WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Krupp-Stiftung Neue Vorsitzende bereits entmachtet

Ursula Gather ist eine ausgewiesene Spitzen-Wissenschaftlerin ohne Management-Ambitionen, die Machtbasis von Berthold Beitz bleibt ihr versagt.

Ursula Gather Quelle: dpa

Ursula Gather ist als Nachfolgerin für den Krupp-Stiftungschef Berthold Beitz berufen worden, der am 30. Juli verstorben ist. Zehn Kuratoren haben die Rektorin der Universität Dortmund zur Vorsitzenden des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gewählt worden. Ursula Gather ist nicht nur Spitzenforscherin der Mathematik, sondern auch Wissenschaftsmanagerin in Nordrhein-Westfalen.

Als Rektorin der Universität hat sie auch engen Kontakt mit der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die ebenfalls Mitglied des Kuratoriums ist.

Im Vorfeld war erwartet worden, dass eine Person mit Managementerfahrung in die Spitzenrolle der Stiftung rückt, die mit 25,3 Prozent nicht nur größter Aktionär von ThyssenKrupp ist, sondern auch die Sperrminorität besitzt. Die Berufung bekräftigt die frühere Fassade, die Berthold Beitz stets vor der Stiftung aufgebaut hat.

Wie Berthold Beitz ThyssenKrupp prägte
Berthold BeitzDer Vorsitzende der Krupp-Stiftung hätte am 26. September 2013 seinen 100. Geburtstag gefeiert, doch er starb Ende Juli in seinem Ferienhaus auf Sylt. Sein wichtigster Mann im Konzern war über viele Jahre Gerhard Cromme, zunächst als Vorstandsvorsitzender von Krupp und ThyssenKrupp, später als Aufsichtsratschef. Cromme sollte auch den Stiftungsvorsitz übernehmen, wenn Beitz einmal nicht mehr sein sollte. Doch im März 2013 war plötzlich alles aus. Cromme trat von allen Ämtern zurück. Zuvor hatte es Razzien wegen des Verdachts auf Kartellabsprachen bei Karosseriestahl gegeben. Cromme fiel bei Beitz in Ungnade. 2011 erschien eine Biographie über Beitz, die er vor Drucklegung absegnete. Infolgedessen ist dort nun wenig Kritisches zu lesen. Eine überragende Position nimmt Beitz in der Nazizeit ein. Er ist zwar kein Widerstandskämpfer, rettet aber - ähnlich wie Oskar Schindler - hunderten von Juden das Leben, indem er sie als Direktor der Karpathen-Öl in Russland anstellt und somit vor dem Tod bewahrte. Quelle: dpa
Berthold Beitz, Alfried Krupp Quelle: ThyssenKrupp AG
Villa Hügel Quelle: AP
Alfred Krupp Quelle: ThyssenKrupp AG
Margarethe Krupp, Bertha Krupp
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Quelle: dpa
Radreifen-Skizze von Alfred Krupp Quelle: ThyssenKrupp AG

Diese sollte glauben machen, dass die Krupp-Stiftung rein gemeinnützigen Zwecken der Kunst-, Kultur- und Wissenschaftsforschung diene. Für die Rolle wäre Frau Gather tatsächlich die beste Wahl. Beitz jedoch nutzte den Kuratoriumsvorsitz stets als Machtbasis in der Konzernbeteiligung, die vor allen Dingen drei Säulen hatte.

Säule Nummer eins war stets die Absicherung des Konzerns vor feindlichen Übernahmen. Daher das Entsenderecht der Stiftung in den Aufsichtsrat, drei Mitglieder kann sie bestimmten ohne die Hauptversammlung zu fragen.

Diese enorme Machtposition gegenüber den anderen Aktionären führte zu Säule Nummer zwei, die Beitz gegenüber den anderen Aktionären voll in Position brachte: Er nahm sich das Recht heraus, an der Aufsichtsratssitzung des Konzerns teilzunehmen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%