Insolvente Werft Neuer Interessent für P+S

In letzter Minute hat sich noch ein neuer Interessent für die insolvente P+S-Werft gemeldet: Ein Interessent aus Lettland will 12,5 Millionen Euro zahlen. Die Verhandlungen mit Nordic laufen aber weiter.

Die größten Pleiten im Schiffsbau
Die deutschen Werften stecken seit Jahren in der Krise. Die Nachfrage nach Handelsschiffen ist wegen der lahmenden Weltkonjunktur eingebrochen, die Finanzierung der Projekte gestaltet sich schwierig, die Preise für neugebaute Schiffe sind im Keller. Im vergangenen Jahr lieferten deutsche Werften nur 31 Schiffe aus - 2010 waren es doppelt so viele. Eine ganze Reihe von Werften ist in den vergangenen Jahren in Schieflage geraten oder ging in die Pleite. Aktuellstes Beispiel sind... Quelle: dpa
P+S WerftenDas Amtsgericht Stralsund hat am 30. August 2012 das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet. Die Werften aus Mecklenburg-Vorpommern steckten seit mehreren Jahren in einer finanziellen Krise. Die Situation hatte wegen Lieferverzögerungen verschärft. Bund und Land stoppten weitere Zahlungen, weil absehbar wurde, dass die zugesagten 152 Millionen Euro Staatshilfe für die Sanierung nicht ausreichen würden. Als die Abnehmer von Schiffen, darunter als größte die Reedereien Scandlines und DFDS, zu keinen Zugeständnissen bereit waren, musste P +S Insolvenz anmelden. Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann will bis Ende 2012 einen Käufer für den Standort Wolga präsentieren. Abu Dhabi Mar, Bremer Lürssen und die Rostocker Tamsen interessieren sich für die Werft. Für den Standort Stralsund gibt es bisher keine Interessenten. Brinkmann leitete bereits das Insolvenzverfahren der Hamburger Sietas-Werft und Rostocker Wadan-Werften. Quelle: dpa
Wadan-Werften Für die Wismarer Werft kam das Aus im Sommer 2009. Nach einer monatelangen Zitterpartie hatte die Regierung von Mecklenburg-Vorpommern zwar erneut eine Bürgschaft für einen 40 Millionen Euro schweren Kredit übernommen, doch der russische Mehrheitseigner, die Investmentgesellschaft FLC West, wollte den Eigenanteil von fünf Millionen Euro nicht einbringen - das berichten zumindest verschiedene Medien. 2800 Angestellten verlieren ihren Job. Wadan war auf Hochseefrachter spezialisiert, die wegen der rückläufigen Frachtraten kaum noch bestellt wurden. Quelle: dpa
J. J. Sietas KG Schiffswerft Deutschlands älteste Werft, die Hamburger Sietas, meldete im November 2011 wegen Überschuldung Insolvenz an. Zu diesem Zeitpunkt sind 700 Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen wird zerschlagen. Die Werft geht an die niederländische Veka-Gruppe, die Reparaturwerft Noderwerft geht an die Bremer Lürssen-Werft und die Neuenfelder Maschinenfabrik an die norwegische TTS Group ASA. Quelle: dpa
Werft LindenauDie Kieler Werft meldete im September 2008 Insolvenz an. Zwar gelang es, die endgültige Pleite abzuwenden, doch die Werft musste sich von immer mehr Beschäftigten trennen und konzentrierte sich fortan auf die Reparatur von Schiffen. Neubauten fanden auf dem Gelände an der Kieler Förde keine mehr statt. Lindenau war auf den Bau von Doppelhüllentankern spezialisiert. Anfang 2012 entgeht der Werft ein Millionenauftrag für die Reparatur des berühmten Marine Segelschulschiffs Gorch Fock. Wieder müssen Mitarbeiter gehen. Von den einst 370 Angestellten, sind nur noch 38 übrig. Quelle: dpa
In den siebziger und achtziger Jahren mussten gleich drei deutsche Traditionswerften die Segel streichen. Die 1913 gegründete Rolandwerft in Bremen ging 1972 in Konkurs, die AG Weser (gegründet 1872) wurde 1983 geschlossen und die bereits 1833 gegründete Kremer Werft in Elmshorn ging 1978 in die Insolvenz. Quelle: dapd
Bremer VulkanEinst Deutschlands größter Schiffbaukonzern geht die Bremer Vulkan 1996 bankrott. Der Konzern hatte mehr als 435 Millionen Euro Subventionsgelder zweckentfremdet. Der damalige Vorstandschef Friedrich Hennemann und zwei seiner Mitarbeiter werden wegen Untreue zu Bewährungsstrafen verurteilt. Die Pleite hat rund 9.000 Menschen den Arbeitsplatz gekostet. Zuletzt hatte die Werft 22.800 Menschen in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt. Die Vulkan-Pleite reißt die Lloyd Werft beinahe mit in den Abgrund. Vulkan hatte sie in den 80er Jahren übernommen. Quelle: AP
Lloyd Diese Werft entging der Pleite mehrmals nur knapp. In den 90ern musste sie den Konkurs der Muttergesellschaft Vulkan verkraften. 2004 drang dann bei einem Sturm Wasser in den Rohbau des 284 Meter langen Kreuzfahrtschiffes "Pride of America". Das Schiff kippte im Werft-Pier. Lloyd geriet durch die Havarie in finanzielle Schieflage. Die "Pride of America" wurde mit über einem Jahr Verspätung an die amerikanische Reederei NCL ausgeliefert. 2006 stiegen die italienische Staatswerft Fincantierie sowie die Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes Bremen bei Lloyd ein. Die Sanierung gelang. Aktuell beschäftigt die Werft 530 Mitarbeiter. Lloyd hat sich vor allem als Reparatur- und Umbauwerft einen Namen gemacht. In 80er Jahren setzte das Unternehmen den bis dato größten Umbau eines Passagierschiffes um. Das Schiff? Kein geringeres als die Queen Elisabeth 2 (links im Bild). Quelle: dpa/dpaweb
SchichauDer Konkurs der Bremer Vulkan Verbund AG 1996 traf auch die Schichau Seebeck Werft. Sie gehörte seit 1987 zum Firmenkonglomerat. Schichau schaffte es 1998 als SSW Fähr- und Spezialschiffbau noch einmal sich zu etablieren. Mit dem Containerschiff SSW Super 25 übernahm sich die Werft finanziell jedoch. 2002 folgte erneut die Insolvenz. Noch einmal berappelte sich Schichau. 2009 meldete das 1837 gegründete Unternehmen zum dritten und letzten Mal Insolvenz an - trotz gut gefüllter Auftragsbücher. Die Werft kann offene Verbindlichkeiten bei Lieferanten nicht mehr bedienen und wird geschlossen. Zuletzt beschäftigte sie 300 Mitarbeiter. Quelle: dpa

Kurz vor Abschluss der Verhandlungen über den Verkauf der insolventen P+S-Werft an Nordic Yards hat sich ein Interessent aus Lettland gemeldet. Dieser habe ein Angebot vorgelegt, aber keinen Finanzierungsnachweis erbracht, sagte ein Sprecher der Insolvenzverwaltung am Mittwoch.

Nach Angaben des "NDR" will der vermeintliche Käufer 12,5 Millionen Euro zahlen und bis Ende des Jahres 260 Arbeitsplätze garantieren. Unterdessen laufen die Vertragsverhandlungen mit Nordic weiter. Eine Unterzeichnung des Vertrags wird noch im Mai erwartet. Das in russischem Besitz befindliche Unternehmen will die Werft zum 1. Juni 2014 übernehmen und bis Jahresende 250 Mitarbeiter beschäftigen.

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