Heinz Ketchup Milliardenangebot für Unilever zurückgezogen

Schon die ersten Annäherungsversuche stießen auf wenig Gegenliebe. Jetzt zieht Kraft Heinz sein milliardenschweres Angebot für den Konsumgüter-Riesen Unilever zurück. Dabei wollte Kraft Heinz erst nicht aufgeben.

Heinz Ketchup: Milliardenangebot für Unilever zurückgezogen Quelle: REUTERS

Der Ketchup-Hersteller Kraft Heinz zieht sein 143 Milliarden Dollar schweres Angebot für den Konsumgüterhersteller Unilever überraschend zurück. Kraft begründete den Schritt am Sonntagabend mit dem Widerstand des Rivalen: "Wir wollten auf freundschaftlicher Basis vorankommen, aber Unilever hat klargemacht, dass sie keine Übernahme wollen", sagte Kraft-Sprecher Michael Mullen. Daher sei ein früher Rückzug gut, damit sich beide Firmen auf ihre eigenen Pläne zur Wertschöpfung konzentrieren könnten.

Eine Fusion beider Firmen mit Marken wie Philadelphia-Frischkäse, Weight Watchers, Knorr, Lipton oder Dove wäre eine der größten Übernahmen in der Wirtschaftsgeschichte gewesen. Entstanden wäre ein Konzern mit einem Umsatz von gut 82 Milliarden Dollar, der nahe am Schweizer Weltmarktführer Nestle mit 89 Milliarden Dollar herangerückt wäre.

Kraft-Sprecher Mullen zufolge waren die Übernahmepläne sehr früh bekanntgeworden. Am Aktienmarkt hatte es am Freitag Gerüchte über das Vorhaben gegeben. Daraufhin war Kraft durch die britischen Übernahmeregeln zu einer Bekanntmachung gezwungen. Die britisch-niederländische Unilever hatte die Offerte des deutlich kleineren Rivalen umgehend als zu niedrig zurückgewiesen. Insider sagten zudem, es seien Bedenken aufgekommen - etwa der mögliche Widerstand der britischen Regierung und Unterschiede in den Firmenkulturen und Geschäftsmodellen. Die "Financial Times" hatte am Wochenende berichtet, Premierministerin Theresa May habe die Behörden angewiesen, zu prüfen, ob eine Übernahme britische Wirtschaftsinteressen gefährden könne.

Diese Händler dominieren den Lebensmittelhandel
Platz 5: MetroMit weitem Abstand auf die vier Großen folgt die Metro-Gruppe, zu der die Real-Märkte gehören. Auch wenn die Gruppe laut Kartellamt den Anschluss an die Spitzengruppe verliert, liegt sie in ihrer Bedeutung weit vor den regionale Ketten wie Kaisers Tengelmann oder Tegut, Coop oder Globus, die jeweils weniger als drei Prozent Anteil am Markt haben. Umsatz: unter 10 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 5-10 Prozent Verkaufsfläche: 2-3 Millionen Quadratmeter Standorte: 300-400 Quelle: dpa
Platz 4: AldiDie Aldi Gruppe ist mit mehr als 4.000 betriebenen Standorten die führende Discounter-Größe in Deutschland. Bei Handelsmarken nimmt das Unternehmen eine herausragende Stellung ein. Hersteller dieser Produkte sind auf das Unternehmen angewiesen. Umsatz: 15-20 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 3-4 Millionen Quadratmeter Standorte: 4.000-5.000 Quelle: dpa
Platz 3: Rewe/Rewe DortmundZur Gruppe gehört neben den Rewe-Märkten auch der Discounter Penny. Insbesondere bei den Herstellermarken hat Rewe eine starke Position inne. Umsatz: 20-25 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 4-5 Millionen Quadratmeter Standorte: 6.000-7.000 Quelle: dpa
Platz 2: Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland)Die Schwarz Gruppe besteht aus den beiden Stiftungen Kaufland und Lidl, deren Kapital bei der Dachgesellschaft Schwarz Beteiligung GmbH liegt. Zusammen kommen die beiden Ketten auf ganz erhebliche Marktanteile. Umsatz: 25-30 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 20-25 Prozent Verkaufsfläche: 5-6 Millionen Quadratmeter Standorte: 3.500-4.650 Quelle: dpa
Platz 1: Edeka GruppeObwohl die Umsätze von Edeka vorwiegend von den selbständigen Einzelhändlern erzielt werden und zur Gruppe auch der Filialist Netto Marken-Discount gehört, betrachtet das Kartellamt die Gruppe als Ganzes. Besonders Markenhersteller sind auf Edeka aber auch Rewe und die Schwarz-Gruppe angewiesen. Diese Drei werden vom Kartellamt als „Nadelöhr für die deutschlandweite Verbreitung“ von Marken-Produkten bezeichnet und haben besonders viel Macht. Umsatz: Edeka 30-35 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 25-30 Prozent Verkaufsfläche: 9-10 Millionen Quadratmeter Standorte: 11.000–12.000 Quelle: Bundeskartellamt // Bezugsjahr: 2010 Quelle: dpa

Unilever hatte neben einer zu niedrigen Offerte auch von strategischen Gründen gesprochen, die gegen eine Übernahme sprächen. Daher sehe Unilever keine Grundlage für weitere Gespräche. Kraft hatte indes erklärt, man freue sich, eine Einigung über die Bedingungen einer Übernahme zu erreichen. Nach dem offiziellen Rückzug darf Kraft nach britischem Recht nun sechs Monate lang keine neuen Gespräche mit Unilever beginnen. Als treibende Kräfte des Kaufvorhabens wurden am Freitag Investoren vermutet, die die US-Lebensmittelbranche bereits seit Jahren aufmischen. Hinter Kraft stehen der Milliardär Warren Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway sowie der Finanzinvestor 3G Capital.

Unter Analysten und Investoren wurde nach Aufgabe des Vorhabens darüber spekuliert, ob Kraft einen Plan B hat und sich um ein anderes Übernahmeziel bemühen wird. Die Offerte für Unilever zeige, dass Kraft bereit sei, auch außerhalb des bisherigen Kernbereichs Nahrungsmittel zuzukaufen, sagte Analyst Ali Dibadj von Sanford Bernstein. Er nannte Colgate-Palmolive als ein mögliches Ziel von Kraft.

Die Lebensmittelbranche ist vor allem in den USA seit Jahren im Umbruch: Kraft Heinz ging 2015 aus der Fusion des Ketchup-Herstellers Heinz mit dem Philadelphia-Produzenten Kraft hervor. Damals mischte bereits der Finanzinvestor 3G mit.

Mit Spannung blicken Anleger nun darauf, wie die Aktienkurse der Unternehmen auf das Scheitern des Vorhabens reagieren. Kraft-Papiere stiegen am Freitag an der Wall Street in Erwartung eines Deals um fast elf Prozent. Die Papiere von Unilever legten an der Börse in London bis zu 15 Prozent zu.

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