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Kosten für die Wirtschaft Klimawandel birgt Milliardenrisiko – und Billionenchance

Die steigende Nachfrage nach Elektromobilität gibt vielen befragten Großkonzernen Hoffnung, vom Klimawandel auch profitieren zu können. Quelle: dpa

Was kostet der Klimawandel die Wirtschaft? Einer Umfrage unter 215 der weltgrößten Unternehmen zufolge birgt die globale Erwärmung Risiken von mehreren hundert Milliarden Dollar. Warum die Zuversicht dennoch überwiegt.

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Es mag verwirrend klingen, aber auch der Klimawandel hat neben einer schlechten auch eine gute Seite – zumindest aus Sicht der weltgrößten Unternehmen. Laut einer Umfrage der Londoner Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project (CDP) unter 215 Großkonzernen sehen die meisten zwar infolge des Klimawandels erhebliche Geschäftsrisiken in Höhe von rund 970 Milliarden US-Dollar in den kommenden fünf Jahren; aber eben auch Chancen beim Übergang zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft in der Größenordnung von 2,1 Billionen US-Dollar – mithin also mehr als das Doppelte.

Die Risiken sehen viele Konzerne im Verzicht auf fossile Brennstoffe und in Gestalt von Schäden durch zunehmende Wetterextreme wie Überschwemmungen, Tornados und Dürren. Etwa die Hälfte der hiervon verursachten zusätzlichen Ausgaben wird als „wahrscheinlich bis praktisch sicher“ angesehen. Eine steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und anderen emissionsarmen Dienstleistungen und Produkten sowie das Geschäft mit erneuerbaren Energien macht indes vielen Großunternehmen Hoffnung, am durch den Klimawandel veränderten Verbraucherverhalten zu profitieren.

Wie deutsche Konzerne Chancen und Risiken beurteilen

Unter den 215 befragten Großkonzernen stammt eine Mehrheit aus den USA, darunter Microsoft, Amazon, Apple, Facebook und Coca-Cola. Insgesamt 19 deutsche Unternehmen beantworteten die CDP-Fragen. So teilte etwa der Münchner Autobauer BMW (Umsatz: 97,4  Milliarden Euro) mit, dass bereits ein Umsatzrückgang von einem Prozent, ausgelöst etwa durch Emissionsbesteuerung, je nach Modell „einen geschätzten Effekt zwischen 150 und 250 Millionen Euro Rohertrag“ haben könnte. Ferner geben die Münchner zu Bedenken, dass Preise für Wasser und Energie steigen könnten; „Sollte sich das Risiko über Lieferanten materialisieren und die durchschnittlichen Energiekosten in der gesamten Lieferkette in der Größenordnung von zwei bis fünf Prozent erhöhen, wäre dies eine Erhöhung der Einkaufskosten um bis zu 200 Millionen Euro.“ Die Chancen sehen die Autobauer in der Verlagerung auf CO2-Effizienz und Nachhaltigkeit: „Verbraucher mit höheren Präferenzen für Ökologie und Kosteneffizienz können den Fokus auf die CO2-Effizienz von Produkten sowie die ökologische Reputation des Anbieters der Produkte verlagern.“

Der Chemie-Konzern Bayer (Umsatz: 39,6 Milliarden Euro) gibt zu Protokoll, er erwarte „zwischen 2018 und 2021 (…) aufgrund der möglichen kontinuierlichen Verschärfung des EU-Emissionshandels Gesamtkosten in Höhe von 25 bis 50 Millionen Euro“. Zu den Chancen des Klimawandels teilen die Leverkusener mit: „Der landwirtschaftliche Betrieb ist stark an das Klima gebunden. Dürren und extreme Niederschläge können schwerwiegende Auswirkungen auf die Ernteerträge haben. Eine klimabedingte Veränderung der Häufigkeit dieser extremen Wetterereignisse kann zu einer erhöhten Nachfrage nach Produkten führen, die in der Lage sind, sich an extremere Bedingungen anzupassen und die dazu beitragen, die Erträge zu schützen und zu steigern.“ 

Siemens berichtet, zwischen den Geschäftsjahren 2016 und 2020 insgesamt 100 Millionen Euro „in die Verbesserung der Energieeffizienz an unseren eigenen Standorten“ zu investieren, was nach 2020 zu Energiekosteneinsparungen von rund 20 Millionen Euro pro Jahr führen soll. 

 

Und BASF (62,7 Milliarden Euro Umsatz) schreibt, es werde von einem Chemieunternehmen mit nicht unerheblichem CO2-Fußbadruck erwartet, das man „proaktiv auf die Herausforderungen des Klimawandels reagiert“. Sieben Prozent aller BASF-Aktien seien in Besitz von Aktionären, die nach eigener Aussage sogenannte SRI-Anlagestrategien verfolgen – Social Responsible Investment. Die nüchterne Schlussfolgerung: „Im Falle eines größeren Reputationsverlustes kann diese Gruppe eine beträchtliche Anzahl von Aktien veräußern, was den Marktwert der BASF verringert.“ Positiv betrachtet aber auch BASF den „Trend der Automobilindustrie zu Energieeffizienz und sauberer Energie“, da man in Ludwigshafen davon ausgeht, dass infolgedessen „der Anteil an Chemikalien in Fahrzeugen steigen wird“. Da BASF unter anderem Kathodenmaterialien für Elektroauto-Batterien anbietet, rechnet man im besten Fall mit einem „Potenzial für eine Steigerung des BASF-Jahresumsatzes um rund 20 bis30 Prozent bis 2025“.

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