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Investitionen in Europa China tut sich schwer mit der EU-Bürokratie

Chinesische Investoren empfinden das europäische Geschäftsklima als schwierig. Besonders die Bürokratie bei der Bewilligung von Visa oder Arbeitserlaubnissen stößt ihnen sauer auf. Trotzdem wollen 97 Prozent der befragten Unternehmen weiter in die EU investieren.

Wovor die EU heimische Unternehmen schützen will
Die EU droht der mächtigen Solarbranche Chinas mit Strafzöllen. Im September 2012 eröffnete die EU-Kommission ein Antidumping-Verfahren zu Einfuhren chinesischer Hersteller. Wegen des hohen Wertes der Importe von 21 Milliarden Euro pro Jahr ist der Fall beispiellos. Die von der EU-Kommission vorgelegten Vorschläge sehen Zölle in Höhe von 37 bis 68 Prozent auf Solarpaneele vor. Wer kooperiert und seine Zahlen plausibel darlegt, wird mit einem geringen Satz belegt. Schon ab dem 5. Juni 2013 könnten die Zölle in Kraft treten. Chinas Hersteller protestieren gegen die Abgabe und werfen der EU Protektionismus vor. Quelle: dpa
Chinesische Fahrräder dürfen seit bald 20 Jahren nicht ungestraft über europäische Straßen rollen. Im September 1993 verhängte die EU Strafzölle gegen Kompletträder aus Vietnam und China. Zunächst lag der Zoll bei rund 30 Prozent, später wurden Fahrräder aus China mit 48,5 Prozent Anti-Dumpingzoll belegt, Räder aus Vietnam mit 34,5 Prozent. Im Sommer 2010 lief der Strafzoll gegen Fahrräder aus Vietnam aus. Chinesische Hersteller müssen nach wie vor blechen, die EU verlängerte die Anti-Dumping-Maßnahme im Oktober 2011 um weitere fünf Jahre. Gebracht hat es wenig, wie eine Untersuchung der EU zeigt. Die europäische Fahrradproduktion ging weiter zurück, die Gewinnspanne blieb unzureichend. "Jede Möglichkeit, Wachstum und Gewinn zu steigern, wurde durch den von Preis und Menge der gedumpten Einfuhren ausgeübten Druck untergraben", heißt es in dem Papier. Trotz der Strafzölle waren die China-Importe um mehr als die Hälfte günstiger als europäische Fahrräder. Quelle: dpa
Einer der jüngsten Strafzölle der EU richtet sich gegen chinesisches Hochglanzpapier. Seit Mai 2011 müssen europäische Druckereien, die ihre Kataloge auf China-Papier drucken wollen, vier bis zwölf Prozent Aufschlag an die Zollbehörden zahlen. Dazu kommen zwischen acht und 35,1 Prozent an Anti-Dumping-Zoll. Experten der Europäischen Kommission schätzen, dass chinesisches Hochglanzpapier durch diese Strafzölle in Summe um 20 bis 39 Prozent teurer wird. Das gilt für die nächsten fünf Jahre. Seit 2004 baut China seine Papier-Produktionskapazitäten jährlich um rund 26 Prozent aus. Europas Papierwirtschaft schrumpft derweil. Spürbar positive Effekte hat der Zoll auf die deutschen Papierhersteller bisher keine. Quelle: dpa
Lederschuhe aus China und Vietnam....... belegt die EU 2006 mit einem Strafzoll. Doch statt wie üblich den Bannstrahl fünf Jahre lang über die Dumping-Latschen zu legen, galt die Regelung zunächst nur bis 2008. Das griff den italienischen Schuhhändlern zu kurz und sie liefen - selbstverständlich auf nicht chinesischem Schuhwerk - Sturm. Damit gerieten sie allerdings zwischen die Fronten. Die Schuhzollfrage spaltete Europa. In Süd- und Osteuropas sowie in Frankreich, wo es noch eine heimische Schuhproduktion gab, forderten die Regierungen Schutzmaßnahmen. Deutschland, dessen Schuhindustrie bereits überwiegend in Asien produzierte, lehnte die Zölle entschieden ab. Am Ende der Debatte hielt die EU an den Strafzölle bis 2011 fest. Seit April vergangenen Jahres wird keine Abgabe mehr verlangt. Quelle: REUTERS
Für Glasfaser aus China gilt seit März 2011 ein Strafzoll von 13,8 Prozent. Glasfasern werden in der Baubranche, der Autoproduktion und der Windkraftindustrie verarbeitet. Vertreter aus dem letztgenannten Industriezweig sind mit der Regelung nicht zufrieden. "Die Windbranche ist heutzutage eine weltweite Industrie und Handelsbeschränkungen helfen sicherlich nicht, die Kosten für Energie zu reduzieren", sagte Peter Brun, Vize-Chef des weltgrößten Turbinen-Herstellers Vestas. Auch Roland Garsch, Geschäftsführer der Polychem, die Glasfaserprodukte verkauft, ist skeptisch: "Diese Strafzölle werden sich negativ auf die verarbeitende Glasfaserindustrie in Europa auswirken, die überwiegend aus Klein- und Mittelbetrieben besteht". Quelle: dpa
Der SchraubenkriegAn dieser Abgabe hat sich die EU die Zähne ausgebissen. Im Januar 2009 verhängte die Kommission Strafzölle von bis zu 85 Prozent gegen Schrauben und Bolzen made in China. Peking setzte sich zur Wehr. Die Klage bei der Welthandelsorganisation WTO in Genf hatte Erfolg. Die WTO urteilte, dass die EU Exporteure aus der Volksrepublik benachteilige und damit gegen internationales Handelsrecht verstoße. Sie rügte die EU. Mehr kann die WTO aber nicht tun, ein Zwang den Strafzoll zurückzuziehen besteht für die WTO-Mitglieder nicht. Peking nahm die Sache daraufhin selbst in die Hand und konterte mit Zöllen auf Schrauben aus Europa. Die Abgabe liegt bei 6 bis 26 Prozent und gilt für fünf Jahre. Quelle: obs
Dass die EU keine Bananen mehr aus Latein- und Mittelamerika haben wollte, nahmen die deutschen Fruchthändler ihr ganz schön krumm. Die Verordnung trat 1993 in Kraft und sollte Produzenten in europäischen Übersee-Departements wie den französischen Antillen vor sogenannte Dollarbananen schützen. 1500 DM Strafzoll mussten deutsche Importeure Mitte der 90er Jahre auf eine Tonne Bananen aus Lateinamerika löhnen. Sogar Bundeskanzler Helmut Kohl - im allgemeinen mehr mit Birnen als Bananen in Verbindung gebracht - schaltet sich ein und sagte den Fruchthändlern seine Unterstützung zu. Ohne Erfolg. Der "Bananenkrieg" zwischen der EU und Lateinamerika dauert fast fünfzehn Jahre. Erst am 15. Dezember 2009 trafen Vertreter aus der EU, der USA und Lateinamerikas eine abschließende Übereinkunft. Die Zölle wurden schrittweise abgebaut. Quelle: dpa/dpaweb

Chinesische Investoren empfinden das europäische Geschäftsklima als schwierig. Die Europäische Union werde zwar als offener Markt empfunden, doch gibt es viele Hürden im Tagesgeschäft, wie eine Studie ergab, die die Europäische Handelskammer in China am Donnerstag in Peking vorlegte. Trotzdem wollen chinesische Unternehmen ihre Investitionen in Europa ausbauen. Es seien vermehrt Fusionen und Übernahmen geplant. Bei einer Umfrage für die Studie sagten 97 Prozent, dass sie weitere Investitionen planten. 82 Prozent wollten dabei sogar mehr investieren als bisher.

„Die zunehmenden chinesischen Investitionen in der EU sind ein positiver Trend“, sagte Kammerpräsident Davide Cucino. Die Wirtschaftskrise habe „eine Reihe von Möglichkeiten geschaffen, die möglicherweise vorher nicht bestanden haben“. Chinesische Investoren sollten sich auch nicht abschrecken lassen, „weil es nicht eine Krise von Unternehmen oder Industrien ist, sondern eine Staatsschuldenkrise“.

Chinesen machen im deutschen Mittelstand fette Beute
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Kion Quelle: dpa
Koki Technik Transmission Systems: Quelle: dpa
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Drei Viertel der Investoren beklagten aber operative Schwierigkeiten wie bürokratische Hindernisse oder hohe Kosten, heißt es in der Studie, die mit den Beratungsfirmen Roland Berger und KPMG erstellt wurde. Die chinesischen Unternehmen wiesen unter anderem auf Probleme mit europäischen Arbeitsgesetzen oder mit der Bewilligung von Visa und Arbeitserlaubnissen für chinesische Mitarbeiter hin. Wie die Studie feststellte, wird das Verständnis vom europäischen Markt erschwert durch den Mangel an einheitlichen Vorschriften oder Steuergesetzen in den 27 EU-Staaten.

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Dennoch genießt die EU einen guten Ruf als stabiler und investitionsfreundlicher Markt mit hochmoderner Technologie und gut ausgebildeten Fachkräften. Die Studie zeige, dass es kaum regulatorische Hindernisse für chinesische Unternehmen gebe, die auf den europäischen Markt wollten, sagte Kammerpräsident Cucino. „Ganz anders sieht es für europäische Unternehmen aus, die nach China wollen“, sagte er. „Der Marktzugang ist massiv beschränkt.“ Die Handelskammer hoffe, dass China „diese Asymmetrie“ in Angriff nehme und seine Märkte weiter öffne.

In der Umfrage wurden 74 chinesische Unternehmen untersucht, die in der EU investiert haben. Chinesische Unternehmen hatten nach Angaben des Pekinger Handelsministeriums 2012 mit rund 77 Milliarden US-Dollar 29 Prozent mehr im Ausland investiert als im Vorjahr.

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