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Heinz-Joachim Neubürger Ex-Siemens-Finanzvorstand begeht Selbstmord

Heinz-Joachim Neubürger, ehemaliger Finanzvorstand von Siemens, hat sich offenbar das Leben genommen. Er wurde 62 Jahre alt.

Der ehemalige Finanzvorstand der Siemens AG, Heinz-Joachim Neubürger, ist tot.

Der ehemalige Siemens -Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger ist tot. Das bestätigte am Donnerstag die Deutsche Börse, wo der 62-Jährige seit Mai 2012 im Aufsichtsrat saß. "Die Nachricht vom Tod unseres Aufsichtratsmitgliedes Heinz-Joachim Neubürger macht uns sehr betroffen", erklärte Deutschlands größter Börsenbetreiber. "Herr Neubürger war für uns ein geschätzter Ratgeber und Gesprächspartner. Er wird uns als Mensch und als Aufsichtsrat fehlen."

Neubürger war bis 2006 Finanzchef von Siemens. Ein später folgendes Ermittlungsverfahren im Rahmen der Korruptionsaffäre beim Münchener Konzern wurde gegen eine Geldauflage eingestellt. Sein einstiger Arbeitgeber forderte von ihm obendrein Schadenersatz. In erster Instanz wurde Neubürger zur Zahlung von 15 Millionen Euro verurteilt, legte gegen das Urteil jedoch Berufung ein.

Die Gewinner und Verlierer der Korruptionsaffäre
Heinz-Joachim NeubürgerEr war die Nummer zwei hinter v. Pierer, lange Zeit auch der Kronprinz im Vorstand. Neubürger (im Bild links neben v. Pierer) verantwortet alle strategischen Verkäufe von Unternehmensteilen und den Börsengang von Siemens in New York. Deswegen unterliegt Siemens auch der Aufsicht der strengen US-Börsenaufsicht SEC. Ein Finanzvorstand, dem 1,3 Milliarden Euro in schwarzen Kassen entgehen? Das Landgericht München hat den früheren Siemens-Finanzchef im Zuge des Schmiergeldskandals zu 15 Millionen Euro Schadenersatz an seinen früheren Arbeitgeber verurteilt. Eine Gerichtssprecherin bestätigte am 11. Dezember 2013 einen Bericht von „Spiegel Online“. Auch den Großteil der Verfahrenskosten soll Neubürger tragen. Im Gegenzug soll Siemens mehr als 16.000 Aktien für die Geschäftsjahre 2003/04 sowie 2004/05 im Wert von 1,5 Millionen Euro für entgangene Boni an Neubürger übertragen und zwei Zahlungen in Höhe von insgesamt rund 184.000 Euro leisten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Neubürger hatte sich nie auf einen Vergleich mit dem Unternehmen eingelassen, er war sich offenbar keiner Schuld bewusst. Das Strafverfahren gegen ihn wurde gegen eine Spende von 400.000 Euro an gemeinnützige Organisationen eingestellt. Foto: Archivaufnahme von 2003 Quelle: AP
Heinrich v. PiererZu den großen Verlierern zählt Heinrich von Pierer. Der ehemalige Siemens-Vorstand und Aufsichtsratsvorsitzende wies bis zuletzt jegliche Schuld an der Schmiergeldaffäre von sich, obwohl sich Außenstehende schwer vorstellen können, dass einem Vorstand 1,3 Milliarden Euro Schmiergelder in der Konzernabrechnung entgehen können. Im Rahmen eines Vergleichs zahlte v. Pierer fünf Millionen Euro an Schadensersatz an die Siemens AG. Quelle: dapd
Thomas GanswindtThomas Ganswindt war zwischen 2004 und 2006 Mitglied im Siemens-Zentralvorstand, dort verantwortlich für die Telekommunikation. Im Mai 2011 hat das Landgericht München das Verfahren gegen den Ex-Vorstand gegen eine Geldauflage von 175 000 Euro eingestellt. Quelle: dapd
Uriel SharefEr beaufsichtigte im Zentralvorstand die Kraftwerks-Zuliefergeschäfte von Siemens und war für die Region Südamerika zuständig. Argentinien war ein Schwerpunkt der Schmiergeldzahlungen von Siemens. Die Münchener Staatsanwaltschaft soll einem Bericht der Süddeutschen Zeitung im Juni 2011 Anklage gegen ihn erhoben haben. Die Behörde nannte den Angeklagten nicht namentlich, sprach aber davon, dass er zwischen 2000 und 2007 dem Zentralvorstand der Siemens AG angehörte. Sharef soll in Schmiergeldzahlungen bis in die höchsten Kreise Argentinien verwickelt gewesen sein. Der frühere Staatspräsident Carlos Menem, einige seiner Minister und Staatssekretäre und weitere Hierarchen sollen Millionenbeträge dafür bekommen haben, dass Siemens ein bedeutender Auftrag erteilt worden sei: die Herstellung von fälschungssicheren Pässen für alle Argentinier. Quelle: Presse
Klaus KleinfeldWurde 2005 der Nachfolger von Heinrich v. Pierer. Zwei Jahre später zwang Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ihn, seinen Chefposten zu räumen. Jetzt ist er Vorstandsvorsitzender des amerikanischen Aluminiumunternehmens Alcoa, mit wachsendem Erfolg. Doch offen ist, ob die Siemens-Korruptionsaffäre ihn noch einholen kann. Er war US-Chef von Siemens. Kleinfeld verlor durch das Eingreifen von Cromme Knall auf Fall seinen Job. Er zahlte 2 Millionen Euro an Schadensersatz an Siemens, "ohne Anerkenntnis von Schuld". Die ihm bisher auch nicht nachgewiesen wurde. Quelle: AP
Volker JungDie tragische Gestalt unter den Verlierern. Im Siemens-Vorstand war Jung bis 2003 verantwortlich auch für die Region Griechenland. Er war eigentlich aus dem Schneider. Denn die Münchner Staatsanwaltschaft bescheinigte ihm, nicht in die Schmiergeldaffäre involviert zu sein. Dann reiste er nach Griechenland, in sein Haus auf der Insel Paros. Das hätte er nicht tun dürfen, denn die griechischen Justizbehörden glaubten nicht an seine Unschuld und setzten ihn fest. Er durfte nicht ausreisen. Eineinhalb Jahre hielt er es in seinem Haus auf Paros aus, dann floh er in einer Nacht- und Nebelaktion übers Meer nach Deutschland. Auslieferungsgefahr besteht hier nicht, aber ein internationaler Haftbefehl, der ihm nun droht, ist auch nicht gerade angenehm für einen früher so weit gereisten Siemens-Vorstand. Quelle: dapd
Reinhard SiekaczekGegen ihn ist ein Urteil gesprochen, er erhielt wegen der schwarzen Kassen zwei Jahre auf Bewährung. Er war vergleichsweise nur ein kleines Licht im Schmiergeldsumpf, als Siemens-Direktor war er Finanzchef der Siemens-Kommunikationstechnik. Im Juli 2008 verurteilte ihn die Staatsanwaltschaft München zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Zahlung von 108.000 Euro. Das Gericht wies Siekaczek Untreue in 49 Fällen nach. Quelle: dapd

Im Dezember 2014 einigte sich Siemens nach eigenen Angaben mit Neubürger, den Streit gegen eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro zu beenden. Neubürger erkannte die ihm vorgeworfenen Pflichtverletzungen damit nicht an.

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