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Konzern in der Krise Thyssenkrupp hakt Staatseinstieg bei Stahlsparte ab

Die Tochter Thyssenkrupp Steel Europe schreibt hohe Verluste. Anders als beim Verkauf der lukrativen Aufzugssparte stehen hier jedoch die Interessenten nicht Schlange. Quelle: dpa

Ein möglicher Staatseinstieg bei Thyssenkrupp ist wohl vom Tisch. Dies sei laut Finanzvorstand Klaus Keysberg das Ergebnis intensiver Gespräche mit dem Bund und dem Land NRW.

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Der Industriekonzern Thyssenkrupp stellt sich angesichts schwindender Optionen darauf ein, seine schwächelnde Stahlsparte aus eigener Kraft auf Vordermann zu bringen. „Das Thema staatliche Beteiligung ist vom Tisch“, sagte Finanzvorstand Klaus Keysberg in einem vorab veröffentlichten Interview der „Rheinischen Post“ (Samstagsausgabe). Dies sei das Ergebnis intensiver Gespräche mit dem Bund und dem Land NRW. Derzeit prüfe der britische Konkurrent Liberty Steel die Bücher. Der Ausgang sei offen. „Die Optionen mit anderen potentiellen Partnern haben sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht hinreichend konkretisiert, auch wenn grundsätzliches Interesse nach wie vor vorhanden ist“, berichtete der Manager. Es gehe dem Konzern auch nicht darum, den Stahl loszuwerden. „Es geht uns darum, den Stahl zukunftsfähig zu machen.“ Dafür gebe es verschiedene Wege.



Die Tochter Thyssenkrupp Steel Europe schreibt hohe Verluste. Anders als beim Verkauf der lukrativen Aufzugssparte stehen hier jedoch die Interessenten nicht Schlange. Die Schwerindustrie leidet unter der Coronakrise, Überkapazitäten und Billigimporten aus Fernost. Bei Thyssenkrupp kamen noch hausgemachte Probleme wie das milliardenschwere Desaster der Tochter Steel Americas hinzu. Die IG Metall hatte sich für einen Staatseinstieg stark gemacht und lehnt das Angebot von Liberty ab. Nun müssen die 27.000 Stahlkocher womöglich Zugeständnisse für eine Sanierung machen.

„Nach dem Einbruch durch Corona im Frühjahr spüren wir aktuell eine allgemeine wirtschaftliche Erholung“, sagte Keysberg dem Blatt. Ab wann mit einer nachhaltigen Erholung oder Normalisierung zu rechnen ist, sei unsicher. „Außerdem bestehen die strukturellen Herausforderungen in der Branche unverändert weiter und müssen angegangen werden.“

Liberty Steel prüfe derzeit in einem Due-Diligence-Verfahren die Bücher, um eine konkretere Bewertung vornehmen zu können, sagte Keysberg. Thyssenkrupp werde sich aber nicht von Dritten abhängig machen. Das Stahlgeschäft aus eigener Kraft im Unternehmen weiterzuentwickeln, sei und bleibe weiterhin eine Option. „Wir sehen aber in unserem Stahlgeschäft auch im stand-alone-Szenario erhebliches Wertsteigerungspotential. Und deswegen – ja – es geht auch alleine.“ Aus heutiger Sicht werden jedoch weitergehende Kostenreduzierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen erforderlich werden, um den Stahlbereich sehr zeitnah wieder in die Spur zu bringen. „Darüber wird natürlich mit den Arbeitnehmervertretern zu sprechen sein.“

Mehr zum Thema: Ein ehemaliger Top-Manager von Thyssenkrupp soll für Liberty Steel die Übernahme der Stahlsparte organisieren. Bei seinen ehemaligen Kollegen hält sich die Freude darüber in Grenzen.

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