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Industriekonzern Thyssen-Krupp führt angeblich aussichtsreiche Gespräche mit Chefaufseher-Kandidat

Bei dem Industriekonzern sind gleich zwei Spitzenposten vakant. Für die Position des Aufsichtsratschefs gibt es laut einem Bericht Fortschritt.

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Thyssen-Krupp führt angeblich Gespräche mit Chefaufseher-Kandidat Quelle: Reuters

Düsseldorf Die Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef beim kriselnden Thyssen-Krupp-Konzern kommt Insidern zufolge voran. Der mit der Suche befasste fünfköpfige Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats befinde sich in aussichtsreichen Gesprächen mit einem Kandidaten, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Vielleicht stehe eine Entscheidung schon kommende Woche an.

„Das ist auf gutem Wege“, sagte einer der Insider. Eine endgültige Einigung mit dem Kandidaten sei aber noch nicht erzielt worden, die Gespräche mit diesem Kandidaten könnten auch noch scheitern.

Es sei auch nicht zu einer außerordentlichen Sitzung des Kontrollgremiums eingeladen worden, das die Spitzen-Personalie beschließen müsste. Möglicherweise werde der Aufsichtsrat aber bereits in der kommenden Woche zu einer solchen Sondersitzung zusammengerufen, sagte ein anderer Insider. Ein Thyssen-Krupp-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Bei dem Industriekonzern mit seinen rund 160.000 Mitarbeitern und Geschäften von Aufzügen bis hin zu U-Booten sind gleich zwei Spitzenposten vakant. Konzernchef Heinrich Hiesinger und Aufsichtsratschef Ulrich Lehner hatten das Handtuch geworfen. Nun soll Insidern zufolge zunächst ein neuer Aufsichtsratschef gefunden werden, die Nachfolge Hiesingers solle danach geregelt werden. Auf den Nominierungsausschuss, der mit der Personalsuche befasst ist, wächst dabei der Druck – auch von Seiten der Aktionäre.

Ein Kandidat hat bereits verzichtet: Airbus-Chef Tom Enders hatte abgewunken. Bis Ende September müsse sich eine Lösung für die freien Stellen abzeichnen, hatten zwei Personen aus dem Umfeld von Anteilseignern gesagt. Ziehe sich der Prozess zu lange hin, würde dies ungeduldigen Investoren nur neue Ansatzpunkte für ihre Kritik liefern.

Auf einen neuen Aufsichtsratschef kommt eine schwere Aufgabe zu. Hiesinger und Lehner verließen Thyssen-Krupp auch deshalb, weil sie mangelnde Rückendeckung in dem 20-köpfigen Kontrollgremium beklagten. Arbeitnehmervertreter hatten in der Vergangenheit die Sorge geäußert, dass der Konzern zerschlagen werden könnte.

Der aktivistische Investor Cevian, der rund 18 Prozent der Thyssen-Krupp-Anteile hält, macht sich für Änderungen an der Struktur des Konzerns stark. Weiterer Machtfaktor in dem Gremium ist die Krupp-Stiftung, mit 21 Prozent größter Einzelaktionär bei Thyssen-Krupp.

Ein neuer Aufsichtsratschef dürfe „sich nicht als Partei mit eigenen Interessen verstehen, die er gegen andere durchsetzt“, hatte der IG-Metall-Sekretär und geschäftsführende Aufsichtsratsvorsitzende Markus Grolms in einem „Focus“-Interview gesagt. „Wir brauchen jemanden, der zur Kenntnis nimmt und damit leben kann, dass es bei Thyssen-Krupp Eigentümer mit eigenen Wünschen gibt, Beschäftigte mit ebenso berechtigten Ansprüchen und ein Unternehmen, das nach vorn entwickelt werden kann.“

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