Kunststoff Das Märchen vom Recycling-Meister Deutschland

Wie gut sind wir wirklich im Umgang mit Plastik? Quelle: imago

Deutschland präsentiert sich gerne als Vorreiter beim Recycling. Trotzdem wächst unser Abfallberg unaufhörlich. Warum wird Altplastik nicht noch häufiger eingesetzt, und was bringt Mülltrennung? Eine Bilanz.

Politik und Umweltschützer kämpfen für die plastikfreie Welt. Doch die ist eine Illusion, zeigt eine Analyse der WirtschaftsWoche. Der Verbrauch wird weiter steigen. Auch der vermeintlich Recycling-Meister Deutschland ist alles anderes als ein blitzsauberes Vorbild.

Wie viel Plastikmüll verursachen die Deutschen eigentlich im Jahr?
Alleine in Deutschland fallen jedes Jahr mehr als 6 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Damit hat sich die Abfallmenge zwischen 1994 und 2015 sogar noch verdoppelt. Trotz aller Bemühungen und Initiativen: Die Kurve geht steil nach oben. Daran konnten weder der Grüne Punkt noch der Verzicht des Handels auf Plastiktüten viel ändern. Nur die Weltwirtschaftskrise ließ die Kurve kurz stagnieren.

Warum verbrauchen wir immer mehr Plastik?
Die Steigerung hängt einerseits mit dem Lebensstil der Deutschen zusammen: In den vergangenen Jahren sind immer mehr Single-Haushalte entstanden, die mehr Müll produzieren. Die Deutschen trinken mehr „Coffee to go“ und kaufen fertig abgepackte Mahlzeiten. Die Hauptursache aber ist das Wirtschaftswachstum: Nicht nur, dass die Deutschen mehr konsumieren, sie produzieren auch mehr. Dafür setzen viele Industrien immer mehr auf Kunststoffe.

Wie viel Plastikmüll wird in Deutschland tatsächlich recycelt?
Nur ein Prozent des Abfallaufkommens in Deutschland landet auf Deponien. Das heißt jedoch nicht, dass alles recycelt wird. Mit 61 Prozent wird Großteil des Plastikmülls in Deutschland zur Energiegewinnung verbrannt. Nur aus 38 Prozent entstehen neue Produkte

Betrachtet man nur die Verpackungen aus dem gelben Sack und der gelben Tonne, sehen die Quoten besser aus. Im Jahr 2015 lag die Recyclingquote hier bei etwa 50 Prozent. Durch das neue Verpackungsgesetz muss sie noch weiter steigen: Schon im nächsten Jahr soll die Quote bei 58,5 Prozent liegen. Ab 2022 gilt dann eine gesetzliche Quote von 63 Prozent..

Bringt es wirklich etwas, den Abfall fein säuberlich zu trennen?
Ja, die richtige Sortierung gilt als enorm wichtig beim Recyceln. Die Kunststoffe müssen möglichst sortenrein sein, um gut weiterverarbeitet werden zu können. Die meisten Verpackungen bestehen aus sogenannten Polyolefinen. Deshalb sind die Sortier- und Recyclingmaschinen darauf spezialisiert, Polyolefine zu verarbeiten. Mischen sich andere Stoffe darunter, sinkt die Qualität der dabei entstehenden Granulate. Ebenso wichtig ist es, dass Joghurtbecher und Saftflaschen ausgespült werden und keine Rückstände mehr aufweisen – auch diese Rückstände beeinträchtigen die Qualität. Oft müssen verschmutzte Joghurtbecher deshalb aussortiert werden.

Wann sind Produkte einfach zu recyceln?
.Solange die Produkte nur aus einer Kunststoffart bestehen, sind sie einfach zu recyceln. Durch zusätzliche Weichmacher, Beschichtungen und andere Kunststoffverbindungen steigen die Anforderungen. Viele in der Bau- oder Auto-Industrie verwendete Teile sind mittlerweile mit Füllmaterialien wie Glas- oder Carbonfasern durchsetzt. Solche Hightech-Kunststoffe sind kaum noch zu recyceln. Das gilt zum Beispiel auch für die Rotorenblätter von Windrädern

Außerdem spielt die Farbe eine wesentliche Rolle: Dunkle Kunststoffe lassen sich später nicht mehr zu hellen Kunststoffen verarbeiten. Ähnlich wie Altpapier sehen manche Altplastik-Sorten wegen solcher dunkler Partikel oft fleckig und unsauber aus..

Wo wird heute recyceltes Plastik eingesetzt?
Aus den Granulaten entstehen vor allem Rohre und Fensterrahmen. 38,2 Prozent des recycelten Materials wird im Bau verwendet, so das Ergebnis einer Studie der Beratung Consultic im Auftrag verschiedener Kunststoff-Verbände. Dass es Altplastik wieder in die Supermarktregale schafft, ist seltener: 25,2 Prozent des recycelten Materials werden für Verpackungen verwendet.

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