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Kampf um Fleischkonzern Clemens Tönnies entlässt seine Anwälte

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Dramatische Zuspitzung im Kampf um den größten deutschen Fleischkonzern: Clemens Tönnies schmeißt seine Kanzlei Hengeler Mueller raus - vier Wochen vor Beginn des entscheidenden Prozesses.

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Knapp vier Wochen vor dem Beginn des entscheidenden Prozesses, bei dem Clemens Tönnies und sein Neffe Robert Tönnies um die Macht im gleichnamigen, größten deutschen Fleischkonzern kämpfen, wechselt Clemens Tönnies seine Anwälte aus.

Bisher hatte der Firmenchef, der breiten Öffentlichkeit besser bekannt als Boss des Fußballbundesligisten Schalke 04, auf die Dienste der renommierten Kanzlei Hengeler Mueller in Düsseldorf vertraut. Mandatiert waren dort die beiden Partner Matthias Blaum und Michael Hoffmann-Becking.

Nun soll laut Informationen der WirtschaftsWoche die Frankfurter Kanzlei Noerr übernehmen. In den vertrackten Fall wird sich vor allem der Münchner Noerr-Partner Tobias Bürgers einarbeiten. Während Hengeler Mueller den Wechsel nicht kommentieren wollte, bestätigte ein Sprecher von Clemens Tönnies und sagte: „Das ist ein ganz normaler und lange vorbereiteter Schritt. Die Kanzleien haben über einen längerer Zeitraumoffen und sehr sauber zusammen gearbeitet. Jetzt, vor Prozessbeginn, kam es zu einer entsprechenden Information gegenüber der anwaltschaftlichen Vertretung der Gegenseite.“ Von der Kanzlei Noerr war keine Stellungnahme zu bekommen.

Hengeler Mueller hatte Ende Mai schon den Prozess um das doppelte Stimmrecht von Clemens Tönnies verloren, dass im 5,6 Milliarden Euro umsatzschweren Fleischkonzern besonders wichtig ist, da beide Seiten – Robert und Clemens Tönnies – je 50 Prozent der Anteile halten.

Sein doppeltes Stimmrecht stützte Clemens Tönnies im Wesentlichen auf einen Vertrag vom 24. Dezember 2002, den damals der Notar Horst-Dieter Swienty aus Rheda-Wiedenbrück beurkundet hatte. Dieser Vertrag bezog sich jedoch nur auf eine Konzerntochter, nicht aber auf die Tönnies-Holding.

Swienty, der vor Gericht als Zeuge geladen war, hatte dort von einem Fehler gesprochen. „Ich habe das doppelte Stimmrecht fälschlicherweise bei der Tochter eingefügt. Allen Beteiligten war aber klar, dass die Holding gemeint war“, sagte der Notar im Prozess aus. Der Vorsitzende Richter am Landgericht Bielefeld war jedoch anderer Meinung und kippte das doppelte Stimmrecht.

Am Landgericht Bielefeld läuft derweil noch ein weiteres, weitaus brisanteres Verfahren, mit dem Robert Tönnies sich die Mehrheit bei Tönnies zurückholen will. Er und sein Bruder Clemens junior hatten ihrem Onkel 2008 je fünf Prozent der Anteile an der Firma geschenkt.

Wegen groben Undanks will Robert im nächsten Schritt erreichen, dass die Schenkung rückgängig gemacht wird. Der Auftakt des Prozesses war für den 10. November 2014 vorgesehen. Daran wird sich laut Informationen aus dem Umfeld des Konzerns auch durch den Wechsel nichts verändern. Verliert Clemens Tönnies auch diesen Prozess, wird er zum Minderheitsgesellschafter und verliert die Macht im Konzern.

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Robert Tönnies hatte sich im Familienstreit zunächst von Bertram Schacker aus dem Bielefelder Büro der Kanzlei Streibörger & Speckmann beraten lassen, war dann aber 2011 zu der Stuttgarter Kanzlei Binz & Partner gewechselt. Mark Binz ist bekannt für seine Expertise bei der Vertretung von Familiengesellschaftern in Auseinandersetzungen.

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