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Kali-Krieg in Osteuropa Riskantes Manöver endet im Knast

Weißrusslands Behörden haben den Chef von Uralkali festnehmen lassen, den größten Kali-Förderer der Welt. Damit eskaliert in der Düngemittelbranche ein Wettlauf um Größe – mit Folgen auch für Deutschland.

Wladislaw Baumgertner, Chef von Uralkali, kündigte das Kali-Kartell mit Weißrusslands Düngemittelkonzern Belaruskali. Wegen Amtsmissbrauch wurde er festgenommen. Quelle: AP

Der letzte Versuch, den Krieg zu verhindern, scheiterte am späten Montagabend in Minsk. Dort hatte Wladislaw Baumgerter, Chef des Moskauer Kali-Weltmarktführers Uralkali, mit Weißrusslands Ministerpräsident Michail Mjasnikowitsch verhandelt. Der Russe sollte doch bitteschön am Kali-Kartell mit dem weißrussischen Partner Belaruskali festhalten, auf dass die Preise hoch bleiben. Der aber stellte sich stur – und vor dem Rückflug nach Moskau klickten am Flughafen die Handschellen.

Seit Montagabend sitzt Baumgertner also in Weißrussland hinter Gittern. Die Behörden des autoritär geführten Kontrollstaats werfen dem eloquenten Top-Manager Machtmissbrauch und Betrug im Umfang von 100 Millionen Dollar vor. Er habe dem „weißrussischen Staat schweren Schaden zugefügt“, heißt es. Uralkali-Aufsichtsratschef Alexander Woloschin und Russlands Vize-Premier Igor Schuwalow fordern die sofortige Freilassung und fahren schwere diplomatische Geschütze auf.

Zahlen und Fakten zu Russland

Der Kali-Krieg brach ohne Vorwarnung aus. Denn eigentlich war die Kooperation zwischen Belaruskali und Uralkali äußerst gewinnbringend – nicht nur für Osteuropas Branchenriesen, sondern auch für den deutschen Wettbewerber K+S. Mit dem 2011 gegründeten Handelskonsortium BPC („Belarus Potash Corporation“) kontrollierten die Unternehmen 43 Prozent des Weltmarkts. In Nordamerika existiert mit „Canpotex“ ein ähnliches Konsortium, sodass die Kali-Kartelle in Ost und West auf einen Weltmarktanteil von 70 Prozent kamen – und den globalen Kalipreis künstlich hoch halten konnten. Von einem Preis über 400 Dollar pro Tonnage profitierte auch der deutsche Branchenteilnehmer K+S, im Dax zeitweise Börsenliebling.

Wie Analysten die K+S-Aktie bewerteten

Als Baumgertner Ende Juli den Ausstieg aus dem BPC-Konsortium ankündigte, brach die sorgsam konstruierte Kali-Welt wie ein Kartenhaus zusammen – denn damit beendete der Russe auf eigene Faust und ohne Vorspiel das globale Kartell. An Börsenplätzen rund um den Globus purzelten die Kurse, K+S etwa verlor an einem Tag ein Fünftel seines Börsenwerts, rund 1,5 Milliarden Euro. Mehr als die marktwirtschaftlich arbeitenden Kali-Konzerne muss indes Weißrusslands Diktator Alexander Lukaschenko geschäumt haben. In seinem Land ist Belaruskali einer der größten Steuerzahler – und eines der profitabelsten Unternehmen.

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