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Heimliche Herrscher Manfred Schneider, der Königsmacher

Keiner weiß so gut über das Innenleben deutscher Konzerne Bescheid wie der Multi-Aufsichtsratschef, der Bayer, Linde und RWE kontrolliert. Er steuert mit, wer wo als Vorstandsvorsitzender Karriere macht.

Manfred Schneider Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

Der Weg zu Manfred Schneider führt durch ein säulenbewehrtes Portal in eine imposante Eingangshalle. Im Treppenhaus dominiert dunkelgrauer, österreichischer Marmor, die Geländer sind mit Ornamenten verziert. Einige Stufen geht es hoch bis zur bronzenen Siegesgöttin Nike, dann nach rechts. Porträtbüsten berühmter Chemiker säumen den Weg.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Bayer-Konzerns residiert in einem Seitenflügel des historischen Verwaltungsgebäudes von 1912 an der Leverkusener Kaiser-Wilhelm-Allee. Das Büro wirkt stattlich: wuchtiger Schreibtisch, hohe Decken, cremefarbene Ledersessel – verteilt auf etwa 40 Quadratmeter. Schneider, von 1992 bis 2002 selbst Bayer-Chef, verfügt über viel Macht. Und er zeigt sie auch.

Der 73-Jährige kontrolliert nicht nur den Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern seines Nach-Nachfolgers Marijn Dekkers. Er ist auch Oberaufseher beim Essener Energieriesen RWE mit Vorstandschef Jürgen Großmann sowie beim Industriegase-Anbieter Linde, wo er über Lenker Wolfgang Reitzle wacht. So viele Top-Mandate in Dax-Konzernen schafft kein anderer. 2010 strich Schneider für seine Dienste insgesamt 1,1 Millionen Euro ein.

Von A wie Ackermann bis Z wie Zetsche

Wenn es einen Vorsitzenden der verbliebenen Deutschland AG gibt, ist es Schneider. Leverkusen wäre dann die Zentrale: Von hier aus bereitet sich Schneider akribisch auf seine Sitzungen vor. Sein Netzwerk reicht von Ackermann, Josef – dem Noch-Chef der Deutschen Bank, der lange dem Bayer-Aufsichtsrat angehörte – bis zu Zetsche, Dieter: Im Kontrollgremium des Daimler-Chefs saß Schneider noch 2011. Mit der Industrielegende Berthold Beitz, Chef der Krupp-Stiftung, ist Schneider ebenso bekannt wie mit dem einstigen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

Oder VW-Lenker Martin Winterkorn, den er meist zusammen mit Wolfgang Holzhäuser, Chef von Bayer 04 Leverkusen, im Stadion trifft, wenn Bayer gegen den VfL Wolfsburg spielt. Dass der kontaktfreudige Schneider zudem das Kuratorium der Fritz Thyssen Stiftung leitet, die sich der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses verschrieben hat, ist für sein Netz ebenfalls förderlich. Dort trifft Schneider etwa auf seinen Mit-Kurator Utz-Hellmuth Felcht, seines Zeichens Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn, und auf den wissenschaftlichen Beirat Hans-Jürgen Papier, bis 2010 Präsident des Verfassungsgerichtes.

Deutschlands heimliche Herrscher
Ralph Wollburg Quelle: Picture-Alliance/dpa
Ann-Kristin Achleitner Quelle: dpa
Henning Kagermann Quelle: dpa
Michael Vassiliadis Quelle: AP
Michael Hoffmann-Becking Quelle: Frank Reinhold für WirtschaftsWoche
Gerhard Cromme Quelle: dpa
Manfred Schneider Quelle: Picture-Alliance/dpa

Oberkontrolleur der deutschen Wirtschaft

Der Oberkontrolleur der deutschen Wirtschaft kennt wie kein Zweiter das Innenleben der Konzerne. Und kein anderer dürfte so viele Strategie- und Personalentscheidungen beeinflusst haben. Bis vor einigen Jahren hielt Schneider auch noch einfache Aufsichtsratsmandate bei Daimler, Allianz, TUI und Metro. Bei Daimler segnete Porsche-Fahrer Schneider 1998 die später gescheiterte „Hochzeit im Himmel“ mit ab, den Zusammenschluss mit dem US-Hersteller Chrysler. Bei TUI erlebte er aus der Nähe mit, wie sich das einstige Stahlunternehmen Preussag ab 2002 in einen Tourismuskonzern verwandelte. Dass dieser dann unter Vorstandschef Michael Frenzel meist seine Aktionäre enttäuschte, verhinderte aber auch Schneider nicht.

Der Strippenzieher ist ein freundlicher, jovialer Rheinländer, der gern über Fußball und Autos redet. Sein schwarzer Porsche 911 parkt direkt vor dem Eingang. Vor mehr als zehn Jahren, noch als Bayer-Konzernchef, hat sich Schneider diesen Autotraum erfüllt, nachdem er lange gehadert hatte, ob ein Porsche für einen Spitzenmanager überhaupt schicklich sei. Vor einigen Jahren, erzählt er stolz, habe ihn ein Autoliebhaber auf der Düsseldorfer Königsallee angesprochen, ob er seinen Porsche nicht verkaufen wolle. Schon wegen des Motorsounds hätte ihn der Mann teuer bezahlt.

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