Kandidaten-König Wolfgang Reitzles große Chance

Der Linde-Chef feiert auf der Hauptversammlung einen großen Triumph. Nach der Schwächung seines alten Rivalen Gerhard Cromme gilt er in der deutschen Industrie wieder als Kandidaten-König.

Top-Manager wie Wolfgang Reitzle sind rar gesät. Quelle: dpa

Der 64-jährige Diplomingenieur und frühere Automobilmanager Wolfgang Reitzle hat ein Problem: Er ist voll im Saft, schlagfertig wie selten, erfolgreich mit Linde und als Krisenmanager bei Continental in Hannover gewaltig im Geschirr. Und wo ist das Problem? Er soll bei Linde im nächsten Jahr abtreten, weil Aufsichtsratschef Manfred Schneider es so will. Reitzle hat die Altersgrenze im nächsten Jahr erreicht und Aufsichtsratschef soll er auch nicht werden, weil ein nahtloser Wechsel vom Vorstandschef zum Chefkontrolleur nach deutschen Corporate-Goverance-Regeln, die Vorschriften guter Unternehmensführung, nicht erwünscht ist. Damit wird die Leistungskurve eines Mannes gekappt, die jetzt eigentlich erst richtig in die Höhe geht.

Zehn Unternehmen, die 2013 große Sprünge machen
Mit den Baggern und Geräten von Sany wird Asiens neuer Wohlstand gebaut: Der größte chinesische Hersteller von Baumaschinen ist zugleich die Nummer sechs weltweit. 2011 erzielte das Unternehmen Umsätzen von 12,6 Milliarden Dollar. 2012 kaufte Sany den deutschen Traditionshersteller Putzmeister ins Portfolio - und damit auch dessen Know-how. Quelle: REUTERS
Die malaysische Fluglinie hat sich als Pionier im Billig-Segment etabliert. Dieses Konzept wird konsequent weitergeführt, nirgendwo weltweit sind die Kosten laut Boston Consulting pro Sitzplatz niedriger. 1,4 Milliarden Dollar Umsatz verzeichnete Air-Asia 2011. Im vergangenen Jahr ging eine Order an Flugzeugbauer Airbus – 375 Maschinen sollen das Wachstum ankurbeln. Quelle: dpa
In der Vergangenheit ist Petro-China kräftig auf Shoppingtour gegangen: So kaufte es als größtes Öl-Unternehmen in staatlichem Besitz Anteile an der Ineos Group, sowie gemeinsam mit Shell Teile von Arrow Energy im Wert von drei Milliarden Dollar. Der Jahresumsatz liegt heute bereits bei 313,3 Milliarden Dollar – ein kräftiger Anstieg ist nach Einschätzung der Boston Consulting Group-Experten sehr wahrscheinlich. Quelle: dpa
Mit Hygieneartikeln hat der Inder Adi Godrej sein Unternehmen groß gemacht, dessen Gründer und Namensgeber er ist. In 75 Ländern werden Produkte der Godrej Group verkauft – Schwerpunkte sind Indien und Lateinamerika. Quelle: dpa
Vimpelcom wurde in Russland gegründet und macht dort auch den größten Umsatz (40 Prozent) – der Firmensitz des Mobilfunkunternehmens aber liegt in Amsterdam. Im letzten Jahr gab es verschiedene Zukäufe, dazu zählt auch die italienische Wind Telecom, sowie die Anteilsmehrheit an der ägyptischen Orascom Telecomo Holding. Quelle: REUTERS
Mit Gewinnen von 2,8 Milliarden Dollar ist Alibaba das größte E-Commerce-Unternehmen Chinas. Die Strategie: Einerseits eine Ausrichtung auf Privatkunden, andererseits aber auch auf Unternehmen abgestimmte Angebote. So nimmt Alibaba nun deutlich an Fahrt auf. Quelle: Presse
Als Mitglied der Star Alliance orientiert sich Turkish Airlines eher am Premium-Markt. In diesem Zusammenhang unterhält das Unternehmen eine Vielzahl von Kooperationen, von Istanbul werden 91 Ziele angeflogen. Ihre Ambitionen haben die Türken erst kürzlich deutlich gemacht: 2023 will man Weltmarktführer in der Flugbranche sein. Quelle: REUTERS

"Kann die deutsche Industrie auf Reitzle verzichten?", so fragte am Dienstagabend ein hochrangiger Besucher im Düsseldorfer Industrieclub, wo sich Spitzen der deutschen Wirtschaft zu einem Vortrag von E.On-Chef Johannes Teyssen versammelt hatten. Im Publikum wurde auch der frühere ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz gesehen, dem vom Krupp-Stiftungschef die Fehlinvestitionen von zwei Stahlwerken in Übersee in Höhe von zwölf Milliarden Euro angelastet werden. Auch der neue ThyssenKrupp-Vorstandschef Ulrich Lehner, früherer Henkel-Lenker, war dabei und erinnerte allein schon durch seine Anwesenheit daran, dass es nicht lange her ist, dass er den langjährigen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme bei ThyssenKrupp erst im März ersetzt hat. Schulz hat Cromme in den Sog des Missmanagement hineingezogen. Und damit war auch Crommes Nimbus zerstört. Es geht bei Personalien manchmal schneller als man denkt, so die Botschaft der Gästeliste im Industrieclub.

Industriegashersteller Linde vrliert Reitzle

Top-Manager wie Reitzle sind rar gesät, er hat wegen seines oft als eitel wahrgenommenen Auftretens in der Autoindustrie vor zwanzig Jahren bei BMW aber auch bei den Luxusmarken von Ford, Jaguar und Austin Martin, viel Kritik auf sich gezogen. Seit Reitzle bei Linde Vorstandschef ist, hat sich der Traditions-Dax-Konzern grundlegend gewandelt. Die Konzentration auf das Kerngeschäft Industriegase und eine gelungene Großfusion haben nicht nur die Gewinne, sondern auch den Aktienkurs in die Höhe getrieben. Mit dem Zukauf des US-Medizingase-Herstellers Lincare hat Linde von der Größe den Erzrivalen und früheren Welt-Platzhirschen auf dem Gase-Geschäft  Air Liquide überflügelt.

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