Kasper Rorsted im Interview "Henkel ist zwar alt, aber auch modern"

Kasper Rorsted will mit Henkel in Russland trotz der Ukraine-Krise weiter wachsen - und setzt auf Digitalisierung. Privat vermeidet er jedoch Soziale Netzwerke.

Henkel-Chef Kasper Rorsted: ''Virtuelles Führen wird immer wichtiger und ist nicht einfach. Das muss gelernt werden'' Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Rorsted, vor rund einer Woche hat Henkel den US-amerikanischen Klebstoffspezialisten Bergquist mit einem Umsatz von rund 130 Millionen Euro übernommen – die vierte Akquisition binnen weniger Monate. Warum wieder nur etwas Kleines anstelle eines großen Coups?

Wir haben allein im zweiten Quartal 2014 Unternehmen im Gesamtwert von mehr als 1,2 Milliarden Euro übernommen. Und jetzt kommt noch Bergquist hinzu. Das ist aus meiner Sicht eine beträchtliche Größenordnung. Bei Klebstoffen sind wir schon weltweit führend. Da kommt es für uns weniger auf Marktanteil oder Umsatzgröße an.

Über Kasper Rorsted

Sondern?

Mit Bergquist bekommen wir Zugang zu einer Technologie, die uns bisher weitgehend gefehlt hat – vereinfacht: Wärmedämmung durch Klebstoffe. Sie kennen ja das Phänomen, dass Smartphones oder Tablets bei längerem Surfen und Laden heiß werden. Genau dagegen bietet Bergquist Lösungen an und ist auf diesem Gebiet sogar Weltmarktführer. Mit den anderen Zukäufen haben wir unser Kerngeschäft bei Waschmitteln in Europa und im Friseurgeschäft in den USA gestärkt. Natürlich können wir uns vorstellen, in der Zukunft noch deutlich größere Zukäufe zu tätigen. Aber es muss dementsprechend etwas Passendes auf dem Markt sein.

Müssen Sie nicht endlich mal wieder im Kosmetikgeschäft groß zuschlagen, in dem Henkel mit 3,5 Milliarden Euro Umsatz im Vergleich zu L’Oréal oder Beiersdorf mit Nivea recht klein ist.

Was man von uns erwartet, ist, dass wir die Ziele erreichen, die wir uns von 2012 bis 2016 gesteckt haben. Also beispielsweise den Konzernumsatz von heute gut 16 Milliarden auf 20 Milliarden zu steigern und dabei den Gewinn pro Aktie im Schnitt um zehn Prozent pro Jahr zu erhöhen. Als Vorstandsvorsitzender sollte man sehr vorsichtig sein, sein Handeln an den Wünschen Dritter auszurichten, auch wenn das Analysten oder Journalisten sind. Denn die können morgen oder übermorgen ihre Meinung einfach ändern. Aber so kann man kein Unternehmen führen.

Wissenswertes zu Henkel

In Ihrem angesprochenen Vier-Jahres-Plan ist Russland eine der großen Wachstumssäulen und mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz schon heute der viertgrößte Markt für Henkel hinter den USA, Deutschland und China. Soll es mit Blick auf die Ukraine-Krise und die Sanktionen dabei bleiben?

Ja, dabei wird es bleiben. Wir werden immer mit Krisen in unseren Märkten zu tun haben, gerade in den Schwellenländern. Das gilt ja auch für bestimmte Regionen im Nahen und Mittleren Osten. Wir sind seit 1990 in Russland aktiv. Seitdem erleben wir dort die vierte Krise. Mit dem Risiko müssen wir kalkulieren. Wir bauen derzeit die neunte Fabrik in Russland, ein Klebstoffwerk in Novosibirsk, 3000 Kilometer östlich von Moskau. Und es werden ganz bestimmt noch weitere Fabriken hinzukommen.

Sie waren im Juni, ein Vierteljahr nach dem Anschluss der Krim an Russland, in Ihrer Zentrale in Moskau. Wie waren Ihre Eindrücke?

Die Stimmung war schon zu diesem Zeitpunkt eingetrübt. Aber nach meinem Eindruck stand die Bevölkerung hinter Präsident Wladimir Putin. Das ist aber nun auch schon wieder drei Monate her. Ich stehe in ständigem Kontakt mit unserem Management in Russland und der Ukraine. Wir beschäftigen rund 1000 Mitarbeiter in der Ukraine und etwa 2500 in Russland. Die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeiter stehen für uns an erster Stelle. Dann erst schauen wir uns die Auswirkungen auf das Geschäft an.

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