Jahresbilanz von ThyssenKrupp Hiesingers Kulturwandel zahlt sich aus

Nach drei schwierigen Verlustjahren ist ThyssenKrupp zurück in der Gewinnzone. Das ist der Verdienst von Konzernchef Heinrich Hiesinger – doch die Wende ist noch nicht vollzogen.

Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender von ThyssenKrupp, bei der Bilanzpressekonferenz in der Konzernzentrale in Essen. Quelle: dpa

Bislang war Heinrich Hiesingers Bilanz bei ThyssenKrupp tiefrot: Seit 2011 steht der 54 Jahre alte Schwabe an der Spitze des deutschen Industriekonzerns. Alle Jahresergebnisse, die er präsentierte, wiesen schwere Verluste aus.

Doch die tiefste Krise der gut 200-jährigen Geschichte von ThyssenKrupp wird Hiesinger nicht angelastet. Die Fehlinvestitionen in Übersee hatte nicht der aktuelle Vorstandschef, sondern sein Vorgänger Ekkehard Schulz zu verantworten. Die Kosten für die Stahlwerke in Brasilien und den USA waren unter Schulz nach Pleiten, Pech und Pannen auf über zwölf Milliarden Euro explodiert.

Nachdem sich Thyssen über Jahre immer tiefer in die Krise manövriert hatte, brauchte auch Hiesinger Jahre, um den Industrieriesen wieder auf Kurs zu bringen. Die Geduld und Beharrlichkeit zahlen sich jetzt aus: Zum ersten Mal seit drei Jahren konnte ThyssenKrupp einen Nettoüberschuss von 210 Millionen Euro verbuchen. 

„Ich freue mich, dass wir heute zur Normalität zurückkehren können. Wir haben bewiesen, dass wir auf unserem Weg der strategischen Weiterentwicklung zu einem leistungsfähigen und profitablen Industriekonzern vorankommen“, sagte Hiesinger bei der Vorstellung der Jahreszahlen am Donnerstag. „Unsere Bilanz ist noch nicht schön. Dennoch markiert das Geschäftsjahr 2013/2014 einen Meilenstein in unserer Ergebnisentwicklung.“ 

Rückstellungen verhindern höheren Gewinn

Dabei hätte das Ergebnis noch etwas höher ausfallen können, hätte der Konzern nicht im vierten Quartal Rückstellungen für mögliche Rechtsrisiken und Restrukturierungen verbucht.

Doch der Unternehmenschef betonte auch, dass der Konzern die Wende noch nicht geschafft habe. Dazu sei neben einem Jahresüberschuss auch wieder ein gesicherter positiver Free Cash-Flow vor Desinvestition nötig. Trotz des momentan negativen Mittelflusses (minus 254 Millionen Euro) will ThyssenKrupp seinen Aktionären wieder eine Dividende auszahlen, wenn auch nur elf Cent pro Aktie.

Schaufelräder, Zementwerke und U-Boote
Künftig soll das reine Stahlgeschäft wie etwa die Produktion von veredelten Blechen für die Automobilindustrie nur noch 30 Prozent des Konzern-Geschäfts ausmachen. Dennoch bleiben Blechrollen wie diese ein Kernprodukt. Quelle: PR
Rolltreppen und Fahrsteige – etwa in Flughafen-Terminals – gehören ebenfalls zum ThyssenKrupp-Produktspektrum. Dieses Foto ist in einem Essener Einkaufszentrum aufgenommen worden. Quelle: PR
Allen Negativ-Schlagzeilen zum Konzern trotzt das Aufzuggeschäft von ThyssenKrupp. Vor allem starke Absatzzuwächse in Asien erfreuen das Unternehmen. Das Bild zeigt ein System mit zwei Kabinen in einem Aufzugschacht beim Einbau in der Essener Konzernzentrale Anfang 2010. Quelle: PR
Für die Automobilindustrie bietet ThyssenKrupp auch den Aufbau von Anlagen, die etwa automatisch Fahrwerke oder andere Komponenten einbauen. Quelle: PR
ThyssenKrupp setzt vermehrt auf Planung und Bau ganzer Chemie- und Industrieanlagen. Im Bild ein Zementklinkerwerk im Senegal. Quelle: PR
Dieses Schaufelradladgeärt steht im Hafen von Rotterdam und wird zur Verladung von Eisenerz eingesetzt. Geliefert wurde es von der ThyssenKrupp-Sparte „Plant Technology“. Quelle: PR
Großwälzlager von ThyssenKrupp kommen etwa in Kränen zum Einsatz, die schwere Lasten bewegen. Quelle: PR
Das umstrittene US-Werk, das ThyssenKrupp inzwischen verkauft hat, stellt aus sogenanntem Warmband feines Blech, etwa für die Autoindustrie her. Quelle: PR
Der Handelsschiffbau – hier in Kiel bei HDW – gehört nicht mehr zum Thyssen-Krupp-Konzern. Im Jahr 2009 war der Abschied von der Sparte verkündet worden – jetzt baut ThyssenKrupp nur noch Marine-Schiffe. Quelle: PR
Die U-Boot-Werft der schwedischen Tochter Kockums hat der Essener Mischkonzern inzwischen an den Rüstungskonzern Saab verkauft. Weiter betriebt der Konzern die Tochter ThyssenKrupp Marine Systems GmbH (TKMS), die Marineschiffe baut. Quelle: PR
Ein Blick in die Historie: Das Bild zeigt den Bau eines Magnetschwebezugs Typ „Transrapid“ im Jahr 2002 im Kasseler Werk des Konzerns. Das einstige Vorzeigeprojekt ist nur einmal kommerziell zum Einsatz gekommen – bei der Verbindung des Flughafens von Shanghai mit der Stadt. Quelle: PR
Die „Dicke Bertha“ wurde von Krupp entwickelt – hier ein Modell. Die Kanone kam im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz. Quelle: PR
Die Darstellung aus dem Firmenarchiv zeigte eine hydraulische 5000-Tonnen-Schmiedepresse in der Krupp-Fabrik in Essen. Quelle: PR
Wenn der sprichwörtliche „Dampfhammer“ kreist, geht es heiß her. Dieser tatsächliche Dampfhammer „Fritz“ galt in den 1860er-Jahren als technologischer Durchbruch. Die von Alfred Krupp entwickelte Maschine wurde zum Schmieden großer Gussstahlteile benutzt und blieb 50 Jahre im Dienst. Quelle: PR

„Natürlich ist das nicht auf dem Niveau, mit dem wir uns dauerhaft zufriedengeben werden“, sagte Hiesinger. „Aber es ist ein Signal an unsere Aktionäre, dass wir einen Wendepunkt in der Ergebnisentwicklung erreicht haben, und dass wir an die künftigen Ergebnisse glauben.“ Der Konzern hatte zuletzt im Geschäftsjahr 2010/2011 eine Dividende von 45 Cent pro Anteilsschein ausgeschüttet, seitdem gingen die Aktionäre leer aus.

Um wieder in diese Größenordnung zu kommen, muss Hiesinger das Ergebnis noch weiter steigern. Zwar konnte der Konzern den operativen Gewinn auf 1,3 Milliarden Euro mehr als verdoppeln, in den kommenden Jahren soll diese Kenngröße aber „mindestens“ auf zwei Milliarden Euro steigen. „Das ist das Ergebnis, das wir brauchen, um Pensionen, Zinsen, Steuern und eine höhere Dividende zu zahlen und gleichzeitig in Wachstum zu investieren“, sagte der Vorstandschef.

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