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Impfstoff von AstraZeneca „Risiko einer Krankenhaus-Einweisung um bis zu 94 Prozent reduziert“

Klaus Hinterding, Vizepräsident bei Astrazeneca Deutschland. Quelle: Presse

Zu geringe Wirksamkeit, zu viele Nebenwirkungen: Viele Deutsche wollen sich lieber nicht mit AstraZeneca impfen lassen und sagen ihre Termine ab. In einem schriftlich geführten Interview nimmt Klaus Hinterding, einer der Geschäftsführer von AstraZeneca in Deutschland, Stellung zu den Vorwürfen.

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Klaus Hinterding ist Vizepräsident bei AstraZeneca Deutschland.

WirtschaftsWoche: Herr Hinterding, viele Deutsche lehnen den AstraZeneca-Impfstoff ab, weil er – mit etwa 70 Prozent – im Vergleich weniger schützt als die Vakzine von Biontech oder Moderna. Was sagen Sie denen?
Klaus Hinterding: Mit unserem Impfstoff steht ein sehr effektiver Impfstoff zur Bekämpfung der Pandemie zur Verfügung. In allen bisher ausgewerteten klinischen Studien konnte die Impfung vor schweren Verläufen der Covid-19-Erkrankung sowie Krankenhausaufenthalten schützen. Diese Schutzwirkung setzt bereits nach der ersten Dosis ein. Mit Blick auf die Verhinderung von milden und moderaten symptomatischen Covid-19-Erkrankungen belegen unsere Daten ebenfalls eine gute Wirksamkeit. Diese ist abhängig vom Abstand der ersten und zweiten Dosis und beträgt bei einem Impfintervall von acht bis zwölf Wochen 72 Prozent.

Und wie schützt Ihr Impfstoff bei schweren Verläufen?
Seit Anfang dieser Woche liegen reale Daten zur Wirksamkeit unseres für Covid-19-Vakzins bei über 5,4 Millionen Menschen in Schottland vor. Der Nachweis zeigt, dass der Impfstoff in der Lage ist, das Risiko einer Covid-19-bedingten Krankenhauseinweisung nach der ersten Dosis um bis zu 94 Prozent zu reduzieren. Diese Daten untermauern die Tatsache, dass unser Impfstoff vor schweren Covid-19-Fällen schützt, und das wurde hier auch insbesondere in älteren Bevölkerungsgruppen, die das höchste Risiko für schwere Covid-19-Fälle haben, gezeigt.

Und wie erklären Sie sich, dass in Kliniken oder Feuerwachen in Deutschland nach der Impfung mit AstraZeneca bis zu vierzig Prozent der Belegschaft über Nebenwirkungen klagten?
Die uns bisher bekannten Impfreaktionen zeigen, dass die Immunantwort auf unseren Impfstoff genauso ist, wie wir sie aufgrund der Erkenntnisse aus unserem klinischen Studienprogramm erwartet haben. Das Immunsystem von jüngeren Erwachsenen reagiert in der Regel stärker als das älterer Menschen. Die am häufigsten berichteten Reaktionen waren Druckempfindlichkeit und Schmerzen an der Injektionsstelle sowie grippeähnliche Symptome, die binnen weniger Tage vollständig zurückgingen. Natürlich nehmen wir jede Meldung von unerwünschten Ereignissen sehr ernst. Und wie bei allen unseren Arzneimitteln haben wir einen robusten Überwachungs- und Bewertungsprozess, mit dem wir die Reaktionen als Teil unserer routinemäßigen Pharmakovigilanz-Aktivitäten überwachen und melden.

Wie sich die Corona-Impfstoffe unterscheiden

Der Impfstoffstart von AstraZeneca verlief holprig. Das begann schon bei den Studiendaten im Herbst, als einige Teilnehmer die halbe Dosis erhielten und endet nun vorerst bei Liefer- und Akzeptanzproblemen. Was hätte aus Ihrer Sicht besser laufen müssen? Welche Fehler hat AstraZeneca gemacht?
Von Beginn unseres Impfstoffprogramms an hatten wir gemeinsam mit der Universität Oxford die Vision, während der Pandemiezeit einen zügigen und gerechten Zugang zu dem Impfstoff zum Selbstkostenpreis – also ohne Profit – zu ermöglichen. Der Versuch, etwas in dieser Größenordnung und Komplexität in dieser Geschwindigkeit zu unternehmen, war beispiellos. AstraZeneca arbeitet dazu mit Wissenschaftlern, Regierungen, multilateralen Organisationen und Herstellern auf der ganzen Welt zusammen, denn die Pandemie kann nur gemeinsam bewältigt werden.

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Und was sind nun die Fehler von AstraZeneca?
Inzwischen sind wir in über 50 Ländern zugelassen und es wurden bereits Millionen von Impfdosen unseres Vakzins weltweit verimpft. Auf dem Weg dorthin gab es an einigen Stellen Herausforderungen, das ist richtig. Aber angesichts dieser historischen Leistung möchte ich mich hier auf das konzentrieren, was erreicht wurde: Wir haben einen wirksamen Impfstoff, der vor schweren Verläufen und Krankenhausaufenthalten schützt, leicht zu transportieren ist, vom Hausarzt verabreicht werden kann und seit Februar in Deutschland verfügbar ist und damit helfen wird, die Pandemie einzudämmen. All das haben wir in einer unheimlich kurzen Zeit erreicht, die selbst Optimisten vor einem Jahr nicht für möglich gehalten haben. Das ist durchaus eine Leistung, auf die wir stolz sind, trotz all des Gegenwindes, der vielleicht auch dazu gehört.

Mehr zum Thema: Viele deutsche Firmen wollen im Haus impfen. Die Betriebsärzte haben sich schon vorbereitet.

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