Klaus Kleinfeld Anspielung auf eine WM-Party 2006 kostete Arconic-Chef den Job

Exklusiv

Arconic-Chef Klaus Kleinfeld ist offenbar wegen einer zweideutigen Bemerkung in einem Brief an den Hedgefonds Elliott gestolpert. Es geht um Erinnerungen an eine ausgelassene Feier während der Fußball-WM 2006.

Diese Sätze zerstörten Manager-Karrieren
Paul Singer: „Kleinfeld hat eine einzigartig charismatische Persönlichkeit, er nutzt seine Beziehungen dazu, weiterhin angestellt zu sein“Elliott-Chef Paul Singer hielt den Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld, der 2016 den Metallspezialisten vom Aluminiumkonzern  Alcoa abgespalten hat, schon lange für eine Fehlbesetzung. Seit Anfang 2017 hat der Hedgefonds-Manager alles daran gesetzt, den Deutschen an der Spitze von Arconic loszuwerden. Es herrsche eine hierarchische Kultur im „schicken New Yorker Konzernsitz“, weit weg vom Kunden, was schon bei der Vorgängerfirma Alcoa zu „dramatischer Minderleistung“ geführt habe. Kleinfeld habe eine „einzigartig charismatische Persönlichkeit“, er nutze seine Beziehungen dazu, „weiterhin angestellt zu sein“, stellte er zuletzt fest. Die Schlammschlacht zwischen Singer und Kleinfeld hatte die gesamte Wall Street in den Bann gezogen. Elliott durchkämmte jede Börsenpflichtmitteilung, sprach von Fabrikarbeitern bis zu Aufsichtsräten mit Mitarbeitern von Arconic. Der schwerste Vorwurf: Kleinfeld habe mit dem Geld von Arconic Stimmen von Aktionären gekauft, es soll gar eine Verbindung mit der Schmiergeldaffäre von  Siemens geben, wo Kleinfeld bis 2007 die Geschäfte führte. Quelle: Reuters
Klaus Kleinfeld: „Das erinnert mich an diese Mafia-Filme, wo es heißt: ‚Das ist nicht persönlich gemeint‘“Erst war er Siemens-Chef, dann machte er in den Vereinigten Staaten weiter Karriere: Klaus Kleinfeld (Mitte) gilt als einer der bekanntesten deutschen Manager in den USA. Nun hat er seinen Posten als Vorstandschef und Chairman beim Metallkonzern Arconic aufgegeben. Mit diesem Rücktritt hat sich Hedgefonds-Manager Paul Singer im erbitterten Streit gegen den Manager durchgesetzt. Singers Fonds Elliott Management ist Aktionär bei Arconic – und drängte seit Monaten auf eine Ablösung des ehemaligen Siemens-Mannes. Auf eine Frage nach dem Clinch mit dem Hedgefonds antwortete Kleinfeld Anfang des Jahres auf dem Podium einer New Yorker Finanzkonferenz mit einem Scherz. „Das erinnert mich an diese Mafia-Filme, wo es heißt: ‚Das ist nicht persönlich gemeint.‘“ Fast alle Gäste im Saal lachten. Nur zwei im Publikum verzogen keine Miene: Sie arbeiten für Elliott. Am Ende war der Druck wohl doch zu groß. Kleinfeld kommentiert seinen Rückzug nun wie folgt: „Wir haben eine Menge erreicht. Heute ist Arconic in guter Position für die nächste Phase.“ Nur künftig ohne den Manager aus Deutschland. Quelle: dpa
Paul Achleitner: „Es geht bei diesen Fragen um die Zukunft der Institution Deutsche Bank, nicht um die von Individuen.“Ein Vertrauensbeweis liest sich anders, als das Interview, das der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, kurz vor der Hauptversammlung im Mai 2015 der Wirtschaftswoche gab. Statt sich deutlich hinter die Vorstandsdoppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen zu stellen, ging er auf Distanz. „Niemand ist unersetzbar“, sagt er. Quelle: dpa
Ferdinand Piëch: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn
Berthold Beitz: „Cromme bleibt
Josef Ackermann: „Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen, Persönlichkeit aber kann man nicht lernen.
Metro-Aufsichtsratsmitglied: „Soweit ich das übersehe, gibt es keine Mehrheit mehr für ihn.

Der Chef des US-Industrieunternehmens Arconic, Klaus Kleinfeld, ist offenbar wegen einer zweideutigen Bemerkung in einem Brief an den US-Hedgefonds Elliott Management zu einem Event während der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland gestolpert. Kleinfeld soll in dem Brief den Chef des Fonds, Paul Singer, an eine ausgelassene Feier dort erinnert haben. Auch auf Fotos soll er angespielt haben, die es von diesem Ereignis gebe.

Das sei nicht falsch, heißt es aus dem Umfeld von Kleinfeld. Von Fotos sei in dem Brief von Kleinfeld an Singer allerdings nicht die Rede gewesen. Kleinfeld habe Singer in dem Brief gebeten, doch wieder vernünftig miteinander zu reden. Unbewusst habe Kleinfeld Herrn Singer offenbar an eine dunkle Ecke seiner Vergangenheit erinnert.

„Dieser Brief las sich wie eine Bedrohung, um einen Senior Manager von Elliott Management auf der Basis komplett falscher Andeutungen einzuschüchtern oder zu erpressen“, sagte ein Elliott-Sprecher in New York der WirtschaftsWoche. „Diese Bedrohung hat Elliott ernst genommen. Wir haben sofort den Board von Arconic darüber informiert.“ Inzwischen hat Elliott Kleinfelds Brief im Internet veröffentlichtsowie zwei Schreiben von Richard Zabel, dem Chefjustiziar des Hedgefonds an den Arconic-Vorstand. Der Vorfall sorgt international für Aufsehen, auch das "Wall Street Journal" und australische Medien griffen ihn auf.

Kleinfeld war Anfang der Woche von seinem Vorstandsposten bei Arconic zurückgetreten. Elliott hält 13 Prozent der Anteile an dem US-Unternehmen, das aus der Aufspaltung des Aluminiumriesen Alcoa entstanden ist, und forderte seit Monaten die Ablösung von Kleinfeld. Bis zu Kleinfelds Brief an Elliott hatte der Arconic Verwaltungsrat geschlossen hinter ihm gestanden. Kleinfelds Brief aber habe „schlechtes Urteilsvermögen“ gezeigt, teilte Arconic Anfang der Woche mit.

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