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IG Metall Verhandlungsmarathon im Metall-Tarifstreit

Teilnehmer eines Warnstreiks bei der Daimler AG vor dem Mercedes-Benz Werk in Sindelfingen. Quelle: dpa

Zwar ist in der vierten Verhandlungsrunde im Tarifstreit zwischen Südwestmetall und die IG Metall noch mit keiner Einigung zu rechnen, aber in der kommenden Woche sei ein Pilotabschluss möglich.

Der von massiven Warnstreiks begleitete Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie soll mit einem Verhandlungsmarathon in Baden-Württemberg gelöst werden. Es sei zwar noch kein Abschluss in der für Mittwoch angesetzten vierten Verhandlungsrunde zu erwarten, erklärten der Arbeitgeberverband Südwestmetall und die IG Metall. Doch gebe es Fortschritt im Streit über die Arbeitszeitregeln, sagte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf am Montag in Stuttgart. "Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung." Sollten die Tarifparteien am Mittwoch in Böblingen vorankommen, wäre ein Abschluss am darauf folgenden Wochenende denkbar.

Dass Baden-Württemberg den Pilotabschluss machen soll, sei inzwischen klar, hieß es in Verhandlungskreisen von beiden Seiten. Denn in diesem Bezirk wurde Mitte Januar als einziges eine Expertengruppe mit Vertretern beider Seiten eingesetzt, die seither fast täglich um Kompromisse ringt.

Die Warnstreikwelle ging unterdessen in die dritte Woche. Seit Ende der Friedenspflicht am 31. Dezember zählte die IG Metall bundesweit 626.000 Beschäftigte, die stundenweise die Arbeit niederlegten und an Kundgebungen teilnahmen - bei Konzernen wie Siemens, BMW oder Daimler bis hin zu Mittelständlern von der Küste bis zum Schwarzwald. Am Montag allein waren es rund 20.000 aus fast 120 Betrieben.

Die IG Metall fordert für die 3,9 Millionen Beschäftigten der Branche sechs Prozent mehr Lohn und ein individuelles Recht auf eine befristete Verkürzung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden pro Woche. Beschäftigte, die zur Betreuung von Kindern oder zur Pflege von Angehörigen kürzer treten wollen, sollten nach Vorstellung der Gewerkschaft Lohnzuschüsse von 250 Euro pro Monat bekommen. So sollen sich auch die unteren Lohngruppen leisten können, weniger zu arbeiten. Die Arbeitgeber lassen zwar mit sich reden, mehr Beschäftigten Teilzeit zu gewähren. Doch einen Entgeltausgleich lehnen sie strikt ab, weil die Teilzeiter nach dem neuen Modell dann einen höheren Stundenlohn hätten als andere Beschäftigte mit gleicher Tätigkeit. Es gebe noch keine Hinweise, dass die Arbeitgeber von ihrer Blockade abrückten, erklärte der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler "Da ist noch eine Menge Holz vor der Hütte, das wir wegschieben müssen."

Beim Thema Entgeltzuschuss lägen die Tarifparteien noch immer weit auseinander, erklärte Südwestmetall-Chef Wolf. Doch sehe er die Chance, dass die Arbeitgeber mit Blick auf längere Arbeitszeiten "einen erheblichen Teil" ihres Zieles erreichen könnten. Bisher dürfen in Baden-Württemberg 18 Prozent, in anderen Bezirken 13 Prozent, der Beschäftigten länger als die tarifliche 35-Stunden-Woche arbeiten. Jetzt arbeiten die Tarifparteien an Regeln, wie das Absenken von Arbeitszeit bei Teilzeitern durch mehr Beschäftigte mit höheren Stundenzahlen ausgeglichen werden kann.

Über die Tariferhöhung sei noch gar nicht verhandelt worden, sagte Wolf. Die Arbeitgeber hatten im Dezember eine Pauschale von 200 Euro für Januar bis März sowie eine Erhöhung um zwei Prozent ab April angeboten. Einen Tauschhandel mit den beiden Forderungsblöcken Geld und Arbeitszeit lehnen beide Seiten ab, wie es in Verhandlungskreisen hieß.

Sollten sich die Tarifparteien im Südwesten verhaken, könnte es in der kommenden Woche erstmals zu ausgedehnteren Warnstreiks über 24 Stunden kommen. Für den Fall haben sich die Arbeitgeber rechtliche Schritte vorbehalten, um Warnstreiks für die aus ihrer Sicht rechtswidrige Forderung nach Entgeltzuschuss zu stoppen. Die IG Metall ist überzeugt, dass sie damit nicht durchkämen. Beide Seiten signalisierten aber schon, dass sie den Tarifstreit ohnehin am Verhandlungstisch und nicht vor Gericht beilegen wollen.

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