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Industriekonzern Thyssenkrupps Neustart lässt auf sich warten

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Hiesinger rettet sich ins Sparen

Hiesinger droht bei all dem zwischen den Fronten zerrieben zu werden. Denn die Sicht der israelischen Behörden und der deutschen Seite könnte unterschiedlicher nicht sein. In Israel selbst ist der U-Boot-Kauf höchst umstritten. Einen solchen Milliardendeal ohne Ausschreibung einfach von oben herab zu entscheiden sei mehr als bedenklich, sagt ein israelischer Insider. Dass mit den Unterseebooten auch gleich noch ein Auftrag über vier Patrouillenboote ohne Ausschreibung an die Deutschen ging, verstoße gegen jegliche Regeln in Israel.

Das sehen mit der Sache vertraute deutsche Insider anders. Deutschland, das sich aus historischen Gründen für die Sicherheit Israels mit verantwortlich fühlt, ist seit Jahren Hauptausrüster der israelischen Marine. Bis ins Jahr 2027 hatte Deutschland für den Kauf der U-Boote rund 570 Millionen Euro Zuschuss veranschlagt, teilte die Bundesregierung noch im Februar mit. Wegen der zugesagten Subventionen der deutschen Regierung habe es aus deutscher Sicht für Netanjahu keinen Grund gegeben, das Projekt auszuschreiben. „Der U-Boot-Deal in Israel stand nie im Wettbewerb“, sagt ein deutscher Rüstungsexperte.

Erst hat er zu lange gewartet, jetzt kommt Hiesinger an Informationen aus Israel kaum noch heran. Mit Ganor dürfen die Deutschen nicht sprechen, um die Ermittlungen nicht zu behindern. Auch zu den Behörden gibt es keinen direkten Draht. Nach Informationen der WirtschaftsWoche hat Thyssenkrupp jetzt immerhin einen Rechtsbeistand vor Ort, die Topanwaltskanzlei S. Horowitz aus Tel Aviv. Zum Stand der Ermittlungen will die sich nicht äußern.

Die U-Boot-Affäre zieht sich hoch bis zum israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Auch gegen dessen persönlichen Rechtsberater und Verwandten David Schimron wird ermittelt. Quelle: REUTERS

Und auch deutsche Behörden untersuchen den Milliardendeal. Offiziell ermittelt die Bochumer Staatsanwaltschaft nicht gegen Thyssenkrupp in diesem Fall. Doch in der Sache ist eine Akte angelegt, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft der WirtschaftsWoche bestätigte. Man sammle alle Informationen zu dem Fall. Ob aus der Rechtssache auch ein Ermittlungsdossier wird, dazu äußert sie sich nicht.

Sparen als Allheilmittel

Für Thyssenkrupp ist der Reputationsschaden ohnehin schon da. In Essen fürchten sie jetzt, weitere Rüstungsaufträge in der Sparte Marine Systems zu verlieren. Aktuell steht etwa ein Vertrag mit Norwegen über eine engere militärische Kooperation an. Die Norweger haben Thyssenkrupp als strategischen Partner für ihre Marine ausgewählt. Bestätigt sich der Korruptionsverdacht, wird es wohl kaum dabei bleiben. In der Sparte brechen ohnehin die Verträge weg. Erst im vergangenen Jahr bestellte Australien statt bei Thyssenkrupp neue Unterseeboote beim französischen Konkurrenten Naval Group (früher DCNS). Hiesinger entging ein Auftrag von rund 35 Milliarden Euro.

Unsichere Aussichten fürs Stahlgeschäft und eine Korruptionsaffäre – Hiesinger rettet sich nun weiter ins Sparen. Mit Effizienzprogrammen hat er in den vergangenen zwei Jahren schon rund zwei Milliarden Euro aus dem Konzern herausgepresst. Den Kurs verschärft er jetzt, kündigte vor wenigen Wochen an, in den kommenden zwei Jahren auch in der Verwaltung rund 400 Millionen Euro zu kürzen – zusätzlich zu den 500 Millionen, die im Stahlgeschäft eingespart werden sollen.

Der Topmanager, der als Wachstumstreiber kam, muss jetzt den Sparkommissar geben. Ob das Eingesparte reicht, um all die schönen Innovationen im Konzern voranzutreiben, mag allein Hiesinger erblickt haben – und sei es durch die Holo Lens.

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