Lafarge-Holcim Der neue Chef räumt beim Zementriesen auf

Der Zementkonzern Lafarge-Holcim macht einen Milliardenverlust. Der neue Chef Jan Jenisch will jetzt einem Umbau die Wende schaffen.

Lafarge-Holcim: Chef Jan Jenisch räumt beim Zementriesen auf Quelle: Reuters

ZürichSeit September ist Jan Jenisch im Amt, nun greift der neue Konzernchef von Lafarge-Holcim durch: Jenisch räumt mit der Bilanz seiner Vorgänger auf. Wegen milliardenschweren Abschreibungen weist der Zementhersteller für das vergangene Jahr einen Verlust von 1,7 Milliarden Franken aus.

Jetzt will Jenisch den Konzern verschlanken und auf Expansion trimmen. Bis 2022 sollen die Umsätze um drei bis fünf Prozent wachsen. Seine Mission: „Wir wollen zu einem der am schnellsten wachsenden Baustoffunternehmen der Welt werden“. Aktionäre reagierten auf die Zahlen mit Enttäuschung. Die Lafarge-Aktie war am Freitag am schweizerischen Aktienmarkt der größte Verlierer.

Jenisch war im Herbst vom Baustoffkonzern Sika zu Lafarge-Holcim gewechselt – und bereinigt dort als erstes die Bilanz. Keine drei Jahre, nachdem die französische Lafarge und die schweizerische Holcim fusioniert haben, schreibt der Konzern insgesamt 3,8 Milliarden Franken an immateriellen Vermögenswerten ab.

Den Großteil der Abschreibungen erklärt der Konzern damit, dass sich die ökonomische Situation in einigen Märkten wie Algerien, Brasilien oder dem Irak nicht wie erwartet entwickelt habe. Risiken seien unterschätzt, die Nachfrage überschätzt worden.

Die Abschreibungen träfen sowohl Bereiche des einstigen französischen Lafarge-Konzerns als auch der schweizerischen Holcim. Dadurch sinkt das ausgewiesene Ergebnis für 2017 auf minus 1,7 Milliarden Franken. „Ich bin froh, dass wir das so früh lösen könnten. Das ist eine rein technische Angelegenheit“, sagte Jenisch. Nun könne sich der Konzern ganz auf seine Wachstumsstrategie konzentrieren.

Die Strategie soll bis zum Jahr 2022 laufen und trägt den für einen Betonhersteller naheliegenden Namen „Building for Growth“. Jenisch will stärker als die Konkurrenz wachsen – und konzentriert sich dafür auf jene Märkte, auf denen er sich die besten Chancen ausrechnet.

So will der Konzern in Indien, Nord- und Lateinamerika verstärkt investieren. „Die USA sind der attraktivste Baustoffmarkt der Welt“, sagte Jenisch. Dass US-Präsident Donald Trump Strafzölle für Stahl- und Aluminiumimporte verhängt, sieht der Lafarge-Chef vergleichsweise gelassen: Was der Konzern anbiete, werde schließlich vor Ort produziert.

Durch Umbau schneller und schlagkräftiger

Um die Expansion zu finanzieren, wollen sich die Schweizer aus anderen Gegenden zurückziehen. „Es gibt einige Märkte, bei denen wir uns anschauen müssen, ob wir dort in Zukunft Marktführer sein können“, sagte Jenisch.

Für das kommende Jahr stellte er Verkäufe von Unternehmensteilen im Wert von mindestens zwei Milliarden Franken in Aussicht. Es sei klar, dass Lafarge-Holcim etwa nicht in 40 Märkten in Afrika zugleich wachsen könne. Derzeit ist der Konzern in rund 80 Ländern präsent. Außerdem stellt Lafarge-Holcim das Aktienrückkaufprogramm ein, das der frühere CEO Eric Olsen aufgelegt hatte.

Durch den Umbau will Lafarge schneller und schlagkräftiger werden: Eine Managementebene wurde wegrasiert, Büros in Miami und Singapur wurden geschlossen. 40 Prozent der Manager, die an den Firmenchef berichten, seien ausgetauscht worden, sagte Jenisch

Für die Investoren soll sich die neue Strategie auszahlen: Der neue CEO stellte ein jährliches Umsatzwachstum von drei bis fünf Prozent in Aussicht, der Gewinn vor Abschreibungen und Steuern (Ebitda) solle um mindestens fünf Prozent steigen. „Das sind die Zahlen, an denen wir uns messen lassen werden“, sagte der Lafarge-Chef.

Messen lassen muss sich Jenisch aber auch an seinem Gehalt: Rund 8,8 Millionen Franken erhielt er für die viermonatige Amtszeit im Jahr 2017. Den Löwenanteil machen Aktienpakete aus, die einen langfristigen Anreiz setzen sollen. Zudem wurde Jenisch der Bonus vergütet, der ihm bei Sika durch seinen Wechsel entgangen war.

Der neue Mann an der Spitze bemühte sich bei der Präsentation redlich, Optimismus zu verbreiten. Trotzdem reagierten die Aktionäre am Freitag mit wenig Begeisterung auf die Neuigkeiten aus Zürich: Bis zum Nachmittag gab der Kurs der Lafarge-Aktien um rund sechs Prozent nach.

Die Analysten der Großbank UBS wundern sich weniger über die Abschreibungen als über die Tatsache, dass der Konzern sein Aktienrückkaufprogramm einstellt. „Das ergibt Sinn, ist aber etwas überraschend“, schreiben die Analysten. Die neue Strategie mute realistischer an, dürfe aber zu einer Neubewertung führen. Offenbar sahen das viele Investoren ähnlich – und trennten sich von den Papieren.

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