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Insolvenzverfahren Q-Cells-Insolvenzverwalter verklagt Hengeler Mueller

Exklusiv
Seite 2/3

Wann war das Unternehmen insolvenzreif?

Die größten Firmenpleiten des Jahres
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Siag Nordseewerke Quelle: dpa
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Im Kern geht es um die Frage, wann das Unternehmen insolvenzreif war. Der Q-Cells-Vorstand hatte am 3. April 2012 Insolvenzantrag gestellt, nachdem ein Beschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt das Management von Q-Cells zu der Erkenntnis brachte, dass der Sanierungsplan nicht länger realistisch war. Das OLG hatte kurz zuvor in einem Präzedenzfall den Rettungsplan des Holzverarbeiters Pfleiderer gekippt. Pfleiderer wie Q-Cells wollten bei Anleihegläubigern den Verzicht auf Forderungen durchsetzen und dafür das 2009 erneuerte Schuldverschreibungsgesetz nutzen, das es ermöglicht hätte, den Schuldenschnitt mit 75-Prozent-Mehrheit umzusetzen. Schon in der ersten Instanz, vor dem Landgericht Frankfurt, war Pfleiderer mit dem Ansatz gescheitert. Doch die Berater von Hengeler Mueller, die parallel bei beiden Unternehmen im Einsatz waren, rechneten mit einem anderen Ausgang des Falls vor dem OLG. Doch auch dort entschieden die Richter, dass die Schuldverschreibungsregelung nicht greift. Q-Cells hätte - wie nach dem alten Gesetz vorgesehen - eine einstimmige Entscheidung erreichen müssen. Bei der damaligen Konstellation ein unwahrscheinliches Szenario. Das Management meldete Insolvenz an.

Die Frage, die der Q-Cells-Verwalter nun aufwirft, lautet: War die Havarie vor dem Oberlandesgericht nicht absehbar, die Situation also schon vorher offensichtlich ausweglos? Nach seiner Ansicht hätte der Vorstand  nicht das OLG-Urteil abwarten dürfen, sondern bereits zeitnah zur Entscheidung der Vorinstanz im November 2011, Insolvenz anmelden müssen. Das Gros der Zahlungen des Unternehmens, die ab diesem Zeitpunkt bis zur Antragstellung erfolgt sind, will Schorisch nun offenbar über Anfechtungen wieder zurück fordern. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit immer wieder Auseinandersetzung über die Möglichkeiten von Verwaltern, die Beraterhonorare zurück zu fordern, mehrere Urteile des Bundesgerichtshof befassen sich mit dem Thema und stecken den Rechtsrahmen ab. Doch die Beträge, um die es bei Q-Cells geht, sprengen alle bekannten Fälle.

So stehen bei Q-Cells Honorare in Höhe von insgesamtknapp 10 Millionen Euro im Feuer, heißt es im Umfeld der Beteiligten. Mehr noch: Auf den damaligen Vorstandschef Nedim Cen und seinen Finanzvorstand Andreas von Zitzewitz könnten noch weitaus höhere Forderungen zukommen, die Rede ist von Gesamtbeträgen an der 100-Millionen-Euro-Marke. Die Vorstände müssen aus der Perspektive des Verwalters für sämtliche Zahlungen gerade stehen, die in den Monaten zwischen dem eigentlich notwendigen Antragszeitpunkt und der tatsächlichen Antragsstellung liegen. Da sich der Vorstand aber gleichfalls insolvenzrechtlich beraten ließ, stellt sich auch hier die Frage nach einer möglichen Haftung der beteiligten Juristen bei Hengeler & Co.

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