Jahrestag des neuen Hochtief-Chefs Deutsche Belegschaft halbiert

Vor einem Jahr sorgte ein Chefwechsel bei für Aufsehen: Nach der Machtübernahme durch ACS trat ein Manager aus den Reihen des spanischen Großaktionärs seinen Dienst in Essen an.

Die größten Baukonzerne Europas
Bauarbeiter arbeiten auf einem Gerüst Quelle: AP
Bauarbeiter arbeiten auf einer Baustelle des Konzerns Strabag Quelle: dpa
Platz 8: COLAS SADer französische Konzern hat sich auf Straßen- und Schienenbau spezialisiert. Der Name des Konzerns, für den 73.600 Menschen arbeiten, setzt sich aus den englischen Wörtern "cold" und "asphalt" zusammen. Umsatz 2012: 13 Milliarden Euro Quelle: dpa
Baukräne unter grauem Himmel Quelle: AP
Ein Bauarbeiter erhitzt auf einer Baustelle Rohre Quelle: APN
Bauarbeiter in einem neu gebauten U-Bahn-Schacht Quelle: dpa/dpaweb
Ein Arbeiter des Bauunternehmens Hochtief weist einen Container ein Quelle: dpa

Den Aktienkurs fast verdoppelt und kurz vorm Jahrestag noch ein „Bekenntnis zum Heimatmarkt Deutschland“ abgelegt - der spanische Hochtief-Chef Marcelino Fernández Verdes kann mit dem ersten Jahr seiner Amtszeit zufrieden sein. Am liebsten würde er für immer an der Spitze des Essener Baukonzerns bleiben, bekannte der langjährige Manager des spanischen Hochtief-Großaktionärs ACS in einem Interview mit der Mitarbeiterzeitschrift „Concepts“.
Für die noch rund 5000 deutschen Beschäftigten dürfte die Bilanz unter der Regie des 58-Jährigen dagegen eher zwiespältig ausfallen. „Ich glaube, dass es noch arg brodelt unter der Decke“, ist sich Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sicher.
Dem spektakulären Machtwechsel an der Hochtief-Spitze war eine erbittert geführte Übernahmeschlacht vorausgegangen, bei der der spanische Großaktionär ACS die Oberhand behalten hatte. Am 20. November 2012 hatte schließlich der damalige Konzernchef Frank Stieler seinen Stuhl mit sofortiger Wirkung für Fernández Verdes räumen müssen. Zahlreiche weitere Manager mussten ebenfalls in der Folge ihren Hut nehmen.
Heute kontrolliert ACS - auch mit Hilfe eines Pakets von neun Prozent eigenen Aktien des Unternehmens - die Mehrheit bei Hochtief. Fernández Verdes hatte vor kurzem angekündigt, er wolle das von dem Unternehmen selbst gehaltene Aktienpaket auf zehn Prozent weiter aufstocken.

Fernández' Bilanz nach einem Jahr im Amt

Von den Ende vergangenen Jahres mehr als 10 000 deutschen Beschäftigten des Essener Traditionskonzerns ist nach Verkäufen unter anderem der Servicesparte und des Flughafengeschäfts derzeit nur noch etwa die Hälfte an Bord. Und davon sind schätzungsweise noch rund 1000 in einer der noch zum Verkauf stehenden Konzerngesellschaften beschäftigt. Offiziell stehen auf der Verkaufsliste noch die Projektentwicklung, die Immobilientochter aurelis, das Property Management, die Streif Baulogistik und der Baudienstleister format.
Umso härter dürfte der für das Europageschäft angekündigte Personalabbau die verbleibenden Mitarbeiter treffen. Unternehmensnahen Kreisen zufolge könnten bis zu 1000 Beschäftigte in Deutschland betroffen sein - das könnte jeder Vierte in den nicht zum Verkauf stehenden Konzernteilen sein. Einzelheiten will der Konzernchef erst zum Jahresende bekanntgeben. Betriebsbedingte Kündigungen sollen nach Möglichkeit vermieden werden.
Von den weltweit rund 80 000 Hochtief-Mitarbeitern ist ohnehin nur noch ein kleiner Teil in Deutschland beschäftigt. Rund 93 Prozent seiner Leistung erbringt der deutsche Traditionskonzern mittlerweile im Ausland. „Für ein globales Unternehmen wie Hochtief sind 93 Prozent Auslandsanteil ganz in Ordnung“, stellt der neue Chef fest.

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Vor diesem Hintergrund könnte auch der von Fernández Verdes bei seinem Bekenntnis in Aussicht gestellte Verbleib von Hochtief in Deutschland eine „ganz dünne Nummer“ werden, meint Tüngler. „In Deutschland wird nicht viel übrig bleiben“, sagt Analyst Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe. Auf Einzelheiten zu seinem Bekenntnis zum „Heimatmarkt Deutschland“ hatte der Hochtief-Chef bislang verzichtet.
Auch über den künftige Kurs des größten deutschen Baukonzerns gibt es nach zahlreichen Verkäufen noch Rätselraten. „Alle warten auf den großen strategischen Wurf“, sagt Tüngler. „Er kann Erfolge nachweisen, aber ob sie nachhaltig das Ergebnis verbessern, ist fraglich“, meint Gabriel.
Neben einer Steigerung der Profitabilität hatte der Hochtief-Chef bislang eine Rückkehr zu den Wurzeln des Konzerns im Baugeschäft angekündigt. „Nach dem Umbau des Europa-Geschäfts bleibt ein riskantes Baugeschäft, in dem Hochtief wachsen will, aber das wenig Erträge bringt“, so Analyst Gabriel.

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