsprogramm der Züge auf. Einige Züge wurden geliefert, jedoch nicht in der bestellten Menge. Ein endgültiger Liefertermin für die restlichen Züge steht noch nicht fest. Quelle: dapd

Auf der Siemens-Hauptversammlung hat Konzernchef Peter Löscher Aktionäre und Mitarbeiter auf Umbrüche und einen geringeren Gewinn vorbereitet. Löscher sprach am Mittwoch in der Münchner Olympiahalle von einem "Jahr des Übergangs". Im Mittelpunkt des neuen Geschäftsjahres werde das im vergangenen Herbst angekündigte Sparprogramm stehen, sagte der Vorstandsvorsitzende. Er wies in seiner Rede darauf hin, dass die Restrukturierungen auch Mitarbeiter beunruhigen könnten. Siemens handele aber "stets mit Augenmaß". Wie viele Arbeitsplätze wegfallen sollen, ist bisher aber noch unklar.

Allein im laufenden Geschäftsjahr (bis 30. September 2013) werde Siemens für das Sparprogramm eine Milliarde Euro aufwenden. Bis 2014 will der Konzern die laufenden Kosten damit jährlich um sechs Milliarden Euro drücken. Nach dem ersten Quartal sieht Löscher sein Unternehmen auf Kurs. "In einem unsicheren konjunkturellen Umfeld sind wir solide in das Geschäftsjahr 2013 gestartet", sagte der Vorstandsvorsitzende.

Im ersten Geschäftsquartal von Oktober bis Dezember 2012 verdiente das DAX-Unternehmen unter dem Strich 1,21 Milliarden Euro und damit zwölf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In den Geschäften, die Siemens fortführen wird, fiel das Minus deutlich geringer aus. Der Auftragseingang ging zurück auf 19,14 Milliarden Euro, der Umsatz legte um zwei Prozent auf 18,13 Milliarden Euro zu. Mittlerweile kommt ein Drittel der Erlöse aus Schwellenländern.

Siemens-Chef Löscher: "Die Prognose steht"

Löscher bedauert ICE-Verzögerungen

Die Jahresprognose bestätigte der Konzern. Siemens will demnach im fortgeführten Geschäft einen Gewinn von 4,5 bis 5,0 Milliarden Euro erzielen. Allerdings stehe der Konzern vor einigen Herausforderungen, sagte Löscher. Dazu gehörten auch die Probleme mit der Anbindung der Windparks in der Nordsee und die verzögerte Auslieferung der neuen ICE-Züge an die Deutsche Bahn. Löscher bedauerte vor den Aktionären die Verspätung.
Die Probleme im Bahngeschäft belasteten Siemens im zurückliegenden Quartal mit 115 Millionen Euro. Wann die acht Züge, die ursprünglich rechtzeitig zum laufenden Winterfahrplan kommen sollten, ausgeliefert werden, ist noch unklar. Bei den Windparks soll es laut Löscher keine weiteren Verzögerungen geben. Drei würden im kommenden Jahr ans Netz gehen, der vierte soll 2015 folgen.

Auch das Solargeschäft belastete den Konzern weiter. Die in Israel erworbene Tochter Solel ist nach wie vor ein Verlustgeschäft und steht zum Verkauf. Das vergangene Geschäftsjahr bezeichnete Löscher als "gutes, aber nicht komplett zufriedenstellendes Jahr" für Siemens. Der Konzern hatte seine ursprünglichen Ziele deutlich verfehlt. Statt der geplanten sechs Milliarden Euro Gewinn im fortgeführten Geschäft verdiente Siemens knapp 5,2 Milliarden Euro. Die Dividende soll dennoch mit 3,00 Euro so hoch wie im Vorjahr ausfallen. Bereits im Vorfeld der Hauptversammlung stand Vorstandschef Löscher im Fokus. Zur Kritik an seinem Führungsstil sagte er: "Siemens ist erfolgreich unterwegs und ich bin ruhig und gelassen." Und er fügte hinzu, auch die kommenden Jahre werde er gemeinsam mit der übrigen Konzernführung "ruhig und gelassen" angehen.

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