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Künftiger Wehrbeauftragter Bartels "Bundeswehr-Reformen haben viel Geld verbrannt"

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"Die Soldaten müssen merken, dass man sie braucht"

Neben der Sanierung beschränkt sich die Attraktivitätsoffensive bislang auf einen etwas höheren Sold und neue TV-Geräte auf den Stuben. Ist das nicht nur Kosmetik?
Nein. Der Wegfall der Hinzuverdienstgrenze für pensionierte Soldaten und der gezieltere Versorgungsausgleich waren auch wichtige Verbesserungen. Aber es ist sicherlich nicht das Ende der Attraktivitätsoffensive. Es wird mehr folgen. Dazu gehört auch, dass die Laufbahnen für Frauen und Männer planbarer werden.

Die Soldaten klagen, dass sie noch immer häufig den Standort wechseln müssen und vor allem keinen verbindlichen Anspruch auf längere Stehzeit haben.

Wenn das Umziehen denn wenigstens einen vernünftigen Grund hätte! Aber das Hin und Her mehrerer zu schnell aufeinander folgender Strukturreformen nervt die Truppe enorm. Da ist viel Motivation vernichtet und Geld verbrannt worden.

Noch sprechen Sie als Abgeordneter und Mitglied der Regierungskoalition. Mitte Mai kommt der Perspektivenwechsel. Dann sind Sie Wehrbeauftragter und damit der Anwalt der Soldaten. Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

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    Ich will jetzt keine programmatischen Erklärungen abgeben. Noch spreche ich für eine andere Institution. Und der amtierende Wehrbeauftragte nimmt seine Verantwortung voll wahr. Aber es gibt natürlich Dauerbrenner. Der Zustand der Kasernen wird Thema bleiben, die bereits angesprochene Attraktivität des Dienstes ebenfalls. Wir müssen auch dafür sorgen, dass bei der Europäisierung unserer Streitkräfte keine demokratischen Rechte und Prinzipien über Bord gehen. Und der Übergang von der Wehrpflichtarmee zur vollen Freiwilligkeit ist noch nicht wirklich bewältigt. Wichtig wird sein, mit welchem Selbstbild die Bundeswehr in Zukunft neue Kräfte anziehen will.

    Dann werben Sie doch mal.
    Man sollte schon die Schwierigkeiten thematisieren. Die Soldaten müssen in Einsätze, weit weg von Zuhause, mit ungünstigen Rahmenbedingungen, fremden Partnern und vielleicht einer unklaren Lage. Die entscheidende Frage für Interessierte muss dann lauten: Traust du dir das zu? Die Leute müssen merken, dass man sie braucht. Die Bundeswehr sollte nicht mit Karrieregeschwurbel und Hochglanzzackigkeit werben, sondern mit der unperfekten Welt, in der Soldaten einen Beitrag leisten, weil es anders nicht geht.

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    Versteht sich die Truppe selbst so?
    Die Soldaten sehen natürlich, was schlecht läuft. Aber sie sehen auch, dass sie viel hinkriegen – und das vielleicht manchmal besser als andere, mit denen sie zusammenarbeiten. Darauf sind sie stolz.

    Trotzdem sind den vergangen Jahren so viele Beschwerden je 1000 Soldaten beim Wehrbeauftragten eingegangen wie nie zuvor.
    Die Unzufriedenheit ist in der Tat groß. Das hat nicht nur etwas mit Mängeln bei der Ausrüstung und mit den Auslandseinsätzen zu tun. Das ständige Umorganisieren der Truppe in den vergangenen Jahren hat viel Unruhe gebracht. Da wurden Verbände durch halb Deutschland verlegt, in der Hoffnung Synergieeffekte zu erzielen, die sich in zwei Jahrzehnten bezahlt machen. Bis dahin kann die Welt aber schon wieder ganz anders aussehen. Schluss mit dieser Pseudo-Optimiererei!

    Hat Ihnen Ihr Vorgänger Hellmut Königshaus schon einen Ratschlag mit auf den Weg gegeben?
    Er meint, ich sollte weiterhin gelegentlich unangemeldet Truppenbesuche machen. Finde ich auch. Aber das darf ich nicht so laut sagen.

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