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Kali-Krieg in Osteuropa Riskantes Manöver endet im Knast

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Rückgang des Kali-Preises um 25 Prozent erwartet

Putins beste Sprüche
Putins beste Sprüche„Ich weiß nicht, womit sie heizen wollen. Atom wollen sie nicht, Gas wollen sie nicht. Wollen sie wieder mit Holz heizen?“ Putin über die Energiedebatte in Deutschland, November 2010
„Wir werden unser Volk nicht vergiften.“   Zum Importverbot für EU-Gemüse wegen Ehec, 11.6.2011
„Wo man nicht zusammen kommen kann, bekommt man den Knüppel auf die Rübe“    Zum Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten, 6.9.2010.
„Wer das getan hat, wird den Preis dafür bezahlen und im Suff oder Drogenkonsum enden“ Über den Verrat russischer Spione in den USA, 2.8.2010.
„Ich habe vielleicht in der Universität nicht das allermeiste gelernt, weil ich in der Freizeit viel Bier getrunken habe. Aber einiges habe ich doch behalten, weil wir sehr gute Dozenten hatten.“ Über sein Studium, Mai 2005.
„Die Russen kommen hier nicht mit Kalaschnikow und mit Panzern her, sondern Russland bringt das Geld mit.“ Zu Investitionen russischer Unternehmen in Deutschland, Oktober 2006.
„Niemand will, dass die G8 zu einer Ansammlung fetter Kater wird.“ Über die Rolle Russlands in der Gruppe der führenden Industrienationen, Januar 2006.

Das Ende des Kartells ist für Minsk ein Desaster. Branchenexperten, darunter Baumgertner selbst, erwarten einen Rückgang der Kali-Preise um 25 Prozent. Ökonom Robert Kirchner, der die Regierung in Minsk als Teil des German Economic Team Belarus berät, rechnet mit einem Einbruch der Exporteinnahmen um 700 Millionen Dollar pro Jahr. Damit würde das Leistungsbilanzdefizit von 7,1 Prozent auf 8,1 Prozent steigen, was den Abwertungsdruck in der chronisch klammen Staatswirtschaft weiter steigen würde. Immerhin steuerte allein Belaruskali in Zeiten hoher Kali-Preise bis zu zehn Prozent der gesamten Exporterlöse des Landes bei.

Für Uralkali stellt sich die Lage völlig anders dar: Der Konzern sitzt in Beresniki nördlich von Perm am Uralgebirge auf gewaltigen Kali-Vorkommen; die Förderkapazität lässt sich beliebig erweitern, dank der guten Drähte zur lokalen Regierung sind Explorationslizenzen nur eine formale Sache. Seit der Übernahme des Lokalrivalen Silvinit in 2011 ist Uralkali – Teil des Imperiums von Oligarch Suleiman Karimow – der Monopolist in Russland.

Uralkali kann also über die Kapazität wachsen statt nur über den Preis – und das ist genau das, was Wladislaw Baumgertner vorhat. Diesem Ziel dienten bereits die wiederholten Versuche, den Partner Belaruskali zu übernehmen. Letzteres scheiterte stets an den Wucherpreisen des weißrussischen Staats, der den Kaufpreis des Staatskonzerns bei absurden 30 Milliarden Dollar ansetzte.

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    Mit der Aufkündigung des Kali-Kartells pokert Baumgertner hoch: Er geht davon aus, dass er die Verluste durch Preissenkungen infolge der Kartell-Auflösung kompensieren kann, indem er mehr Masse auf den Markt spült. Das schafft zugleich mehr Beschäftigung, was ihm die Unterstützung des russischen Präsidenten Wladimir Putin sichert. Hinzu kommt, dass ein dauerhaft niedriger Kali-Preis die Wahrscheinlichkeit senkt, dass neue Wettbewerber aus China oder Kanada auf den Markt drängen. Dadurch bleibt der Markt oligopolistisch beherrschbar.

    Belaruskali kann die Kapazitäten kaum erhöhen, schon gar nicht über Nacht – und wohl aus Trotz griff Autokrat Alexander Lukaschenko nun zu einer Holzhammermethode und ließ den Uralkali-CEO verhaften. Ein Ende des Wirtschaftskrimis ist nicht in Sicht, denn Belaruskali ist für das kriselnde Weißrussland ein dermaßen wichtiger Devisenbringer, dass Minsk kaum klein beigeben wird. Jetzt drohen Wladislaw Baumgertner bis zu zehn Jahre Haft – und nicht einmal den russischen Botschafter lassen die Weißrussen zu ihrem früheren Geschäftspartner vor.

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