Hubschraubersparte der EADS Schleichender Kompetenzverlust von Eurocopter

Trotz aller wirtschaftlichen Erfolge sinkt die Bedeutung der deutschen Standorte innerhalb des Hubschraubergeschäfts der EADS.

Helikopter vom Typ Eurocopter SA 365 Quelle: dpa

Über Jahrzehnte war Ottobrunn einer der führenden High-Tech-Standorte Deutschlands. In Hochzeiten arbeiteten in dem Münchner Vorort 9000 Mitarbeiter bei der damaligen Luftfahrt-Forschungsanstalt-München und dem EADS-Vorläufer MBB. Hubschrauber wie der Bo 105 mit einem gelenklosen Rotorkopf waren der Stolz der deutschen Luftfahrtbranche.

Das war einmal. Zwar schreibt die EADS-Tochter Eurocopter, zu der MBB seit 20 Jahren gehört, Rekordzahlen und steigerte den Umsatz 2011 erneut um gut sieben Prozent. Dazu gilt Eurocopter als Vorbild, weil die Sparte dank Werken in den USA, Brasilien und Mexiko deutlich internationaler ist als andere EADS-Töchter.

Bildergalerie: Was EADS mit Flugzeugen und Hubschraubern verdient

Was EADS mit Flugzeugen und Hubschraubern verdient
Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat in den ersten neun Monaten des Jahres seinen Gewinn gesteigert - und erhöht jetzt die Jahresprognose. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, fiel zwar der operative Gewinn im dritten Quartal um 15 Prozent auf 322 Millionen Euro - doch seit Jahresbeginn hat der Gewinn vor Steuern insgesamt um rund sieben Prozent zugelegt. Das operative Ergebnis stieg in den ersten neun Monaten von 770 auf 823 Millionen Euro. Das Bild zeigt EADS-Chef Louis Gallois (r.) und Airbus-Boss Tom Enders vor einer Airbus A400M. Quelle: Reuters
AirbusWichtigste Sparte von EADS. In der zivilen Sparte Airbus Commercial stieg der Umsatz in den ersten neun Monaten um rund drei Prozent auf 21,1 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern fiel auf 306 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 328 Millionen). Die schlechte Nachricht: die Auslieferung des neuen Langstreckenflugzeugs A350 verzögert sich um sechs Monate. Das Bild zeigt einen A380, das größte Passagierflugzeug der Welt. Quelle: dpa
Die Verzögerungen bei dem neuen Flugzeug sind bitter. Der Langstreckenjet A350, der sich derzeit - mit Verspätung - noch in der Entwicklung befindet, gilt im Konzern als Hoffnungsträger. EADS meldete, dass es Fortschritte gebe, das Programm jedoch "herausfordernd" bleibe. Die Indienststellung ist eigentlich für die zweite Jahreshälfte 2013 geplant. Quelle: Reuters
Für Airbus Military gab es zuletzt einige Rückschläge: Der Zuschlag des US-Pentagons für Tankflugzeuge an den Rivalen Boeing, außerdem die Dauerquerelen um den verspäteten Truppentransporter A400M. Erst Anfang April hatten die sieben Käuferstaaten dein milliardenschweres Rettungspaket für den Militärtransporter besiegelt. In den ersten neun Monaten legte der Umsatz auf 1,8 Milliarden Euro zu, nach 1,5 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Quelle: dpa
EurocopterDie Hubschrauber-Sparte legte in den ersten drei Quartalen sogar um 12 Prozent zu: Der Umsatz stieg von 3,1 auf 3,5 Milliarden Euro Umsatz. Das Ergebnis vor Steuern stieg von 121 auf 157 Millionen Euro. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres hatte Eurocopter 81 Hubschrauber ausgeliefert. Das Bild zeigt Spaniens Kronprinz Felipe vor einen AS532 Cougar. Quelle: Reuters
AstriumDeutlich zulegen konnte auch die EADS-Raumfahrtsparte: Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten um 6,6 Prozent von 3,2 auf 3,4 Milliarden Euro. Astrium liefert unter anderem Trägerrakten, Beobachtungs- und Telekommunikations-Satelliten. Das Bild zeigt Arbeiten am Antriebsmodul des Raumtransporters ATV-3 (Automated Transfer Vehicle). Der ATV-2 ist kürzlich mit einer Ariane-5-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS gestartet. Quelle: dapd
CassidianEinziger Sorgenbringer war in den ersten drei Monaten die Rüstungssparte. Hier ging der Umsatz von 3,5 Milliarden auf 3,4 Milliarden Euro zurück, der Gewinn vor Steuern schrumpfte von 204 Millionen auf 170 Millionen Euro. Die Sparte stellt unter anderem den Eurofighter her, der auf dem Foto zu sehen ist. Außerdem spürt Cassadian die angespannten Verteidigungshaushalte der europäischen Mitgliedsländer, was die Aufträge verzögert. Quelle: dpa

Subtiler Abbau

Doch nun fürchten viele Mitarbeiter, Eurocopter könne auch in einem anderen Punkt zum Vorbild werden: dem schleichenden Bedeutungsverlust deutscher Standorte. Denn von den Eurocopter-Erfolgen hat Ottobrunn wenig. „Deutsche Projektteams werden systematisch zugunsten von französischen ausgebremst, selbst wenn die kein vergleichbares Konzept haben“, sagt ein Münchner Ingenieur. Der Abbau erfolge subtil, indem Arbeitsanteile und Investitionen gestrichen würden, klagt ein frustrierter Kollege: „Uns laufen die Ingenieure davon, und die Franzosen ziehen alles an sich und stellen deutsche Entscheidungsträger kalt.“

Und das ist erst der Anfang. Nachdem die EADS-Führung, deren deutsches Hauptquartier ebenfalls in Ottobrunn liegt, jahrelang Standortgarantien für die Helikopterwerke abgegeben hat, soll nun bis Anfang 2013 die Entwicklung und Produktion von Hubschraubern nach Donauwörth ins bayrische Schwaben wandern. In Ottobrunn verbleiben dann nur noch rund 800 Mitarbeiter etwa bei der deutschen EADS-Zentrale, der Weltraumtochter Astrium und dem Raumfahrt-Testzentrum IABG.

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