Henkel Van Bylen lässt die Henkel-Aktionäre frohlocken

Nach einem weiteren Rekordjahr beteiligt der neue Henkel-Chef Hans Van Bylen die Aktionäre am Unternehmenserfolg und erhöht die Dividende deutlich. Für die Zukunft will Van Bylen ganz neue Geschäftszweige erschließen.

Henkel-Chef Hans Van Bylen will eine höhere Dividende auszahlen. Quelle: dpa

Im Rheinland ist man heute ohnehin in Feierlaune. Schließlich beginnt am heutigen Altweiber-Donnerstag die heiße Phase der Karnevalssession. Da mochte auch der Düsseldorfer Pril- und Schwarzkopf-Hersteller keine Spaßbremse sein und kündigte an, die Dividende deutlich zu erhöhen. Für das vergangene Geschäftsjahr 2016 schüttet Henkel je Vorzugsaktie 1,62 Euro (Vorjahr: 1,47 Euro) aus, je Stammaktie sind es 1,60 Euro (1,45 Euro). 2016 sei ein „sehr erfolgreiches Jahr für Henkel“ gewesen, bilanzierte Henkel-Chef Hans Van Bylen. Die starre Dividendenpolitik der Düsseldorfer war in den vergangenen Jahren stets ein großer Kritikpunkt der Aktionäre gewesen.

Der Belgier hatte Anfang Mai das Kommando bei Henkel übernommen, sein Vorgänger Kasper Rorsted, der mittlerweile Chef des Sportartikelherstellers Adidas, hatte den vormals eher behäbigen Konzern über Jahre auf Profit und Effizienz getrimmt. Seine mittelfristigen Ziele für 2020 hat Van Bylen schon im Herbst vergangenen Jahres präsentiert: Er will den Internet-Handel ausbauen und auf die Kernmarken des Düsseldorfer Konsumgüterriesen setzen.

Der Belgier hatte angekündigt, den digital erzielten Umsatz bis 2020 auf mehr als vier Milliarden Euro zu verdoppeln. Zudem wollen die Düsseldorfer noch stärker auf ihre Kernmarken setzen: Der Umsatz mit Loctite, Schwarzkopf oder Pril soll gesteigert werden, der Anteil der zehn größten Marken am Gesamtumsatz solle bis 2020 auf 75 Prozent steigen.

Der Aufstieg des Familienunternehmens
Henkel Standort Aachen 1876 Quelle: Presse
Fritz Henkel 1878 Quelle: Presse
Erfolgsmarke Persil Quelle: Presse
Pritt-Klebestift Quelle: Presse
Einstieg ins Kosmetikgeschäft Quelle: Presse
Sechzigerjahre: Internationalisierung85 Prozent des Umsatzes von Henkel werden heute in ausländischen Märkten erwirtschaftet. Dieses Wachstum hat seine Wurzeln in den 60er Jahren, als die internationale Ausrichtung des Konzerns unter der Geschäftsführung von Konrad Henkel begann, dem Enkel des Firmengründers Fritz Henkel. Er trieb die Internationalisierung in Europa, den USA, Lateinamerika und Asien entscheidend voran und leistete einen großen Beitrag zur heutigen Stellung des Unternehmens auf dem Weltmarkt. Quelle: Presse
Henkel Aktie Quelle: Presse
Schwarzkopf-Shamphoo Quelle: Presse
Fokus auf NachhaltigkeitNeben dem eigentlichen Produktsortiment legt Henkel eigenen Angaben zufolge bereits seit Ende der Fünfzigerjahre Wert auf die „Balance zwischen wirtschaftlichem Erfolg sowie ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung", für die sich besonders Konrad Henkel engagierte. Durch neue, nachhaltige Produktionsverfahren wird " Persil phosphatfrei" entwickelt, das nach langjähriger und kostenintensiver Forschung 1986 auf den Markt kommt. Bis heute formuliert Henkel regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte, in der Strategien zum Schutz der Umwelt offen gelegt werden. Quelle: Presse
Und wie steht es um die Zukunft des Konzerns? Am historischen Brexit-Tag verkündete der neue Henkel-Chef Hans Van Bylen die nächste frohe Botschaft: für 3,6 Milliarden Euro kaufte Henkel den amerikanischen Waschmittelhersteller Sun Products auf. Damit rücken die Düsseldorfer zur Nummer zwei im nordamerikanischen Waschmittelmarkt auf und erreichen dort den flächendeckenden Zugang in die Regale der großen US-Ketten. Und damit nicht genug. „Wenn ein Unternehmen strategisch zu unseren Geschäften passt und zu einem angemessenen Preis verfügbar ist, sind auch weitere, gezielte Akquisitionen möglich“, sagte van Bylen der „Rheinischen Post“. Weitere Zukäufe sind also nicht unwahrscheinlich. Quelle: Presse

In Zukunft will Van Bylen aber nicht mehr nur Waschmittel, Kosmetik und Klebstoffe verkaufen. Er will die Digitalisierung nutzen, um Kunden mit Dienstleistungen für sich zu gewinnen. Das Spektrum reicht von Buchungsplattformen im Internet für Friseurtermine bis hin zu einem Wäsche-Service, der Schmutzwäsche einsammelt und sauber zurückbringt. All das will der Konzern nicht allein machen, sondern mit Partnern, die die benötigte Expertise besitzen – vom mittelständischen Reinigungsunternehmen bis zu Online-Plattformen.

150 Millionen Euro für Start-ups

Dabei hat das Traditionsunternehmen auch Start-Ups im Blick. Insgesamt will Henkel bis zu 150 Millionen Euro in einen Wagniskapital-Fonds investieren, der junge Firmen fördert. Der Konzern will sein Geschäft im Internet in den kommenden vier Jahren massiv ausbauen. Der Umsatz soll sich auf vier Milliarden Euro verdoppeln. Positive Erfahrungen hat Henkel in Asien gesammelt. In China und Korea macht das Unternehmen bereits einen großen Teil seines Umsatzes, vor allem in der Kosmetiksparte, via Internet. In reiferen Märkten wie den USA oder Deutschland steht Henkel aber noch ganz am Anfang.

Im laufenden Jahr erwartet der belgische Manager, der bis zu seiner Beförderung die Kosmetiksparte im Vorstand verantwortete, ein „weiter sehr unsicheres und volatiles Marktumfeld“. Den Umsatz will Henkel ohne Zukäufe um zwei bis vier Prozent nach oben schrauben. Bei der bereinigten Ebit-Marge legt Van Bylen die Latte nicht deutlich höher: Sie soll von 16,9 Prozent im vergangenen Jahr auf „mehr als 17,0 Prozent“ steigen. Das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie soll zwischen sieben und neun Prozent steigen.

Übernahmen und florierende Geschäfte mit Waschmitteln hatten im vergangenen Jahr das Wachstum angekurbelt. Der Umsatz stieg 2016 um 3,5 Prozent auf einen neuen Höchstwert von 18,7 Milliarden Euro. Aus eigener Kraft konnte das Unternehmen um 3,1 Prozent zulegen. Auch der operative Gewinn ist mit 3,2 Milliarden Euro so hoch wie nie. Henkel wird als so solide eingestuft, dass es Kredite für Zukäufe praktisch zinsfrei gibt.

Im vierten Quartal hatte der Hersteller von Pritt und Persil den Gewinn stärker als von Analysten erwartet steigern können. Der Umsatz legte von 4,4 auf 4,85 Milliarden Euro zu. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) kletterte auf 765 Millionen Euro (Vorjahr: 670 Millionen Euro), vor allem die Waschmittelsparte konnte zulegen. Analysten hatten einen Umsatz von 4,82 Milliarden Euro und einen bereinigten operativen Gewinn (Ebit) von 742 Millionen Euro prognostiziert.

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