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Heidelberger DruckSchreier wird zur tragischen Figur

Der langjährige Vormann von Heideldruck tritt ab. Auf der Hauptversammlung hielt Bernhard Schreier seine letzte Rede auf einer Aktionärsversammlung.Lothar Schnitzler 26.07.2012 - 13:54 Uhr

Der scheidende Heidelberg-Chef Bernhard Schreier hielt seine letzte Rede vor bei einer Aktionärsversammlung

Foto: dapd

Am Ende des Vortrags wurde seine Stimme doch ein bisschen kratzig. Bernhard Schreier erinnerte daran, dass er 37 Jahre, sein gesamtes Berufsleben, „in diesem phantastischen Unternehmen arbeiten durfte“ und dass er als Heidelberg-Chef immerhin 13 Mal die Lage des Unternehmens den Aktionären vorstellen durfte. „Bei der nächsten Hauptversammlung werde ich als Aktionär unter Ihnen weilen und gespannt den Vortrag meines Nachfolgers anhören.“

Schreier hat guten Grund zur Wehmut. Als er antrat, war der Konzern auf dem Gipfel seiner Erfolgsgeschichte mit einem Umsatz von fünf Milliarden und über 24 000 Beschäftigten. Im vergangenen Geschäftsjahr (Ende 30.3.2012) betrug der Umsatz nur noch 2,6 Millarden Euro, die Beschäftigtenzahl fiel auf rund 15 000.

Schreier hatte im Oktober 1999 das Steuer bei strahlendem Sonnenschein übernommen, musste dann aber das Unternehmen durch schwerste Stürme lenken. Seine erste Aufgabe bestand darin, den durch Zukäufe seines Vorgängers Hartmut Mehdorn überblähten Konzern durch Verkäufe und Personalabbau abzuspecken.

Attacken von Internet und Digitaldruck

Kaum war das Schiff aus der Schieflage gekommen, hatte Schreier mit der Finanzkrise - verstärkt durch die Strukturkrise zu kämpfen. Die klassischen Druckmaschinenhersteller wie Heideldruck, Manroland oder KBA leiden unter der Verbreitung des Internets und des Digitaldrucks. Das Volumen für herkömmliche Druckmaschinen geht schleichend zurück. Manroland legte deshalb im vergangenen Jahr gar eine Pleite hin und wurde aufgespalten.

Fuhrländer

Das mittelständische Unternehmen aus dem Westerwald ist spezialisiert auf Windräder bis in die 2,5-Megawatt-Klasse. Der Schwerpunkt liegt auf Produkten für das Binnenland, so genannte On-Shore-Anlagen.

Umsatz 2010 / Beschäftigte:

230 Millionen Euro / 600 Mitarbeiter

Wie die WirtschaftsWoche erfuhr, hat Joachim Fuhrländer seine gesamten Anteile an ein Konsortium um den ukrainischen Metallkonzern Energomaschspetsstal verkauft. Der gehört zum russischen Kernkraftwerksbauer Atomenergomasch, der wiederum ist eine Tochter des Nuklearriesen Rosatom. Fuhrländer ist einer der kleinsten Windradhersteller - und der Druck in der Branche ist hoch. In den letzten Jahren sind deutliche Überkapazitäten entstanden. In Folge purzelten die Preise. Für kleine Unternehmen wird es zunehmend schwierig, gegen die Branchenriesen wie Siemens zu bestehen.

Foto: dpa

Heidelberger Druckmaschinen

Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist der größte Druckmaschinen-Hersteller in Deutschland. Die Kompetenzen liegen im Bogenoffsetdruck, Digitaldruck sowie in der Fertigung im Präzisionsmaschinenbau.

Umsatz Geschäftsjahr 2010/2011 / Beschäftige:

2,63 Milliarden Euro / 15.800 Mitarbeiter 

Der Branchenprimus konnte vor drei Jahren nur mit Hilfe staatlicher Garantien gerettet werden. Von den einst 20.000 Mitarbeitern mussten mehr als 4000 gehen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 rechnet Heideldruck mit leicht wachsenden Umsätzen. Mittelfristig will der Konzern mehr als drei  Milliarden Euro erwirtschaften. Dieser Ausblick kann jedoch nicht über die anhaltenden Probleme der Branche hinweg täuschen. Noch-Heideldruck-Chef Bernhard Scheier geht von einem weltweiten Umsatzrückgang in der Druckmaschinenbranche von 20 Prozent aus. Gleichzeitig kämpfen die Deutschen gegen ursprünglich branchenfremde Giganten wie Hewlett-Packard, die mit ihren Digitaldruckern ungebremst expandieren.

Foto: dpa

König & Bauer KBA

KBA ist der zweitgrößte Druckmaschinenhersteller weltweit und einer der renommiertesten Lieferanten von Zeitungsrotationsmaschinen. Das Unternehmen ist SDAX gelistet.

Umsatz 2011 / Beschäftigte:

1,17 Milliarden Euro (Vorjahr 1,18) / 6.400 Mitarbeiter 

KBA hat sich wie Konkurrent Heidelberger Druck gesundgeschrumpft. Von den ursprünglich 8000 Mitarbeitern mussten zwischenzeitlich 2000 gehen. Jetzt geht es wieder bergauf. Vorstandsvorsitzender Claus Bolza-Schünemann will die positive Umsatz- und Ergebnisentwicklung der Jahre 2009 und 2010 Jahren fortsetzen. Im abgelaufenen Jahr ist ihm und seinem Vorgänger Helge Hansen (bis 31.10.2011) das auch fast gelungen, der Umsatz ging um ein Prozent zurück, der Auftragseingang legte aber um mehr als 20 Prozent zu.

Foto: dpa

KUKA AG

Das Augsburger Unternehmen liefert vor allem Roboter für den europäischen Fahrzeugbau und konzentriert sich auf Lösungen zur Automation industrieller Produktionsprozesse.   

Umsatz 2011/ Beschäftigte:

1,44 Milliarden Euro (Vorjahr, 1,08 Milliarden) / 5700 Mitarbeiter

Nach den Rekordergebnissen 2011 will der Roboter- und Anlagenbauer Kuka in diesem und im nächsten Jahr seinen Gewinn weiter steigern. 2012 soll der Umsatz mindestens die 1,44 Milliarden Euro aus dem Vorjahr erreichen, die Rendite vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) soll sich dank weiterer Effizienzsteigerungen mehr als 5,5 (5,1) Prozent erhöhen. Im vergangenen Jahr erzielte Kuka erstmals seit 2008 wieder einen Jahresüberschuss, und zwar in Höhe von 29,9 Millionen.

Beim Verkauf würde Investor Grenzebach, der rund 24 Prozent der Anteile hält, ein gutes Geschäft machen.

Foto: dpa

GEA Group

Als Ingenieurunternehmen konzentriert sich der Konzern heute auf den Spezialmaschinenbau mit den Schwerpunkten Prozesstechnik und Komponenten sowie den Anlagenbau. Die Technologien der GEA Group kommen in der Nahrungsmittelwirtschaft, der chemischen und petrochemischen Industrie, der Energiewirtschaft, in der Lufttechnik, dem Schiffbau sowie in der Pharma- und Kosmetik-Herstellung zum Einsatz.

Umsatz 2011 / Beschäftigte:

5,42 Milliarden Euro (Vorjahr 4,42) / 23.000 Mitarbeiter (Vorjahr 20.000)

Das Geschäftsjahr 2011 brachte GEA-Vorstandsvorsitzender Jürg Oleas das besten operative Ergebnis und das größte Akquisitionsvolumen seit zehn Jahren. GEA schüttete rund fünf Millionen Euro als Sonderzahlung an die Mitarbeiter unterhalb der oberen Führungsebene aus. Für das laufende Geschäftsjahr 2012 geht die GEA davon aus, dass die Nachfrage auf ihren Absatzmärkten wieder dem hohen Niveau von 2011 entsprechen wird.

Die Aktien der GEA-Group sind weit gestreut, das Unternehmen ein attraktiver Übernahme-Kandidat. Finanzinvestor Blackrock und Kuwait halten allerdings zusammen bereits rund 18 Prozent.

Foto: Pressebild

Nordex

Der Hersteller von Windkraftanlagen sieht seine Kernkompetenz in der Entwicklung von bis zu 45 Meter langen Rotorblättern sowie in der integrierten Elektro- und Leittechnik für Windenergieanlagen

Umsatz 2011 / Beschäftigte:

921 Millionen Euro (Vorjahr 972 Millionen) / mehr als 2500

Der Umsatz entwickelt sich rückläufig, das Ebit lag 2011 bei - 10,3 Millionen Euro (Vorjahr: + 40,1 Mio.) Nordex ist zu klein, um weltweit zu expandieren. Seinen kurzen Ausflug ins Offshore-Geschäft beendet der Windanlagenbauer derzeit wieder.

China und andere Schwellenländer könnten durch den Ankauf eines technisch führenden Herstellers wie Nordex ihren Rückstand ausgleichen. Nordex hingegen müsste, um den Lohnkostenvorteil asiatischer Hersteller auszugleichen und die Gesamtkosten der Anlagen zu reduzieren, die eigene Produktion weitmöglichst automatisieren. Das erfordert erhebliche Investitionen, die kleinere Unternehmen kaum stemmen können.

Foto: dpa

Aixtron

Das Aachener Maschinenbauunternehmen baut Beschichtungsanlagen für die Halbleiterindustrie. 80 Prozent vom Umsatz bringen Produkte zur Herstellung von Leuchtdioden (LEDs). Die werden in Computer- und Handydisplays, in Flachbildfernsehern und Glasfasernetzen eingesetzt.

Umsatz 2011 / Beschäftigte:

611 Millionen Euro (Vorjahr: 784) / 978 Mitarbeiter (Vorjahr: 784)

Auftragseingang und Umsatz sind in der zweiten Jahreshälfte 2011 bei Aixtron stark eingebrochen. Die aktuellen Marktaussichten für die Branchen, in denen Aixtron tätig ist, lassen im ersten Halbjahr 2012 keine wesentliche Verbesserung der Auftragslage erwarten. Die Aktien des 1983 gegründeten Unternehmens mit Sitz in Herzogenrath sind weit gestreut. Ein Einstieg wäre für ausländische Großinvestoren verhältnismäßig einfach. 

Foto: Pressebild

Gildemeister

Der Werkzeugmaschinenhersteller aus Bielefeld liefert Technologien rund ums Drehen und Fräsen, Ultrasonic / Lasern sowie Electronics, außerdem ist Gildemeister auf dem Markt der Solarsysteme aktiv.

Umsatz 2011 / Beschäftigte:

1,69 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,37) / 6.032 Mitarbeiter (Vorjahr: 5367)

Gildemeister erzielte 2011 den zweithöchsten Umsatz der Firmengeschichte. Der japanische Ankeraktionär Mori Seiki stützt den Maschinenbauer Gildemeister. Branchenkenner halten eine Erhöhung über die rund 20 Prozent hinaus, die der japanische Familienkonzern momentan hält, für vorstellbar. Sollten sie ihren Anteil bis zu 30 Prozent erhöhen, müssten sie den Restaktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten.

Foto: dpa

Schreier muss damit leben, dass Beobachter mit seiner Ära den Niedergang von Heideldruck verbinden. Der Aktienkurs der einstigen Perle des deutschen Maschinenbaus, der bei seinem Antritt im Herbst 1999 bei 35 Euro stand, dümpelt heue als Pennystock knapp unter der Marke von einem Euro.

Gerold Linzbach soll es nun richten. Anfang September tritt der bullige Ex-Chef des Duftkonzerns Symrise an; bis zum Jahresende wird Schreier ihn noch begleiten. Zwar ist Linzbach geholt worden, weil Schreier trotz seines jahrelangen Sanierungskurses bei Anlegern und Analysten den Ruf des Zauderers hatte. Linzbach soll die verbleibende Schrumpfkur schneller und entschlossener angehen als man Schreier zutraute – das erwarten jedenfalls die Kontrolleure im Aufsichtsrat und die Anteilseigner von ihm.

Doch Linzbach hat es weniger schwer als sein Vorgänger. Denn die größten Einschnitte hat Schreier – wenn auch oft zu spät und zu vorsichtig – bereits exekutiert. Und bei seinem Antritt findet Linzbach ein gefülltes Auftragsbuch vor - dank der im Mai stattgefundenen Druckmaschinenmesse Drupa.

So wird Schreier zwangläufig zur tragischen Figur: Vor ihm konnte Mehdorn noch vom Druck- und Werbeboom am Ende der Jahrtausendwende profitieren. Nach ihm wird Linzbach mit dem auf eine realistische Größe gestutzten Konzern die Ernte einfahren. Denn trotz der Attacken von Internet und Digitaldruck: Auf deutlich kleinerer Flamme haben die klassischen Drucktechniken noch lange eine Chance.

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