Holcim und Lafarge Aktionäre geben grünes Licht für Mega-Fusion

Die Fusion der Zementkonzerne Holcim und Lafarge wird Realität. Die Mehrheit der Lafarge-Aktionäre hat ihre Papiere umgetauscht. Der nächste Schritt folgt Mitte Juli.

Die wichtigsten Zementhersteller der Welt
In der Zementindustrie bahnt sich eine denkwürdige Fusion an: Die beiden Hersteller Lafarge und Holcim wollen sich zusammenschließen. Es soll eine Partnerschaft unter gleichen werden. Schon jetzt zählen die beiden Unternehmen zu den größten in der Zementindustrie: Nach Angaben von Statista haben sie im vergangenen Jahr den meisten Umsatz erzielt. Handelsblatt Online listet die Kennzahlen der beiden Firmen und die wichtigsten Konkurrenten des künftigen Großkonzerns nach Umsatz auf. Quelle: dpa/Picture Alliance
HolcimUmsatz 2013: 16,1 Milliarden EuroDer Schweizer Zementhersteller existiert bereits seit 1912. Heutzutage hat Holcim sein Geschäft in mehr als 70 Länder ausgeweitet. Als Kernbereiche gelten die Geschäfte mit Zement, Kies und Beton. Gemessen am Umsatz, ist Holcim derzeit der größte Zementproduzent der Welt. Die geplante Fusion sichert diesen Status weiter ab. Quelle: REUTERS
Lafarge GroupUmsatz 2013: 15,2 Milliarden EuroDie französische Lafarge Gruppe erzielte im vergangenen Jahr nur etwas weniger Umsatz als ihr künftiger Partner. Das Unternehmen bezeichnet sich auf seiner Webseite als die Nummer eins im Zementgeschäft. Mehr als zwei Drittel des Portfolios der Gruppe bestehen demnach aus dem Handel mit dem Baustoff. Lafarge ist nach eigenen Angaben in 64 Ländern unterwegs. Die Fusion mit dem bisherigen Konkurrenten aus der Schweiz hat auch Auswirkungen auf den Namen: Künftig firmieren die beiden Branchenführer unter dem Namen LafargeHolcim. Quelle: dpa
Heidelberg CementUmsatz 2013: 13,9 Milliarden EuroDie Konkurrenz kann bei diesen Zahlen kaum mithalten. Der noch gefährlichste Rivale der beiden Konzerne kommt aus Heidelberg. Der Dax-Konzern mischt seit der Übernahme von Hanson 2007 im oberen Segment der Zementhersteller mit. Heidelberg Cement ist in 40 Ländern aktiv, in vielen davon nach eigener Aussage auch Marktführer. Das könnte sich mit der Fusion seiner ärgsten Konkurrenten ändern. Quelle: AP
CemexUmsatz 2013: 11,1 Milliarden EuroDie Mexikaner produzieren bereits seit 1906 Zement und haben inzwischen mehr als 50 Produktionsstätten auf der ganzen Welt. Am meisten Zement verkauft Cemex in Mexiko, rund ein Drittel seiner Geschäfte macht der Konzern dort. Wichtig ist auch das US-Geschäft, das etwa ein Viertel des Umsatzes ausmacht. Der mexikanische Konzern wollte eigentlich Beteiligungen mit Holcim tauschen. Während Cemex die Holcim-Tochter Csesko kaufen wollte, wollte der Schweizer Konzern die Geschäftsteile der Mexikaner in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden übernehmen. Ob das Geschäft durch die anstehende Fusion gefährdet ist, ist bisher nicht bekannt. Allerdings hatten die Wettbewerbshüter ohnehin schon Bedenken angemeldet. Quelle: dpa
Anhui Conch CementUmsatz 2013: 6,6 Milliarden EuroMit deutlichem Abstand im Ranking der wichtigsten Zementhändler der Welt folgt Anhui Conch Cement. Das chinesische Unternehmen existiert zwar erst seit 1997, hat sich in dieser Zeit aber schnell einen Namen gemacht. Experten gehen davon aus, dass die Fusion von Lafarge und Holcim auch als Schutz vor der aufstrebenden Konkurrenz aus China dienen soll. Quelle: dpa
ItalcementiUmsatz 2013: 4,2 Milliarden EuroDer italienische Konzern selbst bezeichnet sich als fünftgrößten Zementhersteller weltweit. Gerankt nach dem Umsatzzahlen von Statista, kommt er aber lediglich auf den sechsten Rang. Italcementi betreibt sein Geschäft in 22 Ländern auf vier Kontinenten. Der sei 1864 agierende Konzern ist bis heute im Besitz der Familie Pesenti. Derzeit führt Carlo Pesenti (Bild) die Geschicke des Unternehmens. Von der Bekanntgabe der Fusion seiner beiden Konkurrenten konnte Italcementi übrigens profitieren: Die Aktien stiegen, weil Händler mit Preiserhöhungen in der Branche rechnen. LafargeHolcim muss zudem eventuell einige Geschäftsteile aufgeben, um die Zusammenarbeit von den Kartellbehörden genehmigt zu bekommen. Quelle: imago

Die Megafusion der beiden Zementkonzerne Holcim und Lafarge biegt nach mehr als einem Jahr auf die Zielgerade ein. Holcim wurden im Rahmen des Umtauschangebots 87,5 Prozent des Lafarge-Aktienkapitals und 81,5 Prozent der Stimmrechte angedient, wie das Schweizer Unternehmen am Mittwoch unter Berufung auf vorläufige Zahlen bekanntgab.

Erforderlich war die Annahme durch mindestens zwei Drittel der Lafarge-Aktionäre. Holcim offerierte für zehn Lafarge-Titel neun eigene Anteilsscheine. Vollzogen werden soll die Fusion noch in diesem Monat.

Preisabsprachen der Zementhersteller

Der letzte Schritt in dem 40 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss galt als Formsache, nachdem Holcims Eigentümer im Mai der lange Zeit in der Schwebe hängende Fusion zugestimmt hatten. Erst mit einer Preisanpassung zugunsten Holcims und der Entmachtung von Lafarge-Chef Bruno Lafont konnte sich Holcim-Präsident Wolfgang Reitzle, der auch der starke Mann beim neuen Branchenriesen sein wird, die eigenen Aktionäre hinter sich scharen. Holcim ist gegenwärtig in besserer Verfassung als Lafarge.

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Zusammen erwirtschaften Holcim und Lafarge mit etwa 115.000 Mitarbeitern rund 30 Milliarden Euro Umsatz - mehr als doppelt so viel wie der deutsche Konkurrent HeidelbergCement. Die Zustimmung der Kartellwächter zu dem Deal sicherten sich die beiden Unternehmen durch den Verkauf von Zementwerken und Anlagen im Wert von 6,5 Milliarden Euro an den irischen Rivalen CRH.

Mit dem Zusammenschluss wollen die Schweizer und Franzosen in dem von Überkapazitäten geplagten Markt nach einer jahrelangen Stagnation endlich mehr verdienen. Bis die beiden Firmen vollständig zusammengeführt und die angepeilten Synergien von 1,4 Milliarden Euro gehoben sind, dürfte es drei Jahre dauern. Ein größerer Stellenabbau ist nicht geplant.

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