Kreuzfahrtschiffe: Die erste Achterbahn auf einem Kreuzfahrtschiff ist startklar – doch Corona verhindert ihren Einsatz
Carnival Cruise Line ist bereits mit der Achterbahn ausgestattet.
Foto: WirtschaftsWocheVon Null auf Hundert. Wie in einem Formel-1-Auto, nur eben auf dem Schiff. Das Tempo können die Fahrgäste selbst steuern. Für die Erfinder sollte es die Mega-Attraktion im Kreuzfahrt-Business werden, für deren Bau viel Fachwissen nötig ist. Da die Bewegungen durch die individuelle Steuerung nicht vorhersehbar sind, ist kein Verlass auf die Schwerkraft. Bewegt sich das Schiff um seine Achse, könnte das Fahrzeug die nächste Steigung nicht bewältigen oder zu schnell in die nächste Kurve fahren. Deshalb ist jedes Fahrgeschäft mit einem eigenen Motor und einem Antriebsrad ausgestattet. Zusätzlich sorgt eine Zahnstange dafür, dass die Antriebskraft des Elektromotors an jeder Stelle der Schiene übertragen wird – auch in engen Kurven und auf senkrechten Streckenabschnitten.
In Achterbahnen für Kreuzfahrtschiffe sieht Maurer Rides seine große Chance. Bislang ist der Fahrgeschäft-Bauer der einzige Anbieter auf dem Markt. Das Antriebskonzept ist laut Projektleiter Marco Hartwig bislang die einzige Möglichkeit, eine Achterbahn auf dem Schiff zu bauen – und niemand außer Maurer Rides darf es nutzen. Das Unternehmen hat ein Patent darauf.
Schon der Bau ist mit vielen Herausforderungen verbunden: Die Umweltbedingungen auf einem Schiff auf hoher See sind selbstredend völlig anders, die Vorbereitungen entsprechend aufwändig. Um der salzhaltigen Seeluft standzuhalten, muss das Verhalten der Fahrzeugkomponenten im Vorfeld in einem Salzsprühtest untersucht werden. Der Seegang auf hoher See führt zu Deckverformungen des Schiffes und damit zu zusätzlichen Spannungen in der Achterbahnstruktur, die bei der statischen Auslegung berücksichtigt werden müssen.
Die Achterbahn von Dream Cruise Line hat bereits ihre Testfahrten bestanden.
Foto: WirtschaftsWocheBevor die Achterbahn auf das Schiff kommt, muss sie einen Testlauf auf dem Land bestehen.
Foto: WirtschaftsWocheAufgrund der Unterschiede zwischen Schiffs- und Stahlbautoleranzen ist es Hartwig zufolge notwendig, die komplette Achterbahn vorab an Land zu montieren. So kann die Montagemethodik getestet werden. Der Aufwand macht sich preislich bemerkbar: Die interaktive Achterbahn auf dem Schiff kostet „einen einstelligen Millionenbetrag“, sagt Hartwig. Genauere Angaben will der Maurer-Rides-Projektleiter nicht machen. Aber zum Vergleich: Die schnellste und höchste Achterbahn Deutschlands, die „Silver Star“ im Europapark, kostete 14 Millionen Euro.
Ursprünglich sollte die weltweit erste Achterbahn, die auf einem Schiff verbaut ist, mit einer Länge von 220 Metern ihre Premiere auf der neuen „Mardi Gras“ von Carnival Cruise Line – dem neusten und größten Schiff der Reederei – im Herbst 2020 feiern. Und auch die zweite Bahn aus der Maurer-Rides-Schmiede steht in den Startlöchern: Auf dem Festland in Güstrow hat „Global Dream“ bereits ihre 300 Meter langen Probefahrten erfolgreich bestanden und muss jetzt nur noch auf das Schiff der Reederei Dream Cruises gebaut werden. Dann könnten die Fahrten beginnen. Theoretisch. Wäre da nicht Corona.
Denn praktisch steht die Kreuzfahrtbranche mit rund 400 Reedereien seit fast einem Jahr nahezu still. Die Zukunft ist ungewiss. Global gesehen gehen die Länder unterschiedlich mit der Pandemie um. In vielen lassen die Lockdown-Regelungen zurzeit – wenn überhaupt – Kreuzfahrten nur vereinzelt zu. In Norwegen werden Kreuzfahrten bis mindestens Mai nur eingeschränkt und mit stark reduzierter Besucheranzahl angeboten. Portugiesische Häfen sind für Kreuzfahrtschiffe weiterhin gesperrt. Mit einer Ausnahme: die Insel Madeira. Ob Landgänge möglich sind, entscheiden die Gesundheitsbehörden nach der Infektionslage. Karibik-Reisen und Atlantik-Überquerungen mit Starthäfen in den USA pausieren immer noch. Zudem gilt dort bereits seit März 2020 eine Einreisesperre für Europäer.
Das Verbot für Kreuzfahrtschiffe, in den USA anzulegen, ist zwar am 31.Oktober 2020 ausgelaufen, wurde allerdings durch strikte Vorgaben ersetzt, die Reedereien erfüllen müssen. Außerdem haben die Gesundheitsbehörden eine Warnstufe für Kreuzfahrten ausgerufen. Vereinzelte Anbieter wollen deshalb auch dort frühestens im April wieder fahren. Feste Hafensperren gibt es darüber hinaus unter anderem auf den Seychellen bis Ende des Jahres und in Kanada sogar bis Ende Februar 2022. Asien-Kreuzfahrten werden teilweise eingeschränkt wieder angeboten. Von deutschen Häfen sind Abfahrten aufgrund des Beherbergungsverbots derzeit noch gar nicht möglich. In Norwegen werden Kreuzfahrten bis mindestens Mai nur eingeschränkt und mit stark reduzierter Besucheranzahl angeboten. Portugiesische Häfen sind für Kreuzfahrtschiffe weiterhin gesperrt. Mit einer Ausnahme: die Insel Madeira. Ob Landgänge möglich sind, entscheiden die Gesundheitsbehörden nach der Infektionslage.
Karibik-Reisen und Atlantik-Überquerungen mit Starthäfen in den USA pausieren immer noch. Zudem gilt dort bereits seit März 2020 eine Einreisesperre für Europäer. Das Verbot für Kreuzfahrtschiffe, in den USA anzulegen, ist zwar am 31.Oktober 2020 ausgelaufen, wurde allerdings durch strikte Vorgaben ersetzt, die Reedereien erfüllen müssen. Außerdem haben die Gesundheitsbehörden eine Warnstufe für Kreuzfahrten ausgerufen. Vereinzelte Anbieter wollen deshalb auch dort frühestens im April wieder fahren. Feste Hafensperren gibt es darüber hinaus unter anderem auf den Seychellen bis Ende des Jahres und in Kanada sogar bis Ende Februar 2022. Asien-Kreuzfahrten werden teilweise eingeschränkt wieder angeboten. Von deutschen Häfen sind Abfahrten aufgrund des Beherbergungsverbots derzeit noch gar nicht möglich.
Das Achterbahn-Premieren-Schiff „Mardi Gras“ beginnt seine erste Fahrt voraussichtlich im Mai, „Global Dream“ erst im November. Beide Starts sind bereits mehrfach verschoben worden.
Die Pandemie bringt einen tiefen Einschnitt in die Umsatzzahlen mit sich. Carnival etwa schrieb im zweiten Quartal 2020, das erste Corona-geprägte Quartal, bereits einen Verlust von 4,4 Milliarden Dollar. Im vierten Quartal 2020, als sich das Unternehmen auf die Ausfälle vorbereiten konnte, lag das Minus der US-amerikanischen Aida-Mutter noch einmal bei 1,9 Milliarden Dollar.
Anfang März noch wollte Aida ursprünglich die neue Saison mit einer Fahrt um die Kanaren einläuten. Durch den verlängerten Lockdown musste sie den Neustart vom 6. auf den 20. März verlegen. Schon wieder – denn eigentlich sollten die Fahrten bereits im Januar beginnen. Der Einschnitt der Krise in die Umsatzzahlen ist tief.
TUI Cruises hingegen hat die meisten Katalogkreuzfahrten zwar bis Ende Februar 2021 abgesagt, nicht aber Kanaren-Kreuzfahrten. Bei den Reisen nach Griechenland werden auch wieder Landgänge angeboten. Dennoch erlitt der Konzern im ersten Quartal des Geschäftsjahres bis Ende Dezember unter dem Strich ein Verlust von knapp 803 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte Tui noch ein Sechstel davon verbucht. Seit dem vergangenen Frühjahr hat der Staat Tui mit Milliardenhilfen vor dem wirtschaftlichen Untergang bewahrt. Auch die Reederei MSC Cruises strich bis auf zwei Schiffe alle Kreuzfahrten bis einschließlich Mai 2021. Ausgenommen hiervon sind die Kreuzfahrten mit MSC Grandiosa und MSC Seaside. Die MSC Grandiosa bietet derzeit wöchentliche Kreuzfahrten an, die jeden Sonntag in Genua starten und Civitavecchia bei Rom, Neapel, Palermo auf Sizilien/Cagliari auf Sardinien sowie Valletta auf Malta im Programm haben.
Der Geldabfluss von der Reederei Norwegian Cruise Line betrug nach eigenen Angaben im vierten Quartal des Jahres 2020 155 Millionen Euro. Darüber hinaus fielen zwölf Millionen Euro pro Monat für Investitionen in Maßnahmen für den Neustart an. Für das erste Quartal 2021 rechnet das Unternehmen mit ähnlichen Verlusten.
Noch steht die Branche also nahezu still. Aber die Branchenvertreter sind zuversichtlich. „Sobald das Verbot aufgehoben wird, sind sicherlich wieder Kreuzfahrten in Deutschland möglich“, sagt Helge Gremmersdorf, Pressesprecher von Cruise Lines International Association (CLIA). Die Branche habe bereits bewiesen, dass Fahrten unter den Hygieneauflagen sicher durchgeführt werden können. Dazu gehören die Tests, Abstandswahrung und Maskenpflicht an Bord. Trotz den Einschränkungen ist sich Gremmersdorf sicher: Bis mindestens 2022 werde die Nachfrage nach Kreuzfahrtreisen steigen.
Auch der Achterbahnbauer Hartwig ist zuversichtlich. Für Maurer-Rides sei die Zwangspause derzeit kein großes Problem, sagt der Projektleiter. „Die Coronakrise kostet zwar Zeit, aber das heißt nicht, dass die nicht sinnvoll genutzt wurde“, so Hartwig. So habe das Unternehmen die Achterbahnen ohne zeitlichen Druck fertigstellen können. Sorgen, dass wegen der Corona-Milliardenverluste, Reedereien weniger Geld für außergewöhnliche Investments, wie eine Achterbahn haben könnten, hat Hartwig nicht. Um die Nachfrage nach der Krise anzukurbeln sei es umso wichtiger, Schiffe mit spektakulären neuen Attraktionen zu versehen. Wie eben die Achterbahnen.
Hartwig ist überzeugt, dass das Fahrgeschäft ein neuer Trend werden kann. So, wie heute auch fast jedes Schiff eine Wasserrutsche an Bord hat. Ein weiterer Auftrag steht auch schon in den Büchern: Die Reederei Carneval Cruise Line beauftragte Maurer-Rides bereits, einen weiteren „Spike-Coaster“ zu bauen. Bis die Bahn startklar für die Seefahrten ist, dauert es jedoch etwa zwei bis drei Jahre. Zum Vergleich: Der Bau einer herkömmlichen Bahn ist in drei bis zwölf Monaten fertiggestellt.
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