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Henkel-AufsichtsratDer leise Aufstieg der Birgit Helten-Kindlein

Da wird bei Henkel eine Frau Aufsichtsrats-Vize – und lange bekommt es kaum jemand mit. Was dahintersteckt.Claudia Tödtmann 24.04.2018 - 20:20 Uhr
Foto: REUTERS

Vor mehr als zwei Wochen hat der Aufsichtsrat des Konsumgüterkonzerns Henkel die Betriebsrätin Birgit Helten-Kindlein nahezu lautlos zu seiner Vize-Aufsichtsratschefin gemacht.

Damit gibt es unter den Dax30 zum ersten Mal eine Doppelspitze mit zwei Frauen in einem Aufsichtsrat. Denn seit bald neun Jahren ist Simone Bagel-Trah, Ur-Ur-Enkelin des Unternehmens-Gründers Fritz Henkel, an der Spitze des Kontrollgremiums.

Freudig begrüßen der Deutsche Juristinnenbund und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz die Personalie für eine Frau als Vize, die sie dem Konzern so wohl nicht zutrauten und sie nun vorbildlich finden, als Frauenförderungsmaßnahme und als Signal für andere Frauen.

Ganz so ungewöhnlich ist die Entscheidung dann aber doch nicht, vor allem nicht für den Düsseldorfer Konzern. Zum einen sitzt die 54-jährige Finanzexpertin schon seit zehn Jahren im Aufsichtsrat von Henkel – und mit ihr fünf andere Frauen und zehn Männer. Der Frauenanteil ist im Henkel-Aufsichtsrat mit 37 Prozent überdurchschnittlich hoch, im Schnitt kommen die anderen Dax-Konzerne auf 31 Prozent.

Zum anderen ist es in voll mitbestimmten Unternehmen üblich, dass der Aufsichtsrats-Vize von der Arbeitnehmerbank gestellt wird, erläutert Sabine Hansen, Personalberaterin bei Kienbaum. Helten-Kindlein ersetzt jetzt Winfried Zander als Aufsichtsrats-Vize, er ist der aktuelle Betriebsratschef von Henkel. Zudem: Traditionell sind auf den Arbeitnehmer-Bänken in den Aufsichtsräten immer schon mehr Frauen als auf der Seite der Anteilseigner.

„Henkel ist bereits seit Jahren Vorreiter in Sachen Frauenförderung, einige der bekanntesten Top-Frauen der deutschen Wirtschaft wie die Douglas-Chefin und Ex-Opel-Vorständin Tina Müller haben eine Henkel-Historie“, so Headhunterin Hansen. Auch die Henkel-Vorständin Kathrin Menges zählt mit ihrem „Mega-Karrieresprung“ laut Hansen dazu. Menges ist immerhin eine von 26 Vorständinnen im gesamten Dax30 – gegenüber 190 Männern. Nebenbei sitzt Menges schon seit vier Jahren im Aufsichtsrat des Sportartikelherstellers Adidas, der neuen beruflichen Heimat ihres Ex-CEO Kasper Rorsted.

Erstaunlich ist also eher, dass sich nun, gut zwei Wochen später, so viele Medien von „stern.de“ über „n-tv“ bis hin zu österreichischen Medien wie der „Tiroler Tageszeitung“ so freuen über die erste „Frauendoppelspitze im Dax“ – wobei die beiden Damen genau genommen ja auch in ganz verschiedenen Lagern sitzen.

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