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Kali-Konzern Grubenunglück komplettiert Horrorjahr für K+S

Drei Bergleute des Kasseler Rohstoffkonzerns K+S starben bei einem Grubenunglück in Thüringen. K+S geht schweren Zeiten entgegen. Der Abbau von Kali ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein technologisches Risiko.

Kerzen und Blumen liegen vor der Einfahrt der Kali-Grube der K+S Kali GmbH in Unterbreizbach. Bei einem Grubenunglück sind drei Menschen ums Leben gekommen. Quelle: dpa

Nichts deutete auf die Gefahr hin. Reine Routine, so schien es. Um den wertvollen Rohstoff Kali, der über der Erde vor allem für Düngemittel gebraucht wird, aus dem Gestein zu lösen, ließen es die Bergleute knallen und lösten die Sprengung in 900 Meter Tiefe aus. Doch diesmal geriet die Routine außer Kontrolle. Das im Gestein enthaltene Gas explodierte, löste ein Druckwelle aus. Eine große Menge Kohlendioxid trat aus, über Tage bildete sich eine riesige Rauchwolke. Drei Bergleute starben, vier weitere konnten entkommen.

Wie genau es zu dem Unglück im Bergwerk Unterbreizbach (Thüringen) kam, ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, Experten vom Bergamt sind vor Ort. Sicher ist schon jetzt: Der Abbau von Kali birgt ein technologisches Risiko.

Diese Maßnahmen sollen die Unfallgefahr im Bergbau verringern

In den vergangenen Wochen war vor allem von den wirtschaftlichen Risiken der Förderung unter Tage die Rede. Nachdem der russische Konkurrent Uralkali im August den Ausstieg aus einem russisch-weißrussischen Kalikartell erklärte und sein Angebot ausweiten will, drohen die Kalipreise unter Druck zu geraten. Statt 400 Dollar pro Tonne könnte der Preis auf 300 Dollar oder tiefer fallen.

Wohin die Reise geht, wird sich bald zeigen – jetzt, im Herbst stehen die Preisverhandlungen der Kalianbieter mit chinesischen und indischen Abnehmern an. Wenn es zu dem befürchteten Preisverfall kommt, sind viele Minen von K+S nicht mehr profitabel. Denn die Kasseler zählen zu den Kali-Anbietern mit den höchsten Produktionskosten, etwa 280 Dollar die Tonne, und sind auf hohe Preise angewiesen. Die K+S-Aktie hat bereits deutlich verloren; kurzfristig schien auch der Rauswurf aus der höchsten deutschen Börsenliga, dem Dax, möglich.

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Die vergangenen Monate müssen für K+S-Chef Norbert Steiner ein ziemlicher Horror gewesen sein. Jetzt, nach dem tragischen Grubenunglück, zeigt sich: Es gibt nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein technologisches Risiko.   Einige Analysten spekulierten nach dem drohenden Preisdesaster schon einmal darüber, dass K+S die Kali-Produktion über kurz oder lang einstellen wird. Soweit ist es freilich noch nicht.

Die K+S-Aktie bleibt aber weiterhin ein Risikoinvestment. Und vieles spricht dafür, dass sich die Kalipreise in Zukunft dauerhaft eher nach unten orientieren. Ein Trost bleibt K+S freilich, falls das Unternehmen die Kaliförderung irgendwann mal für unwirtschaftlich erklärt. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten verfügen die Kassler noch über ein zweites Standbein – die Förderung von Salz.

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