Krieg in Israel: Das Hamas-Problem der deutschen Wirtschaft ist nur ein Vorgeschmack

Zahlungskräftige Kunden: Porsche-Autohaus in Katars Hauptstadt Doha
Foto: APErst Russland, jetzt Katar. Die Liste der Länder, mit denen sich Deutschland lieber nicht eingelassen hätte, wächst. Konzerne wie Volkswagen, die Deutsche Bank und Hapag-Lloyd haben plötzlich einen staatlichen Großaktionär, der die Hamas hofiert und fördert. So gewährt das Emirat dem Führer der Terrororganisation Unterschlupf, bezeichnet zudem Israel als alleinverantwortlich für den Krieg. Wenn auch das Ausmaß des Einflusses von Katar auf die deutsche Wirtschaft überraschen mag, die Tatsache ist nicht neu. Nur hat man die Risiken einfach ignoriert.
Das Unheil, das etwa in Form von Schadensersatzklagen von Terroropfern nun vor US-Gerichten droht oder in Form einer Herabstufung in Nachhaltigkeitsrankings ist dennoch nur ein kleiner Vorgeschmack. Denn Katar mag zwar der wichtigste Partner der deutschen Wirtschaft in Nahost sein. Im Vergleich zum nächsten Problempartner ist es dennoch nur ein Zwerg: China.
Dass Peking in den nächsten Jahren nach der in seinen Augen abtrünnigen Provinz Taiwan greifen wird, sahen Experten schon vor dem neuen Nahostkonflikt als durchaus wahrscheinlich an. Vielleicht geht es aber auch schneller: Sollten die USA bald in einem Israelkrieg gebunden sein, wäre das eine regelrechte Einladung für China. Und dann? Geben sich die Konzerne wieder so überrascht? Fragen zu Katar weichen sie allesamt aus. Als Staatsbürger verstört einen das, als Aktionär sollte es einen nervös machen.
Verhältnis zur Hamas war bekannt
Die Manager der Konzerne müssen endlich ihre Hausaufgaben machen, das Risiko, das in solchen Partnerschaften liegt, klar beziffern und benennen. Entsprechende Warnungen gab es auch diesmal genug, zuletzt bei all den Skandalen, die rund um die Fußball-WM in Katar öffentlich wurden. Auch das Verhältnis zur Hamas ist längst bekannt. Wie bei der Annexion der Krim durch Russland haben die meisten das alles aber wieder einmal aktiv ignoriert.
Die Konzernspitzen – Eigentümerfamilien eingeschlossen – sollten aufhören, Partnerschaften allein aus finanziellen Erwägungen einzugehen. In einer Welt, die sich immer mehr in autokratische und demokratische Mächte aufspaltet, ist das gefährlich für ein Unternehmen, für die Belegschaft, für die übrigen Aktionäre.
Politiker undemokratischer Staaten nonchalant in den Aufsichtsrat zu berufen, ist kein Zeichen von Weltoffenheit und Geschäftssinn. Es ist vor allem ein Zeichen von nicht nachhaltiger Unternehmensführung.
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