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Hauptversammlung von ThyssenKrupp Cevian bedroht Thyssens Stahl-Geschäft

Nach Jahren der Krise läuft es bei ThyssenKrupp wieder besser. Doch auf der Hauptversammlung bahnt sich ein Konflikt um die Zukunft des einstigen Stahl-Riesen an – der in der Zerschlagung enden könnte.

Ein Abstich zu ThyssenKrupp Quelle: dpa Picture-Alliance

Ein Vergnügen waren die Pflichttermine Ende Januar im Bochumer RuhrCongress für Heinrich Hiesinger bislang nie. Seit er Anfang 2011 den Vorstandsposten bei ThyssenKrupp übernahm, musste er bei der Hauptversammlung seinen Aktionären Milliardenverluste und ein ums andere Mal eine Nullrunde bei der Dividende erklären.

Dieses Jahr wird die 20 Kilometer lange Fahrt von der Essener Konzernzentrale nach Bochum für Hiesinger deutlich angenehmer. Denn er hat den ersten Gewinn seit Jahren im Gepäck. Dazu schlägt der Vorstand den versammelten Aktionären wieder eine Dividendenausschüttung vor – wenn auch nur elf Cent je Anteilsschein.

Schaufelräder, Zementwerke und U-Boote
Künftig soll das reine Stahlgeschäft wie etwa die Produktion von veredelten Blechen für die Automobilindustrie nur noch 30 Prozent des Konzern-Geschäfts ausmachen. Dennoch bleiben Blechrollen wie diese ein Kernprodukt. Quelle: PR
Rolltreppen und Fahrsteige – etwa in Flughafen-Terminals – gehören ebenfalls zum ThyssenKrupp-Produktspektrum. Dieses Foto ist in einem Essener Einkaufszentrum aufgenommen worden. Quelle: PR
Allen Negativ-Schlagzeilen zum Konzern trotzt das Aufzuggeschäft von ThyssenKrupp. Vor allem starke Absatzzuwächse in Asien erfreuen das Unternehmen. Das Bild zeigt ein System mit zwei Kabinen in einem Aufzugschacht beim Einbau in der Essener Konzernzentrale Anfang 2010. Quelle: PR
Für die Automobilindustrie bietet ThyssenKrupp auch den Aufbau von Anlagen, die etwa automatisch Fahrwerke oder andere Komponenten einbauen. Quelle: PR
ThyssenKrupp setzt vermehrt auf Planung und Bau ganzer Chemie- und Industrieanlagen. Im Bild ein Zementklinkerwerk im Senegal. Quelle: PR
Dieses Schaufelradladgeärt steht im Hafen von Rotterdam und wird zur Verladung von Eisenerz eingesetzt. Geliefert wurde es von der ThyssenKrupp-Sparte „Plant Technology“. Quelle: PR
Großwälzlager von ThyssenKrupp kommen etwa in Kränen zum Einsatz, die schwere Lasten bewegen. Quelle: PR

Was verschwindend gering erscheinen mag, ist für ThyssenKrupp aber ein wichtiges Zeichen: Nach Jahren der Krise gibt es wieder etwas zu holen. Nicht umsonst verkündete Hiesinger bei der Vorstellung der Jahreszahlen: „Ich freue mich, dass wir heute zur Normalität zurückkehren können.“ Bei dem sonst eher nüchtern auftretenden Elektroingenieur schwang bei diesen Worten etwas Stolz mit.

Noch verbrennt ThyssenKrupp Geld

Doch einige Analysten fragen sich, ob sich ThyssenKrupp schon wieder Stolz erlauben kann. „Aus meiner Perspektive ist der Konzern nicht in der Lage gewesen, im Geschäftsjahr 2013/2014 eine Dividende zu zahlen. Das Ergebnis hätte allenfalls vier Cent je Aktie gerechtfertigt, nicht aber elf Cent“, sagt Björn Voss vom Hamburger Analysehaus Warburg Research. „Auch der negative Free Cashflow vor Verkäufen spricht eigentlich gegen eine Dividende.“

Soll heißen: Der Konzern muss die insgesamt 62 Millionen Euro für die Dividende aus der Substanz bezahlen. „Allerdings spricht es für die Zuversicht des Vorstands für das laufende Geschäftsjahr“, sagt Voss.

Tatsache ist: Noch verbrennt ThyssenKrupp Geld. Der Free Cashflow aus dem operativen Geschäft ist mit 254 Millionen Euro negativ. Ohne den Verkauf des US-Walzwerks an Arcelor Mittal und Nippon Steel, der rund eine Milliarde Euro in die Kassen gespült hat, wäre die Dividende nicht möglich gewesen.

Anstatt des schmalen Jahresüberschusses von 195 Millionen Euro – bei einem Konzernumsatz von 41,3 Milliarden Euro – hätten ohne diesen Einmaleffekt rote Zahlen in der Bilanz gestanden.

ThyssenKrupp in Zahlen

Ganz frei von Altlasten ist das Portfolio des Ruhrkonzerns zudem immer noch nicht. So sind zum Beispiel die Edelstahltöchter VDM und AST immer noch Teil von ThyssenKrupp. Doch zumindest bei VDM zeichnet sich ein Deal ab. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, sollen „ernsthafte Gespräche“ mit dem Luxemburger Stahlkonzern Aperam stattfinden. ThyssenKrupp lässt bislang nur verlauten, dass ein Verkauf nicht direkt bevorstehe.

Hiesinger ist optimistisch

Björn Voss hält einen schnellen Verkauf für unwahrscheinlich. „Aktuell liegen die Preise, die für VDM und AST erzielt werden könnten, unterhalb des Buchwerts. Bei einem Verkauf wären also weitere Abschreibungen notwendig“, so der Analyst. „Deshalb gehe ich für die nächsten 6 bis 12 Monate von keinem Verkauf aus. VDM für den Verkauf fit zu machen ist sicher einfacher, bei AST sind allerdings größere Restrukturierungen nötig.“

Doch selbst mit VDM und AST bleibt Hiesinger für das laufende Geschäftsjahr 2014/2015 zuversichtlich. Das begründet er damit, dass der von ihm forcierte Umbau zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern Ergebnisse einbringt – und zwar positive.

Der operative Gewinn soll nach den Plänen des Vorstands auf 1,5 Milliarden Euro steigen. Voss rechnet sogar mit 1,6 Milliarden Euro: „Der Rückenwind kommt vom niedrigen Ölpreis und dem schwachen Euro, der den Export attraktiver macht. Zudem wächst die Stahlnachfrage in Europa langsam, aber stetig.“

Laut der Wirtschaftsvereinigung Stahl wird die deutsche Rohstahlproduktion im laufenden Jahr um ein Prozent auf 43,3 Millionen Tonnen steigen. „2015 setzt sich die leichte Erholung des deutschen Stahlmarktes fort“, sagt Verbandspräsident Hans Jürgen Kerkhoff.

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