Heitmann geht, Zachert kommt Lanxess tauscht Führungsspitze aus

Überraschendes Stühlerücken bei Lanxess. Vorstandschef Heitmann verlässt das Unternehmen, übernehmen soll Merck-Mann Matthias Zachert. Der ist für den Spezialchemiekonzern ein alter Bekannter.

Bild aus vergangenen Tagen: Lanxess-Chef Axel Claus Heitmann (rechts) bedankt sich im März 2011 bei seinem scheidenden Finanzvorstand Matthias Zachert. Jetzt soll Zachert, der derzeit als Finanzvorstand beim Pharmariesen Merck arbeitet, den Vorstandsposten von Heitmann übernehmen. Er verlässt das Unternehmen in einer schwierigen Phase. Quelle: dpa

Die rund 17.000 Beschäftigten des Spezialchemiekonzerns Lanxess bekommen überraschend einen neuen Chef präsentiert: Axel Heitmann, der fast zehn Jahre an der Unternehmensspitze stand, werde Lanxess Ende Februar verlassen, teilte der Aufsichtsrat am Sonntagabend in Köln mit. Man habe sich einvernehmlich darauf verständig, hieß es in einer Mitteilung. Als Nachfolger wird der frühere Finanzvorstand Matthias Zachert, aktuell in gleicher Funktion beim Darmstädter Pharmaunternehmens Merck, in die Chefetage von Lanxess zurückgeholt. Zachert soll sei Amt spätestens zum 15. Mai antreten, hieß es.

„Lanxess steht vor großen Herausforderungen, beispielsweise hinsichtlich Marktkapazitäten und Geschäftsportfolio“, erklärte Aufsichtsratschef Rolf Stomberg. Das Kontrollgremium halte deshalb den Zeitpunkt für gekommen, einer neuen Führung Verantwortung zu übertragen, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Die Merck KGaA teilte mit, Zachert habe den Familienrat und den Vorstandsvorsitzenden über das Angebot eines Wechsels zu Lanxess informiert und um vorzeitige Aufhebung des Vertrags gebeten. „Merck wird dieser Bitte entsprechen. Der Zeitpunkt des Wechsels wird später bekannt gegeben.“

Welche Chefs massiv unter Druck stehen
Commerzbank: Martin Blessings ewige BaustelleSeit sechs Jahren saniert Martin Blessing die teilverstaatlichte Commerzbank: Zu seinem Rezept gehört, das Institut auf Privatkunden und Mittelstand neu auszurichten, bis 2016 rund 5200 Stellen einzusparen und weniger lukrative Randbereiche und Altlasten abzustoßen. So konnte Blessing im Juli den Verkauf des britischen Immobiliengeschäfts aus dem Bestand der ehemaligen Hypothekentochter Eurohypo vermelden. Ein Fortschritt, doch die Reste der Eurohypo kleben Blessing noch immer wie ein Klotz am Bein. Unterm Strich liefert die Commerzbank keine gutes Ergebnisse ab. In der ersten Jahreshälfte ist die Aktie um fast 45 Prozent gefallen - hält diese Entwicklung an, droht der Ausstieg aus dem Dax. Die Ratingagentur Moody's geht davon aus, dass der Umbau der Commerzbank frühestens 2015 Früchte tragen wird. Auch für Blessing wird das Eis dünn. Jetzt mischt sich auch noch der Bund in die Verhandlungen über Abfindungen von zwei Commerzbank-Vorständen ein. Quelle: REUTERS
K+S: Investoren sind unzufrieden mit Norbert SteinerKein DAX-Wert lief schlechter als der von K+S. Die Aktie des Düngemittelherstellers fiel von Juli 2012 bis Juli 2013 um knapp ein Drittel. Damit sorgt K+S-Chef Norbert Steiner für Unmut bei den Investoren, unter denen manche den Aufstand proben sollen. Steiner zu stürzen, wird jedoch schwierig sein – angesichts der zersplitterten Aktionärsstruktur auf der einen Seite und dem starken Rückhalt Steiners innerhalb des Unternehmens auf der anderen. Quelle: dpa
ThyssenKrupp: Heinrich Hiesinger kämpft mit AltlastenMilliardenhohe Schmiergelder an Auftragnehmer, Kartellbildung mit Schienen-, Aufzug- und Rolltreppenherstellern, ausufernde Bürokratie, Luxusreisen für Journalisten, Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Übersee. Die Altlasten, die ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger übernommen hat, sind gewaltig. Durch die Abschreibungen auf die Stahlwerke hat der Konzern Schulden von 5,3 Milliarden Euro angehäuft. Die Eigenkapitalquote schrumpft zusehends. Hiesinger hat das Gros der Probleme nicht verursacht, soll es nun aber richten. Eine Sisyphusaufgabe. Quelle: dpa
Daimler: Zetsche kämpft gegen die MarktlageSeit Dieter Zetsches Vertrag nur um drei, statt um fünf Jahre verlängert wurde, gilt der Daimler-Chef als angezählt. Gründe gibt es viele. Die Aktionäre sind unzufrieden, die Renditen bleiben hinter den Erwartungen zurück und ausgerechnet im Wachstumsmarkt China fährt Daimler der Konkurrenz hinterher. Der Kastenwagen Citan patzte beim Crashtest und jetzt auch noch das Gerangel mit Frankreich wegen eines nicht zulässigen Kältemittels. Für Zetsche läuft es nicht rund. Es fehlen die großen Innovationen - BMW setzt auf seine Elektro-Flitzer aus Karbon. Nissan, General Motors und Toyota verkaufen jedes Jahr Zehntausende von Elektroautos. Von Mercedes dagegen gibt es bis heute kein einziges E-Mobil. Der Daimler-Chef hat den Aktionären eine Verbesserung der Geschäftslage versprochen. Angesichts des schwachen deutschen und europäischen Markts ein mutiges Versprechen. Quelle: dpa
Karstadt: Andrew Jennings bekommt nicht die KurveDrei Jahre nach der vermeintlichen Karstadt-Rettung durch Investor Nicolas Berggruen geht es dem Warenhaus immer noch nicht besser. Der neu eingesetzte Chef Andrew Jennings konnte das Ruder nicht herumreißen, auch weil sich Berggruen bisher weigert, Geld zu investieren. Im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12 fuhr Karstadt Verluste von knapp 250 Millionen Euro vor Steuern ein, für 2012/13 soll erneut ein Verlust anstehen. Jennings reagiert, indem er den Tarifvertrag aussetzt und 2.000 Stellen streicht. Ob das ausreicht, ist fraglich. Der Aufsichtsrat sucht bereits seit mehreren Wochen nach einem Nachfolger. Quelle: dpa
Apple: Tim Cook soll endlich liefernApple-Chef Tim Cook fehlt nicht nur die Strahlkraft des 2007 verstorbenen Unternehmensgründers Steve Jobs – sondern auch dessen Erfolge: Seit dem iPad hat das Unternehmen in drei Jahren kein grundlegend neues Produkt mehr herausgebracht, das iPhone 5 war im Herbst 2011 bloß eine Weiterentwicklung des 4S. Während Konkurrent Google an der Computer-Brille Google Glass arbeitet, setzt Apple auf eine Computer-Uhr, die "iWatch". Nach zahlreichen Neueinstellungen sollen mittlerweile 100 Tüftler an dem Produkt dran sein.  Neue Verkaufsschlager sind nötig, wenn Cook den Erfolgskurs seines Vorgängers fortsetzen will. Denn im dritten Geschäftsquartal (bis Ende Juni 2013) stagnierte der Umsatz bei etwa 35,3 Milliarden Dollar, der Gewinn schrumpfte sogar das zweite Mal in Folge. Er fiel mit 6,9 Milliarden Dollar um 22 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum (5,3 Milliarden Euro). Quelle: REUTERS
Siemens: Peter Löscher muss gehenFür ihn heißt es bereits "game over". Vorstandschefs Peter Löscher musste seinen Chefsessel räumen. Finanzvorstand Joe Kaeser hat das Ruder übernehmen. Zu viele Probleme hatten sich angesammelt. Zweimal in Folge musste Löscher die Gewinnerwartungen senken - einmal für 2013, einmal für 2014. Auf die Bilanz drücken Vorfälle wie Verluste bei Windparks, versemmelte Zukäufe und verspätete Auslieferung der neuen ICE-Züge an die Deutsche Bahn. Quelle: dapd

Zuletzt setzte Lanxess 8,8 Milliarden Euro um. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2013/2014 waren Umsatz, operatives Ergebnis und der Gewinn rückläufig. Die Autokrise in Europa und stark gefallene Kautschukpreise setzen dem Spezialchemiekonzern schwer zu. Lanxess ist der weltgrößte Hersteller von synthetischem Kautschuk, dem wichtigen Rohstoff für Reifen.

Allein im dritten Quartal sackte das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sondereffekten um 26,4 Prozent auf 187 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr ab. Der Umsatz ging trotz höherer Absatzmengen um fünf Prozent auf 2,05 Milliarden Euro zurück.

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Der Gewinn stürzte wegen höherer Abschreibungen und Kosten für das Sparprogramm des Unternehmens um fast 90 Prozent auf 11 Millionen Euro ab. Bis 2015 will der Dax-Konzern 100 Millionen Euro einsparen. Weltweit sollen insgesamt rund 1000 Stellen wegfallen. Am 20. März präsentiert Lanxess die Bilanz für das Geschäftsjahr 2013/2014.

Die Lanxess-Aktie notiert aktuell bei rund 45 Euro - gegenüber dem Höchststand Mitte Februar ist das ein Minus von knapp 35 Prozent - während der Dax im vergangenen Jahr auf immer neue Rekorde geklettert war. Lanxess war vor rund zehn Jahren an die Börse gebracht worden und 2012 in den Deutschen Aktienindex Dax aufgestiegen. Damit zählt Lanxess zur Topliga der deutschen Unternehmenslandschaft.

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