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Hauptversammlung ThyssenKrupp hält sich noch wacker

Der Stahl- und Technologiekonzern scheint aus dem Tief langsam hervorzukommen. Banken und Investoren trauen dem Unternehmen zu, sich selbst zu erneuern. Die Krupp-Stiftung ist entmachtet. Am Freitag kommen die Aktionäre in Bochum zusammen, um Kassensturz zu machen.

Das sind die wunden Punkte von ThyssenKrupp
Ein Stahlarbeiter im ThyssenKrupp-Werk in Bochum steht vor einem glühenden Stahlcoil Quelle: dpa
Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender von ThyssenKrupp Quelle: dpa
Unter Cromme als Vorsitzendem des Prüfungsausschusses im Siemens-Aufsichtsrat bis 2007 fließen in dem Konzern Schmiergelder von 1,3 Milliarden Euro an Auftragsnehmer. Quelle: dpa
Berthold Beitz (99), Vorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, lauscht in der Villa Hügel der Rede von Ministerpräsident Sellering (SPD). Quelle: dpa
Der Ex-Vorstandsvorsitzende Ekkehard Schulz, rechts, und der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme Quelle: AP
Zuege stehen vor dem Hauptbahnhof in Frankfurt am Main Quelle: dapd
Der Formel-1 Fahrer Sebastian Vettel fährt am 17.04.2010 in Shanghai während eines Formel-1 Rennens an einer Zuschauertribüne vorbei. Quelle: dpa

Es sah noch im November ziemlich grau aus für ThyssenKrupp. Sechs Milliarden Euro Schulden, eine Eigenkapitalrendite unter zehn Prozent und zwei unverkäuflich erscheinende Stahlwerke in Übersee, eines in Brasilien und eines in den USA. Das Blatt hat sich gewendet, zum Besseren. Es gibt Hoffnungsschimmer und sogar mehr: Berechtigte Erwartungen, dass der Konzern seine tiefen Wunden heilt und mit dem Technologiegeschäft wieder zu alter Stärke zurückfindet.

Am Freitag ist Hauptversammlung von ThyssenKrupp in Bochum. Die Aktionäre kommen zusammen, um sich den Lagebericht des Vorstandes anzuhören und danach Fragen zu stellen. Erstmals wird der Platz von Berthold Beitz auf dem Podium leer sein, der große alte Mann der Krupp-Stiftung ist im vergangenen Juli mit 99 Jahren verstorben. Es wird ein kurzer Nachruf erwartet und dann wird eine Gedenkminute für Beitz eingelegt werden.

Doch dann geht es ums Eingemachte. Wie lange wird Konzernchef Heinrich Hiesinger das bisher unverkäufliche Stahlwerk in Brasilien halten können? Wie sehen die Lieferverträge zwischen dem verkauften Walzwerk in Alabama und der brasilianischen Stahlhütte aus? Was kostet das tonnenschwere Rohmaterial, genannt Bramme, aus Brasilien und was kostet sie in Duisburg? Was sind die Aussichten für das deutschen Stahlwerk in Duisburg-Bruckhausen? Wie sehen die langfristigen Kreditrahmen der Banken für ThyssenKrupp aus? Muss ThyssenKrupp neue Sicherheiten beibringen? Wie lange ist der Konzern durchfinanziert? Und schließlich: Wie ist der Stand der Kartellverfahren gegen das Unternehmen, das Automobilhersteller nach Absprachen mit Konkurrenten um einen wettbewerbsfähigen Preis betrogen haben soll? Das sind die brennenden Fragen der Hauptversammlung.

Erstmals wird der frühere Henkel-Chef Ulrich Lehner die Versammlung leiten. Das macht der angesehene Mann stets mit geübtem Charme und abgeklärter Ruhe, so wie er auch als Aufsichtsratschef der Telekom seit Jahren den Aktionärsversammlungen präsidiert. Lehner wird sich schon optisch von dem gut einen Kopf größeren Gerhard Cromme abheben. Werner Wenning, Aufsichtsratschef von Bayer und E.On, nannte Lehner kürzlich wegen dessen übergroßer Brille "den Woody Allen der deutschen Industrie."

Cromme ist vielen Aktionärsvertretern noch in unguter Erinnerung, da er ellenlange Rechtsgutachten verlas, um sich selbst und den Aufsichtsrat zu entlasten, der angeblich schuldlos an den Fehlinvestitionen in Übersee war. Viele dieser Aufsichtsräte gehören dem Kontrollgremium noch heute an, Lehner selbst war in den Krisenzeiten ebenfalls Aufsichtsrat des von Cromme geführten Kontrollgremiums.

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