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Hoher Überschuss Stromexporte aus Deutschland sind der Renner

Deutsche Stromausfuhren erleben derzeit einen Boom. Seit vier Jahren wurde nicht mehr so viel Strom exportiert wie 2012. Die Grünen feiern bereits den Erfolg der Energiewende – doch so begeistert sind lange nicht alle.

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Rotoren von Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein: Deutsche Stromexporte boomen. Quelle: dpa

Berlin Deutschland hat im ersten Jahr nach der Energiewende seine Stromausfuhren vervierfacht. 2012 sei der Überschuss der Stromexporte auf 22,8 Terawattstunden (TWh) gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mit. "Damit wurde im Jahr 2012 der höchste Überschuss der letzten vier Jahre erzielt", erklärte die Behörde.

Während die Stromwirtschaft trotz dieser Entwicklung vor Lücken bei der Versorgungssicherheit warnte, sahen die Grünen in den Zahlen einen Beleg für den Erfolg der Energiewende weg von der Atomkraft hin zu Strom aus regenerativen Quellen.

Über die europäischen Netze floss 2012 wie schon in den sechs Jahren zuvor erheblich mehr Strom aus Deutschland in andere Länder als umgekehrt, hieß es in der Mitteilung des Statistischen Bundesamtes. Im einzelnen importierte Deutschland im vergangenen Jahr 43,8 TWh Strom und führte 66,6 TWh aus. Mit dem Stromhandel erzielte Deutschland im vergangenen Jahr einen Überschuss von 1,4 Milliarden Euro. Einfuhren von 2,3 Milliarden Euro standen Ausfuhren von 3,7 Milliarden Euro gegenüber.

Die größten Strom-Lieferanten nach Deutschland waren nach den Statistiken Frankreich mit 13,2 Terawattstunden, Dänemark mit 8,5 Milliarden TWh und Tschechien mit 8,4 TWh. Bei den Abnehmerländern dominierten die Niederlande mit 22,6 TWh vor den Alpen-Nachbarländer Österreich mit 15,9 TWh und Schweiz mit 12,7 TWh.

Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, wies darauf hin, dass der Strom an der deutschen Strombörse wegen der Erneuerbaren Energien besonders günstig sei und deswegen von den europäischen Nachbarn importiert werde. "Das Gerede, dass durch den Atomausstieg hier die Lichter ausgehen, wird dadurch einmal mehr widerlegt."


Börsenstrompreis fällt wegen Überangebots kurz ins Minus

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erklärte, das starke Wachstum der Erneuerbaren Energien sowie die Entwicklungen der Kohle- und Gaspreise seien der Hauptgrund für die boomenden Exporte. Eine Folge sei, dass der Betrieb von Gaskraftwerken immer unattraktiver werde.

Grund sei die sogenannte Merit Order, also der Reihenfolge der Kraftwerkseinsätze nach Wirtschaftlichkeit. So würden in den Niederlanden Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt, weil günstigerer Strom aus Deutschland bezogen werden könnte.

"Allerdings ist es ein Trugschluss zu glauben, dass wir deshalb unbekümmert in Sachen Versorgungssicherheit sein können", warnte der Lobbyverband, der über 1800 Versorger vertritt. Die Statistiken bedeuteten nicht, dass es insgesamt einen Strom-Überschuss gebe. Denn Strom müsse jederzeit an jedem Ort verfügbar sein.

Für Kraftwerksbetreiber werde die Kalkulation zudem immer schwerer. So habe der Boom bei Erneuerbaren Energien den Strompreis an der Börse erstmals zur Mittagszeit ins Minus rutschen lassen. Energieversorger, die am Sonntag vor einer Woche kurzfristig Strom absetzen wollten, hätten theoretisch noch etwas hinzuzahlen müssen, erklärte der BDEW.

Grund hierfür seien das Aufeinandertreffen mehrerer Effekte gewesen. Wind und Sonne waren zeitgleich so reichlich vorhanden, das 16,9 Gigawatt Windenergie und 14,1 Gigawatt Solarenergie ins Netz eingespeist wurden. Das entspricht der Leistung von etwa 30 Atomkraftwerken. Der Börsenpreis am Spotmarkt sei auf minus 50 Euro je Megawattstunde gefallen. Zum Vergleich: Am Terminmarkt kostet diese Menge derzeit 42 Euro. Ob tatsächlich ein Versorger am 24. März für die Abgabe von Strom gezahlt hat, war unklar.

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