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Krieg in IsraelDas Hamas-Problem der deutschen Wirtschaft ist nur ein Vorgeschmack

Die extreme Nähe deutscher Konzerne zu jenem Emirat, das die Hamas unterstützt, wird gerade zum Problem. Und ist doch nur eine Kostprobe für den ganz großen Ärger, der womöglich schon bald auf sie wartet. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Thomas Stölzel 21.10.2023 - 08:54 Uhr

Zahlungskräftige Kunden: Porsche-Autohaus in Katars Hauptstadt Doha

Foto: AP

Erst Russland, jetzt Katar. Die Liste der Länder, mit denen sich Deutschland lieber nicht eingelassen hätte, wächst. Konzerne wie Volkswagen, die Deutsche Bank und Hapag-Lloyd haben plötzlich einen staatlichen Großaktionär, der die Hamas hofiert und fördert. So gewährt das Emirat dem Führer der Terrororganisation Unterschlupf, bezeichnet zudem Israel als alleinverantwortlich für den Krieg. Wenn auch das Ausmaß des Einflusses von Katar auf die deutsche Wirtschaft überraschen mag, die Tatsache ist nicht neu. Nur hat man die Risiken einfach ignoriert.

Das Unheil, das etwa in Form von Schadensersatzklagen von Terroropfern nun vor US-Gerichten droht oder in Form einer Herabstufung in Nachhaltigkeitsrankings ist dennoch nur ein kleiner Vorgeschmack. Denn Katar mag zwar der wichtigste Partner der deutschen Wirtschaft in Nahost sein. Im Vergleich zum nächsten Problempartner ist es dennoch nur ein Zwerg: China.

Dass Peking in den nächsten Jahren nach der in seinen Augen abtrünnigen Provinz Taiwan greifen wird, sahen Experten schon vor dem neuen Nahostkonflikt als durchaus wahrscheinlich an. Vielleicht geht es aber auch schneller: Sollten die USA bald in einem Israelkrieg gebunden sein, wäre das eine regelrechte Einladung für China. Und dann? Geben sich die Konzerne wieder so überrascht? Fragen zu Katar weichen sie allesamt aus. Als Staatsbürger verstört einen das, als Aktionär sollte es einen nervös machen.

Schneller schlau: Hamas
Die Hamas (Abkürzung für „Islamische Widerstandsbewegung“) wurde im Zuge des Palästinenseraufstandes Intifada Ende 1987 gegründet. Ihre Mitglieder hatten schon mehrmals israelische Soldaten entführt und Selbstmordattentäter in israelische Städte geschickt. Ihre Wurzeln hat die Organisation in der ägyptischen Muslimbruderschaft. Gründer war Scheich Ahmed Jassin, der bis zu seiner Tötung durch einen gezielten israelischen Luftangriff im März 2004 auch der geistige Führer der Hamas war.Im Jahre 2006 hatte die Hamas die Parlamentswahl gewonnen, im Jahr darauf riss sie mit Gewalt die alleinige Kontrolle im Gazastreifen an sich. Seitdem ist sie auch für die Versorgung der Zivilbevölkerung in dem Küstenstreifen zuständig.In ihrer Charta fordert die Hamas die Zerstörung des Staates Israel und die gewaltsame Errichtung eines islamischen Staates Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer. Das ist das übergreifende Ziel der Gruppierung, die von EU, USA und Israels als Terrororganisation eingestuft wurde.

Verhältnis zur Hamas war bekannt

Die Manager der Konzerne müssen endlich ihre Hausaufgaben machen, das Risiko, das in solchen Partnerschaften liegt, klar beziffern und benennen. Entsprechende Warnungen gab es auch diesmal genug, zuletzt bei all den Skandalen, die rund um die Fußball-WM in Katar öffentlich wurden. Auch das Verhältnis zur Hamas ist längst bekannt. Wie bei der Annexion der Krim durch Russland haben die meisten das alles aber wieder einmal aktiv ignoriert.

Die Konzernspitzen – Eigentümerfamilien eingeschlossen – sollten aufhören, Partnerschaften allein aus finanziellen Erwägungen einzugehen. In einer Welt, die sich immer mehr in autokratische und demokratische Mächte aufspaltet, ist das gefährlich für ein Unternehmen, für die Belegschaft, für die übrigen Aktionäre.

Politiker undemokratischer Staaten nonchalant in den Aufsichtsrat zu berufen, ist kein Zeichen von Weltoffenheit und Geschäftssinn. Es ist vor allem ein Zeichen von nicht nachhaltiger Unternehmensführung. 

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