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Jahresbilanz des Siemens-Chefs Der entschlossene Joe Kaeser

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Klein ist das neue Groß

Die Projektteams hatten Aufträge angenommen, was das Zeug hielt, nur um den Umsatz zu steigern. Schließlich hatte der damalige Chef Löscher das ehrgeizige Ziel von einem Jahresumsatz in Höhe von 100 Milliarden Euro ausgegeben – das Kaeser freilich längst kassiert hat. Von nun an soll bei Projekten genauer hingeschaut werden. „Eine klare Richtung“ will Kaeser vorgeben, „und den Menschen im Unternehmen aufzeigen, wo es lang geht.“

Wachsen will Siemens in Zukunft vor allem im Öl- und Gasgeschäft, und das in Nordamerika. Der Boom beim Schiefergas, so das Kalkül in München, eröffne gigantische Möglichkeiten. Darum wird das Energiegeschäft bei Siemens künftig von Orlando in Florida aus gesteuert. Verantwortlich sein wird Lisa Davis, eine ehemalige Shell-Managerin. Michael Süß, der im Vorstand bisher das Energiegeschäft steuerte, muss seinen Posten räumen. Ihm wirft Kaeser vor, das Geschäft mit kleinen Turbinen zu lange vernachlässigt zu haben. Klein – und nicht groß heißt die neue Marschrichtung.

Das Tauziehen um Alstom

Für Stirnrunzeln sorgte zunächst Kaesers Idee, die hoch profitable Medizintechnik in eine eigene Gesellschaft auszugliedern. Nicht einmal einen Börsengang der Sparte schließt der Siemens-Chef aus. Doch Kaeser glaubt, dass sich die Parameter, die das Geschäft mit Labordiagnostik und medizinischen Geräten bestimmen, in den kommenden Jahren radikal ändern werden. Künftig dürften Bio- und Gentechnologie in diesem Bereich eine viel größere Rolle spielen. Um unter solchen Bedingungen noch angemessen reagieren zu können, brauche die Sparte mehr Freiheit und Selbstständigkeit.

Kaeser reagiert schneller als Löscher

Kaeser hat in seinen ersten zwölf Monaten aber auch bewiesen, dass er schnell reagieren kann. Anders als sein Vorgänger Löscher, der oft ein wenig lethargisch, ja phlegmatisch wirkte. Als bekannt wurde, dass der große Rivale General Electric (GE) ein Übernahmeangebot für den angeschlagenen Alstom-Konzern vorbereitete, dauerte es kaum 48 Stunden, bis Kaeser für Siemens den Hut in den Ring warf und damit begann, ein Gegenangebot vorzubereiten.

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Sicher, Kaeser wusste, dass eine Komplettübernahme von Alstom – zu einem Zeitpunkt, an dem Siemens sich in einem tief greifenden Umbruch befindet – einem Himmelfahrtskommando gleich käme. Doch er reagierte auf die GE-Attacke und schaute nicht tatenlos zu. Und der Schachzug, Mitsubishi Heavy Industries mit ins Boot zu holen, erwies sich als nicht so ungeschickt. Doch egal ob mit oder ohne Alstom, das Geschäft in der Energiesparte wird schwieriger: „Während wir in den meisten Bereichen gute Fortschritte erzielt haben, steht der Sektor Energy vor anhaltenden Herausforderungen“, erklärte Kaeser bei der Vorstellung der Quartalszahlen. Wäre Kaeser am Ende zum Zuge gekommen, hätte er genau das bekommen, was er von Anfang an wollte: das lukrative Geschäft mit den Gasturbinen. Zukäufe schließt Kaeser für die Zukunft nicht aus. „Auf Gladiatorenkämpfe“, so der Siemens-Chef, will er sich aber nicht einlassen.

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