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Industrie-Innovationsindex Industriekonzerne kaufen Kreativität ein

Exklusiv

Die deutsche Industrie beteiligt sich vermehrt an Start-ups, um von deren Kreativität zu profitieren. Wie eine exklusive Studie zeigt, wird dieses externe Wissen aber nicht konsequent genutzt.

Innovationen haben es in der deutschen Industrie nicht immer leicht Quelle: dpa

Die Innovationsfähigkeit und Innovationskultur der deutschen Industrie ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Zu diesem Ergebnis kommt die vom Weseler Chemiekonzern Altana in Auftrag gegebene Studie „Industrie-Innovationsindex 2015“, die der WirtschaftsWoche Online exklusiv vorliegt. Demnach ist der Index gegenüber der Erhebung 2014 um 2,5 Punkte auf 139,5 Punkte zurückgegangen.

Als Grund geben die in der Studie befragten Industrie-Manager den globalisierten Wettbewerb, Differenzierungsdruck und die Dynamik der Märkte an. Das seien die größten Herausforderungen des Industriesektors. Trotz des leichten Rückgangs bleibt das Ergebnis der Studie insgesamt positiv: Ein Indexwert größer als 100 bedeutet eine positiv wahrgenommene Innovationsfähigkeit der Industriebranche. „Die deutsche Industrie hat nachweislich eine hohe Innovationskraft und gerade deswegen können wir auch von neuen Marktteilnehmern und anderen Ländern lernen“, sagt Matthias Wolfgruber, Vorstandsvorsitzender von Altana. „Denn Innovationsfähigkeit hat immer auch mit dem Austausch von Wissen zu tun. Ich persönlich schätze den Unternehmermut in den USA.“

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Die Studie zeigt, dass es in diesem Bereich noch Luft nach oben gibt: Zwei von fünf Industriemanagern gaben an, dass in ihrem Unternehmen nur eine geringe oder gar keine Risikobereitschaft vorhanden sei. Deshalb greift die Großindustrie oft zu externen Kreativitätsquellen: Jedes fünfte Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern kauft sich der Umfrage zufolge in Gründerfirmen ein, um Innovationen zu fördern und von der Kreativität der Start-ups zu profitieren. Bei kleineren Firmen (mit weniger als 1000 Mitarbeitern) greift nur jedes zehnte Unternehmen zu dieser Strategie.

Doch mit dem reinen Einkauf der kreativen Ideen ist es nicht getan. In mehr als 40 Prozent der Industrieunternehmen werde das extern erworbene Wissen nicht konsequent genutzt. Nur elf Prozent der Firmen nutzen dieses Know-how systematisch, 45 Prozent zum Teil. „Informationen, die sich durch den Austausch mit externen Partnern ergeben, sollten intern systematisch allen Bereichen zur Verfügung gestellt werden, die davon profitieren könnten“, sagt Wolfgruber. „Das setzt eine Unternehmenskultur voraus, die hierarchie- und abteilungsübergreifende Kommunikation nicht nur zulässt, sondern auch gezielt fördert.“

Die 30 Besten des deutschen Mittelstands
Produktion bei Ensinger Quelle: Presse
Sennheiser Produktion Quelle: Presse
Screenshot der Adva-Internetseite Quelle: Screenshot
Schiffsschraube Quelle: PR
Das Pfeiffer Vacuum Firmengebäude Quelle: Pfeiffer Vacuum Pressebild
Frank Blase, der Geschäftsführer von igus. Quelle: Presse
Armaturen in der Fertigung von Hansgrohe Quelle: REUTERS

Bei der Innovationskultur liegt der Studie zufolge der Fokus derzeit auf den Kundenbedarfen. 55 Prozent der befragten Manager befürworten das „sehr stark“, 40 Prozent „eher stark“. Die Akzeptanz von unkonventionellem Denken und Handeln ist allerdings weniger stark ausgeprägt. 43 Prozent der Manager messen diesem Punkt eine „eher geringe“ Bedeutung bei. Immerhin: Neben der Bereitschaft, in Forschung und Entwicklung zu investieren, ist die Zustimmung bei dem abteilungsübergreifenden Austausch und der Förderung eines betrieblichen Vorschlagwesens am stärksten ausgeprägt.

Was ein etabliertes Vorschlagwesen bringen kann, zeigt das Beispiel von Volkswagen. Die Verbesserungsidee eines Zerspanungstechnikers spart dem Autobauer wegen der effizienteren Nutzung der Maschinen in der Komponentenfertigung pro Jahr 317.000 Euro. Insgesamt haben die VW-Mitarbeiter 2014 über 66.000 Verbesserungsvorschläge eingebracht. Das gesamte Einsparvolumen beziffern die Wolfsburger laut einer Mitteilung auf 111,6 Millionen Euro. 21,7 Millionen Euro wurden als Prämien an die Ideengeber ausgezahlt.

Für die Umfrage führte das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Altana Ende 2014 insgesamt 500 Telefoninterviews mit Vertretern aus Industrieunternehmen ab 250 Mitarbeitern durch. Neben 250 Vorstandsmitgliedern, Geschäftsführern und Bereichsleitern wurden auch 250 Berufseinsteiger (18 bis 35 Jahre, Berufserfahrung zwei bis fünf Jahre) interviewt. Diese Zweiteilung soll einen Abgleich zwischen der Manager- und Mitarbeiterperspektive ermöglichen. 2014 wurde der „Industrie-Innovationsindex“ zum ersten Mal erhoben.

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