Joint Venture mit Tata Thyssenkrupp will Nachschlag bei Stahlfusion

Thyssenkrupp streitet um Stahl-Joint Venture mit Tata. Quelle: dpa

Vor dem Zusammenschluss der Stahlgeschäfte von Thyssenkrupp und Tata Steel gibt es weiter Zoff um die Bewertung der beiden Teile. Eine Entscheidung soll noch im Juni fallen.

Bei den Verhandlungen für eine Stahlfusion mit Tata verlangt Thyssenkrupp laut einem Medienbericht in letzter Minute einen Nachschlag. Im Raum stehe ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag, berichtete das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Finanzkreise. Hintergrund sei die unterschiedliche Entwicklung der Unternehmen, die dazu geführt habe, dass der Wert der Thyssenkrupp-Stahlsparte entgegen der ursprünglichen Vereinbarung deutlich gestiegen sei. Zuvor hatten mehrere Investoren und der Betriebsrat eine Neubewertung gefordert. Ein Konzernsprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Theoretisch möglich, aber nicht wahrscheinlich sei eine Verschiebung der Anteilsstruktur. Geplant ist bislang ein 50:50-Joint Venture, mit dem Thyssen das Stahlgeschäft entkonsolidieren könnte. "Eine Veränderung dieser Struktur liegt nicht auf dem Tisch", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Infrage käme, dass Tata weniger Schulden auf das Joint Venture abwälze, sagten zwei Insider. Möglich sei auch eine Barzahlung von Tata an Thyssenkrupp. Eine weitere Option sei, dass Thyssen mehr Schulden oder Pensionsverpflichtungen in das Gemeinschaftsunternehmen einbringe. Letztlich könne es auch eine Mischung aus mehreren Varianten geben.

Bei den Arbeitnehmervertretern würde eine höhere Schuldenlast für das Stahl-Joint Venture allerdings auf Widerstand stoßen. "Das ist inakzeptabel", sagte einer von ihnen Reuters. Schon jetzt sollen dem neuen Unternehmen Schulden in Höhe von über sechs Milliarden Euro aufgebürdet werden - vier Milliarden von Thyssen und 2,5 Milliarden von Tata. Die IG Metall und Arbeitnehmervertreter hatten deshalb Zweifel an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Unternehmens angemeldet.

Am Zeitplan für die Fusion will Thyssenkrupp nicht rütteln. „Wir halten am kommunizierten Zeitplan fest und haben die Absicht, noch im Juni zu einer abschließenden Entscheidung zum Joint Venture zu gelangen“, sagte ein Sprecher nach einer Sitzung des Aufsichtsrats am Mittwochabend.

Zuletzt entwickelte sich die Stahlsparte von Thyssenkrupp besser, während jene von Tata schwächelte. Durch das Gemeinschaftsunternehmen, an dem beide Konzerne mit je 50 Prozent beteiligt sein sollen, will Thyssenkrupp seine Abhängigkeit von der schwankungsanfälligen Stahlsparte reduzieren, um anschließend den Konzern neu ausrichten zu können.

Im Zuge der Stahlfusion sei ein neues Sparprogramm geplant, das vor allem die knapp 4000 Mitarbeiter der Dachgesellschaft treffen werde, berichtete die Zeitung. Ohne die Stahlsparte könne die Holding „entschlackt“ werden, hieß es. Der Umfang der möglichen Einschnitte stehe aber noch nicht fest.

Bei dem geplanten Umbau stehe auch die Trennung vom wenig profitablen Handelsgeschäft von Thyssen im Raum. Kernstück der Strategie bleibe jedoch weiter die Bildung eines Technologiekonzerns mit den Sparten Autokomponenten, Fabriken und Aufzüge. Neben höheren Investitionen seien auch Zukäufe denkbar, berichtete die Zeitung. Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte angekündigt, die neue Strategie nach der Unterzeichnung der Verträge für die Stahlfusion vorlegen zu wollen.

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