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Kurssturz des schwäbischen Batterieherstellers Varta-Chef Herbert Schein: „Diese Situation war nicht vorhersehbar“

Varta-Chef Herbert Schein Quelle: Presse

Der erfolgsverwöhnte schwäbische Batteriehersteller Varta muss überraschend seine Umsatzprognose nach unten korrigieren. Die Aktie fällt um 16 Prozent. Was ist da los? Fragen an Varta-Chef Herbert Schein.

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Herr Schein, die Varta AG hat heute in einer Ad-hoc-Meldung die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr um 40 Millionen Euro nach unten korrigiert. Die Aktie sackte um 16 Prozent ab. Schlechte Nachrichten kannte man im Zusammenhang mit Varta gar nicht mehr. Wie gehen Sie damit um?
Schlechte Nachrichten mag keiner, aber wir können damit umgehen und wissen solch eine Situation handzuhaben. Ich denke, darauf kommt es an. Ja, es ist richtig, wir hatten uns Anfang des Jahres 4,2 Prozent mehr beim Umsatz vorgenommen, aber unser Ziel für die EBITDA-Marge behalten wir bei. Wir wollen dieses Jahr eine EBITDA-Marge von 30 Prozent erzielen.

Sie schreiben, der „verzögerte Start von neuen Kundenprojekten im dritten Quartal führte zu einem verringerten Umsatzwachstum“. Und „einige der größten Kunden haben durch lokale Lockdowns an Standorten in Asien ihre Produktion zeitweise nicht aufrechterhalten können“. Probleme bei Rohstoff- und Chiplieferungen gibt es nicht erst seit gestern. Hätten Sie diese Situation nicht vorhersehen können?
Auch während der gesamten Corona-Krise haben wir jegliche Engpässe bei Varta bestens gemanagt. Es kam bei uns zu keinen Produktionsausfällen. Jedoch hat sich die Situation an den weltweiten Märkten in den letzten Monaten zugespitzt. Und jetzt hatte es doch einen Einfluss auf unsere Umsatzprognose, die wir im Frühjahr gemacht hatten und wobei diese Situation nicht vorhersehbar war.

Welche Kunden, welche Branchen sind gemeint? Auch Ihr Großkunde Apple?
Selbstverständlich können wir über konkrete Kundenprojekte keine Auskunft geben. Was wir sagen können, es handelt sich um Kunden, die unsere Batterie-Packs und Lithium-Ionen-Zellen in ihren Geräten verbauen.

Das bedeutet, Sie haben so viele „Coin-Power“-Batterien produziert, wie geplant, konnten aber nicht alle verkaufen und zustellen lassen? Lagern Sie die jetzt alle in Ellwangen? Verursacht das nicht zusätzliche, ungeplante Kosten?
Nein, da wir auf Kundenanforderungen schnell reagieren können. Auf der anderen Seite kommt es bei Neueinführungen von Geräten unserer Kunden oft zu einem höheren Bedarf als geplant. Auch das haben wir in den letzten Jahren immer gut managen können. Wir haben uns in dieser Hinsicht enorm weiterentwickelt. Auch bezüglich einem schnellen Ausbau unserer Produktionskapazitäten.

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    Die neue, in diesem Jahr vorgestellte, größere Batteriezelle namens „V4Drive“ für die Elektro-Mobilität ist davon nicht betroffen, da die Pilotproduktion erst Ende dieses Jahres starten soll. Wie laufen die Vorbereitungen für die Massenproduktion?
    Ja, es ist richtig, wir bereiten derzeit eine große Wachstumsoffensive vor. Der Aufbau der Pilotlinie der V4Drive-Zelle im Format 21700 läuft nach Plan. Jetzt werden wir in die Massenproduktion investieren, die dann wie angekündigt 2024 starten wird.

    Gibt es neben dem bekannt gewordenen Auftrag von Porsche schon weitere Interessenten für die „V4Drive“-Zelle? Auf dem „Capital Markets Day“ im Oktober hatten Sie ja angekündigt, die Zelltechnologie auch auf größere Formate auszudehnen, also nicht nur auf Sportwagen mit Fokus auf schneller Beschleunigung zu beschränken.
    Auch hier können wir nicht über konkrete Kundenprojekte sprechen. Es gibt ein hohes Interesse an unserer V4Drive-Technologie und wir freuen uns sehr darüber. Unsere Lithium-Ionen-Rundzellen können schneller geladen werden und haben auch bei tiefen Temperaturen eine bessere Leistung. Deshalb eignen sie sich für vollelektrische Premium-Fahrzeuge im Performance-Bereich. Das zeigt auch das große Interesse unserer Kunden. Wie am Capital Markets Day angekündigt, wird dazu unsere Technologie auf größere Formate übertragen. Und auch im Non-Automotive-Bereich ist das Interesse für solche Zellen sehr hoch. Beispielsweise sehen wir in Märkten wie bei Power Tools und anderen Anwendungen, bei denen es auf hohe Leistung ankommt, ein großes Kundenpotential.

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