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Kunststoff Das Märchen vom Recycling-Meister Deutschland

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Importstopp als Chance

Warum wird Altplastik nicht noch häufiger eingesetzt?
Dafür gibt es drei Hauptgründe:
1. Das Aussehen: Die Hersteller sind oft mit der Optik oder der Qualität des Altplastiks nicht zufrieden. Das Material hat zum Beispiel oft nicht die gleiche Brillanz oder Farbkraft wie Neuware.

2. Der Preis: Qualitativ hochwertige Granulate sind oftmals sogar teurer als Neuware – die Hersteller würden also draufzahlen, um Altplastik zu verwenden. Das nehmen diese nur in Kauf, wenn sie darin einen Marketingvorteil sehen.

3. Gesetzliche Einschränkungen: Zum Beispiel dürfen aus den im gelben Sack gesammelten Verpackungen keine Lebensmittelverpackungen hergestellt werden, weil im Müll Giftstoffe enthalten sein könnten.

Wie verhält sich der Handel?
Unter dem öffentlichen Druck haben viele Supermarktketten angefangen, Plastikverpackungen einzusparen. Rewe testet den Einsatz von Laser-Etiketten auf Bio-Avocados und Süßkartoffeln. Und auch Aldi und Lidl wollen nun das Angebot an unverpackten, losen Obst- und Gemüsesorten ausweiten, wie die WirtschaftsWoche erfuhr. Aldi Süd will ab dem zweiten Quartal sogar „Graspapier- und Zuckerrohrschalen für unsere Bio-Tomaten als Verpackungsalternativen testen.“

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    Warum verschiffen wir Plastikmüll ins Ausland?
    Das liegt an dem Markt für Müll und recycelte Produkte und an dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage. So zahlten die Chinesen in der Vergangenheit mehr für vorsortierten Müll als die Europäer. Eine Tonne gesammelter Pfandflaschen zum Beispiel ist in Europa etwa 400 Euro wert, die Chinesen legten 50 bis 70 Euro drauf. Deshalb lohnte es sich für viele Handelskonzerne, den gesammelten Pfand zu verschiffen. Außerdem landete vor allem viel unsortierter Müll aus Industrieanlagen auf den Schiffen. Verpackungen aus dem gelben Sack hingegen werden weitgehend in Deutschland recycelt – sie machten nur ein Prozent der nach China verschifften Ladungen aus.

    China will aber keine Mülllieferungen aus dem Ausland mehr ins Land lassen. Warum?
    Zum einen, weil China mehr eigenen Abfall verarbeiten will. Außerdem will das Land nicht mehr als Müllkippe der Welt gelten. Recycling ist dort ein schmutziges Geschäft, es findet in einfachen Fabriken und notdürftig zusammengeschusterten Unterständen statt. Die Arbeiter sind kaum ausgebildet und schlecht bezahlt, Giftstoffe geraten ungefiltert in ihre Lungen und ins Grundwasser. Ungenutzte Materialien werden illegal entsorgt. Die Zustände will die wachsende Mittelschicht nicht mehr hinnehmen.

    Welche Auswirkungen hat der chinesische Importstopp?
    Einige Marktteilnehmer sehen den Stopp als Chance, mehr Recyclingkapazitäten in Europa aufzubauen und die bisher verschifften Kunststoffe hier zu verarbeiten. Aber die Frage ist, ob sich das wirtschaftlich lohnt – die Lieferungen nach China enthielten oft stark verschmutztes und qualitativ minderwertiges Material. Wahrscheinlicher ist, dass sich ein neues Land als Müllkippe der Welt anbietet. Statt in China landet der Abfall bald vielleicht in Pakistan, Bangladesch, oder den Müllkippen Asiens.

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