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Knorr-Bremse-Kontrolleur Thiele "Ich habe gelernt, in harten Zeiten zu überleben"

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Persönliche Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter

Das sind Deutschlands Forschungsriesen
Platz 10: Deutsche Telekom  (1 Mrd. US-Dollar)Die Deutsche Telekom hat vergangenes Jahr eine Milliarde US-Dollar –  das sind etwa 731 Millionen Euro – für Forschung und Entwicklung (F&E) ausgegeben. International landet der Bonner Dax-Konzern damit auf Rang 139 der forschungsintensivsten Unternehmen, innerhalb Deutschlands erreicht die Telekom den zehnten Platz. Damit ist sie eine von 44 deutschen Firmen, die zu den weltweit 1.000 börsennotierten Unternehmen mit den höchsten veröffentlichten F&E-Ausgaben im Jahr 2012 gehören. Diese hat die Strategieberatung für ihre Studie „Global Innovation 1000“ ermittelt. Demnach steckten die untersuchten Unternehmen insgesamt 638 Milliarden US-Dollar (ca. 467 Milliarden Euro) in F&E. Das sind 5,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Ausgaben der deutschen Vertreter stiegen doppelt so stark an, wie der globale Durschnitt. Sie kletterten um 11,9 Prozent und trugen damit 49,6 Milliarden US Dollar (36,3 Milliarden Euro) zur weltweiten F&E-Menge bei. Quelle: dpa
Platz 9: Merck (1,9 Milliarden US-Dollar)Doppelt so viel, wie die Telekom investierte vergangenes Jahr der Darmstädter Pharmakonzern Merck in Forschung und Entwicklung. Seine 1,9 Milliarden Euro (ca. 1,4 Milliarden Euro) hieven ihn auf Platz 9 der forschungsintensivsten deutschen Unternehmen und auf Platz 74 im weltweiten Vergleich. Booz & Company zählt die Pharmaindustrie mit der IT-, Elektronik-, und Automobilbranche zu den spendabelsten Wirtschaftszweigen bei F&E. Die US-Tochter von Merck gab sogar 8,2 Milliarden US-Dollar für F&E aus, womit sie international auf dem dritten Platz innerhalb der Branche landet. Nur die Schweizer Pharmariesen Novartis (9,3 Milliarden US-Dollar) und Roche (10,2 Milliarden US-Dollar) zückten noch mehr. Quelle: dpa
Platz 8: BASF (2,2 Milliarden US-Dollar)Der Chemieriese BASF erklimmt mit 2,2 Milliarden US-Dollar an F&E-Ausgaben, also rund 1,6 Milliarden Euro, den achten Platz unter den deutschen Unternehmen im Ranking. International reicht das für Platz 66. Quelle: obs
Platz 7: Continental (2,3 Milliarden US-Dollar)Die Autoindustrie ist ebenfalls einer der weltweit forschungsintensiven  Industrien: in Deutschland ist sie der klare Spitzenreiter bei F&E-Ausgaben. Vier Firmen finden sich aus dieser Branche unter den deutschen Top 10: Drei Autohersteller und ein Zulieferer. Bei letzterem handelt es sich um Continental aus Hannover, der 2012 rund 2,3 Milliarden US-Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) in F&E investiert hat. Damit landet das Unternehmen in Deutschland auf Platz 7 und international auf Platz 65. Quelle: dpa
Platz 6: SAP (2,9 Milliarden US-Dollar)2,9 Milliarden US-Dollar und damit 2,1 Milliarden Euro gab der baden-württembergische Softwareriese SAP für Forschung und Entwicklung aus. Damit erreicht er unter den deutschen Spitzenforschern den sechsten Rang und auf internationaler Ebene Platz 49. Quelle: dpa
Platz 5: Bayer (3,9 Milliarden US-Dollar)Das Leverkusener Pharma-Unternehmen Bayer zahlte für seine Forschung und Entwicklung vergangenes Jahr 3,9 Milliarden US-Dollar (ca. 2,9 Milliarden Euro). International belegt es damit Platz 40, innerhalb Deutschlands den fünften Rang. Quelle: dpa
Platz 4: BMW (5,1 Milliarden US-Dollar)Der erste der drei forschungsintensivsten deutschen Autobauer ist BMW. Mit seinen 5,1 Milliarden US-Dollar (ca. 3,7 Milliarden Euro) erreicht er unter allen 1.000 untersuchten Unternehmen Platz 27, innerhalb der Autobranche Platz 8 und, wenn nur die deutschen Spitzenforscher betrachtet werden, Platz 4. Quelle: obs

Als Wohltäter sind Sie bei Ihren Beschäftigten dennoch nicht bekannt. Ihr Nachbar BMW zahlte 2012 jedem Mitarbeiter eine Erfolgsprämie von rund 7650 Euro, Audi machte 8030 Euro locker.

Damit können wir nie mithalten. Wir bieten auch keine Beschäftigungsgarantie wie BMW. Unsere Leute können sich aber darauf verlassen, dass wir das Richtige machen. Geld ist nicht alles. Wir bieten unseren Mitarbeitern persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und Entscheidungsfreiheiten, die sie in größeren Konzernen nicht haben. Bei uns können und sollen die Mitarbeiter Initiativen entfalten. Mir ist es lieber, wenn jemand einmal übers Ziel hinausschießt und ich ihn zurückpfeifen muss, als Hunde zum Jagen zu tragen. Ich kann nicht erkennen, dass wir große Probleme haben, die Leute zu bekommen, die wir brauchen.

Ist ein Milliardenkonzern ohne Erfolgsbeteiligung auf dem Arbeitsmarkt langfristig wirklich zukunftsfähig?

Ich glaube, ja. Wir haben vor ein paar Jahren eine Mitarbeiterbeteiligung diskutiert. Da gab es die Vorstellung, dass die Mitarbeiter etwa hier in München am gesamten Konzernergebnis beteiligt werden sollten. Für mich ist das aber eine abstruse Vorstellung, wenn der Gewinn stark vom Erfolg unserer ausländischen Standorte abhängt. Eine Mitarbeiterbeteiligung per Gießkanne, die diese Unterschiede nicht abbildet, finde ich nicht richtig.

Könnte das auch daran liegen, dass Sie von den Mitarbeitern der verschiedenen Standorte unterschiedlich viel Wertschätzung oder gar Dankbarkeit erfahren?

Da gibt es sehr große Unterschiede. Die Mitarbeiter in Marzahn im Osten Berlins sind meine loyalsten. Die rund 500 Beschäftigten dort spüren, dass ich an diesem Standort ganz persönlich festhalte. Es gab viele Vorschläge des Managements, die Fertigung dort aufzugeben. Wir könnten diese ohne Weiteres in einen anderen Standort integrieren. Das lehne ich aber ab, obwohl uns das einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr nach Abzug der Verlagerungskosten sparen würde.

Umsatz und Beschäftigte von Knorr-Bremse Quelle: Knorr-Bremse

Warum leisten Sie sich so etwas?

Erstens will ich keinen Beitrag zur weiteren Deindustrialisierung Berlins leisten. Zweitens wurde Knorr-Bremse in Berlin gegründet. Mir ist es wichtig, die historischen Wurzeln zu erhalten. Solange ich das kann, lasse ich mir das etwas kosten.

Der harte Knochen ein Patriot?

Nein, nein, ich möchte damit nur sagen, es geht mir nicht nur um die Maximierung des finanziellen Erfolges. Ich habe eine sehr persönliche Beziehung zu unseren Standorten und Mitarbeitern. In Aldersbach bei Passau gefällt mir zum Beispiel die Bodenständigkeit der Niederbayern. Die Rendite – und wir haben eine angemessene Rendite – ist einfach nicht alles.

Was sagen Ihr Sohn und Ihre Tochter dazu, denen Knorr-Bremse mit Ihnen zusammen zu gleichen Teilen gehört?

Die akzeptieren das. Wir reichen die Hälfte des Nettogewinns an unsere Besitzholding weiter, die uns dreien gehört und wo wir Finanzanlagen machen, aber nichts an mich und meine Kinder ausschütten. Die andere Hälfte wird auf der Ebene der Knorr-Bremse AG investiert.

Dem haben Ihre Kinder, die über zwei Drittel der Aktien verfügen, zugestimmt?

Das mussten sie nicht, denn ich besitze die Mehrheit der Stimmrechte. Ich habe ihnen eine ordentliche Ausbildung ermöglicht, meinem Sohn das Studium und die Promotion in Volkswirtschaft, meine Tochter ist Volljuristin. Mein Sohn ist in Hongkong als einer von drei Geschäftsführern für das Eisenbahngeschäft in Asien mitverantwortlich, meine Tochter leitet unseren gemeinnützigen Verein Global Care und den Bereich Corporate Responsibility.

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